Reinhold Würth verabschiedet sich vom Landesmuseum Weiter Streit um freien Eintritt

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Mehr als zwei Jahrzehnte lang hat Reinhold Würth das Württembergische Landesmuseum unterstützt. Nun hat er den Vorstand der Fördergesellschaft abgegeben – und beim Festakt im Stuttgarter Hospitalhof ein weiteres Mal für die Kultur getrommelt.

Sie waren ein gutes Team: Cornelia Ewigleben (links) und Reinhold Würth (Mitte), der 22 Jahre lang das Württembergische Landesmuseum unterstützt hat. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Sie waren ein gutes Team: Cornelia Ewigleben (links) und Reinhold Würth (Mitte), der 22 Jahre lang das Württembergische Landesmuseum unterstützt hat. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - Er gibt sich mal wieder bescheiden. So wichtig habe er seine Aufgabe gar nicht genommen. 22 Jahre lang hat sich der Unternehmer Reinhold Würth für das Württembergische Landesmuseum in Stuttgart eingesetzt, er hat nicht nur viel Geld gespendet, sondern auch deutliche Schreiben an zuständige Stellen verschickt. Nun hat der 84-jährige Mäzen den Vorsitz der Gesellschaft zur Förderung des Landesmuseums aufgegeben – und 650 Gratulanten sind in den Hospitalhof gekommen. Luftballons mit „Wir sagen Danke“ schweben im Saal. Für das Ständchen des Collegium Iuvenum wurde sogar das Lied der Württemberger umgedichtet: „In den Dank für Ihre Taten stimmen wir von Herzen ein.“ Aus Sicht eines Kaufmanns sei das eine „miserable Investition“, sagt Reinhold Würth, „die Buben mussten einen Text lernen, den sie nie mehr verwenden können“.

Aber so ist Würth eben, „geerdet und und bodenständig“, wie Cornelia Ewigleben sagt. Die Direktorin des Landesmuseums hatte Glück, dass ihr Vorgänger Volker Himmelein einst Würth für den Vorsitz der Fördergesellschaft gewinnen konnte. Eigentlich hatte der den Posten nur übergangsweise übernehmen wollen. Dass es nun 22 Jahre geworden sind, lag sicher auch daran, dass Ewigleben und Carmen und Reinhold Würth ein gutes Team waren, die eines verbindet: Ihnen ist es ein ernsthaftes Anliegen, viele Menschen an der Kultur teilhaben zu lassen.

Als Cornelia Ewigleben vorschlug, zur Ausstellung „Königreich Württemberg“ dem Alten Schloss eine überdimensionale Krone aufzusetzen, erntete sie Hohn und Gelächter. Würth dagegen habe die Idee nicht für „Firlefanz“ gehalten, sagt sie in ihrer Dankrede. Er unterstützte sie, die riesige Krone wurde mit einem Kran aufs Dach gehievt und „trug zum Erfolg bei“.

Würth hielt eine Krone auf dem Schloss nicht für „Firlefanz“

Die Sichtbarkeit des Museums war ein Thema, das Würth und Ewigleben gleichermaßen wichtig war. Die Denkmalschutzvorgaben sind beim Alten Schloss enorm, also finanzierte Würth eine Werbe-Stele aus Bronze vorm Schloss – „das war kein Schnäppchen“, so Ewigleben. Auch der Umbau des Foyers in einen offenen, gemütlichen Aufenthaltsort für alle werde von Würth „in großem Stil“ unterstützt. Wenn Ewigleben also sagt: „Sie waren ein besonderer Glücksfall für uns“, ist das keineswegs übertrieben, denn Würths Engagement ist so vielfältig wie großzügig. Deshalb tritt Peter Schneider, der Präsident des baden-württembergischen Sparkassenverbands, in große Fußstapfen. Vor dem Festakt wurde er zu Würths Nachfolger gewählt.

Der Mäzen ist Ehrenprofessor in China

Für ihren Dank hat Cornelia Ewigleben mal nachgezählt und ist auf 93 Ehrungen gekommen, die Würth bereits verliehen wurden. Er ist Ehrendoktor, Ehrensenator oder auch Ehrenprofessor der südchinesischen Shenzhen-Universität, schließlich ist sein Engagement keineswegs auf das Landesmuseum beschränkt. Würth sei ein wichtiger Pfeiler in der Kunst- und Kulturlandschaft, meinte auch die Wissenschaftsministerin Theresia Bauer. Er, der Global Player, habe nicht vergessen, „wo er seine Wurzeln hat“, sein Unternehmen sei fester Bestandteil dessen, „was uns auszeichnet im Land“, so Bauer.

Zwischen den Zeilen ihrer Dankworte äußerten die Redner aber auch ihre Meinung zu einem kontrovers diskutierten Thema: dem freien Eintritt in Museen. Theresia Bauer verwies auf eine vom Land in Auftrag gegebene Studie, der zufolge der Gratiseintritt den Häusern an schlechten Standorten nicht helfe, weshalb sich das Kunstministerium nicht generell für den freien Eintritt stark macht. Cornelia Ewigleben hielt dagegen: Die Summe sei „sehr überschaubar“, die Wirkung aber groß. Nachdem die Fördergesellschaft und die Adolf Würth GmbH die Eintrittsgelder übernahmen, haben sich im Landesmuseum die Besucherzahlen verdoppelt, in der Zweigstelle im Schloss Waldenbuch stiegen sie um sechzig Prozent.

Würth findet nicht gut, wenn Museen für Familien zu teuer sind

Auch Würth legte noch mal nach, wie enorm die Auswirkung für die Bürger sei. „Ich finde es nicht gut, wenn eine vierköpfige Familie überlegen muss, ob sie sich den Museumsbesuch leisten kann.“ In die Ausstellungen der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall kämen 150 000 Besucher, sagte Würth. „Für eine Stadt mit 40 000 Einwohnern ist das schon schick.“

Das Team des Landesmuseums, das bekannt ist für perfekte Veranstaltungsplanung, hatte es an diesem Abend im Hospitalhof nicht leicht. Günther Oettinger sollte die Laudatio auf Reinhold Würth halten, doch sein Flug aus Brüssel wurde gestrichen. Notgedrungen hielt der EU-Kommissar seine Lobrede später beim geselligen Teil und erinnerte zwischen Käsegebäck und Wein daran, dass es „auch Rückschläge in der Beziehung gegeben“ habe. Wenn es nach Würth gegangen wäre, hätte der Innenhof des Alten Schlosses heute ein Glasdach. Nicht nur das: Würth hätte auch gern das Justizministerium aus dem klassizistischen Prinzenbau vertrieben, damit das Landesmuseum mehr Bestände aus den Depots zeigen kann. Er hofft, dass das seinem Nachfolger gelingt.

Der Unternehmer aus Künzelsau wird auch weiterhin dem Landesmuseum gewogen bleiben. Cornelia Ewigleben, die selbst 2020 in den Ruhestand geht, erlaubte sich in noch eine Spitze in Richtung Politik und Verwaltung. Würth, erklärte sie, sei „das Gegenteil einer staatlichen Behörde“ – und das sei wichtig für den Erfolg: „Wir wünschen uns und dem Ministerium den nötigen Mut, das Haus in seinem Geist weiterzuführen.“ Zum Abschluss Ovationen im Stehen für den Mäzen. „Es ist nicht meine Art, den Zampano zu spielen“, sagte Reinhold Würth, „aber gefreut hat’s mich trotzdem.“