Reinhold Messner in Leonberg Einen Bogen von der Heimat bis zum Tod

Von red 

Reinhold Messner erzählt im Interview von seinem Programm „Über Leben“.

Reinhold Messner hat alle 14 Achttausender ohne Sauerstoff bezwungen. Foto: Agentur Erdanziehung
Reinhold Messner hat alle 14 Achttausender ohne Sauerstoff bezwungen. Foto: Agentur Erdanziehung

Leonberg - Reinhold Messner ist einer der bekanntesten Bergsteiger der Welt. Er hat gemeinsam mit Peter Habeler 1978 als Erster den Gipfel des Mount Everest ohne Sauerstoff aus Flaschen erreicht und stand als erster Mensch auf den Gipfeln aller 14 Achttausender, die er zwischen 1970 und 1986 bezwungen hat. Am Dienstag, 21. November, präsentiert er in Leonberg seinen Live-Vortrag „Über Leben“ und hält dabei Rückschau auf sieben Jahrzehnte, die schon früh von extremen Naturerlebnissen und dem Tod geprägt waren.

Herr Messner, waren Sie schon jemals in Leonberg?
Ja, es ist nicht das erste Mal, dass ich dort einen Vortrag halte. Soweit ich mich erinnere, war ich sogar schon mehrfach dort.
Die meisten Menschen kennen Leonberg nur aus den Verkehrsnachrichten im Radio, wenn mal wieder Stau auf einer Autobahn ist.
Auch ich bin dort schon im Stau gestanden, das ist in manchen Gegenden wahrscheinlich unvermeidlich.
Im November kommen Sie mit der Live-Show „Über Leben“ in die Leonberger Stadthalle. Was erwartet die Zuschauer da?
Ich werde einen Vortrag halten und diesen als Storyteller mit Bildern und kurzen Filmen untermalen. Im Programm „Über Leben“ geht es – wie der Titel schon andeutet – um das Leben allgemein. Ich streife verschiedene Kapitel von den Themen Heimat bis zum Tod. Ich spanne dabei einen Bogen über alle Lebensfragen.
Was bedeutet Heimat für einen Weltenbummler wie Sie?
Das ist eine Frage, die ich mir nach der Wahl in Österreich am Sonntag wieder einmal gestellt habe. Heimat ist einerseits der Ort, an dem ich aufgewachsen bin, also Südtirol. Andererseits ist aber auch die ganze Welt meine Heimat. Entscheidend ist, was alles zu einem Heimatgefühl beiträgt, zum Beispiel bestimmte Essensgerüche oder der Sound der Mutterstimme. Das Gegenteil von Heimat ist Heimatlosigkeit. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn ein Kind im Alter von acht bis zehn Jahren in Europa strandet und im Dreck liegen gelassen wird. So dürfen wir Menschen nicht behandeln. Vor allem die USA, aber auch wir haben dazu beigetragen, Afrika dürrer zu machen. Daher haben wir nun auch eine Verantwortung für diese Heimatlosen.
Ist „Über Leben“ auch eine Reflexion über Ihr Bergsteigerleben?
Es ist eine Reflexion über das Leben insgesamt. Natürlich spielt mein Leben als Bergsteiger eine Rolle, weil ich dabei meine schönsten Erfahrungen gemacht habe. Aber ich habe zum Beispiel auch die Wüste Gobi und die Antarktis durchquert.
Sie sind jetzt 73 Jahre alt, wie sieht heute Ihr Alltag aus?
Ich habe mein Leben in Perioden eingeteilt: Ich war Felskletterer, was ich nach den Erfrierungen am Nanga Parbat hintenan gestellt habe. Dann war ich Höhenbergsteiger und hatte ein politisches Mandat in der EU. Heute mache ich Filme und bringe mein Erbe in mein Museum ein.



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