Reitsport Im Springfinale geht es hin und her

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Nadine Kraft ist Weltmeisterin der Studentenreiter. Die Gerlingerin holt mit der Mannschaft den Titel vor den Teams aus Frankreich und Neuseeland. Und auch in der kombinierten Einzelwertung glänzt sie mit dem dritten Rang.

Nadine Kraft (hier auf Topas) bringt Uni und Reiterei erfolgreich unter einen Hut. Foto: Andreas Gorr
Nadine Kraft (hier auf Topas) bringt Uni und Reiterei erfolgreich unter einen Hut. Foto: Andreas Gorr

Gerlingen/Aachen - Bei der Weltmeisterschaft in Aachen dabei zu sein, wäre ein Traum.“ Das waren die Worte der Gerlingerin Nadine Kraft, kurz nachdem sie im Dezember des vergangenen Jahres in Iserlohn zweifache Deutsche Meisterin der Studentenreiter geworden war. Und nun, ein Dreivierteljahr später, darf sie sich tatsächlich Weltmeisterin nennen. Mit der Mannschaft holte sie in Aachen Gold, außerdem belegte sie in der kombinierten Einzelwertung den dritten Platz.

„Als Favoriten sind wir sicher nicht angereist“, sagt die 25-jährige Medizinstudentin, „aber dass es dann tatsächlich gereicht hat, ist wirklich gigantisch.“ Insgesamt absolvierte sie sieben Spring- und fünf Dressurprüfungen mit stets steigendem Schwierigkeitsgrad. Der Modus war dabei derselbe wie bei den Deutschen Meisterschaften der Studentenreiter: Das Pferd bekam sie zugelost, nach einer fünfminütigen Eingewöhnungszeit ging es los.

Es war ein spannender Wettkampf, den sich die deutsche Equipe im Springfinale mit Frankreich und Neuseeland lieferte. Nach der Dressur führte das Team um Nadine Kraft mit 1,51 Punkten. Im Springen verteidigte die Studentin der Uni Mannheim zunächst den Vorsprung. Allerdings hatte die zweite Amazone im Bunde, Charlotte Rehborn, einige Probleme mit ihrem Pferd, so dass die französische Mannschaft die Spitzenposition übernahm. Die deutsche Schlussreiterin Lisette Ahrens drehte das Tableau schließlich erneut – auch dank des Umstandes, dass die Franzosen zum Schluss eben jenes störrische Ross zugeteilt bekamen, mit dem Charlotte Rehborn zuvor zu kämpfen gehabt hatte. Was blieb, war grenzenloser Jubel bei den deutschen Reitern und den mitgereisten Anhängern.

Doch für Nadine Kraft war dieser Erfolg noch längst nicht alles. Erst danach erfuhr sie, dass sie auch in der kombinierten Einzelwertung – Springen und Dressur – einen Podestplatz belegt hatte. „Ich habe vorher schon die ganze Zeit hin- und hergerechnet“, verrät sie, „und dabei gehofft, dass ich mich nicht verzählt habe und doch nur Vierte werde.“ Es wurde letztendlich Rang drei. „Abends haben wir dann in der Aachener Innenstadt noch richtig gefeiert“, gesteht sie und lacht.

Das nächste Großereignis steht für Nadine Kraft bereits unmittelbar bevor: die Reiterspiele am Leonberger Tilgshäusle vom 7. bis 9. September. Allerdings wird sie nicht mit ihrem geliebten Topas in ihrer reiterlichen Heimat vorbeischauen. „Er ist im Moment verletzt“, sagt die Reiterin, „Topas hat eine Entzündung im Kniegelenk.“ Also kommt sie notgedrungen mit einem anderen Pferd, der fünfjährigen Symphony Fantastique. „Mit ihr will ich auf jeden Fall zwei Jungpferdeprüfungen reiten“, kündigt Nadine Kraft an.

Bei der Studentenreiterei heißt das nächste Ziel, den Deutschen Meistertitel erfolgreich zu verteidigen. Im Dezember ist es in Frankfurt wieder soweit. Bei einer Weltmeisterschaft tritt Nadine Kraft voraussichtlich nicht mehr an. „Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz, dass man das nur einmal macht“, sagt sie, und rechnet nicht damit, noch ein zweites Mal zu den diversen Sichtungslehrgängen eingeladen zu werden. Zumindest bleibt in den vier Semestern, die in ihrem Studium noch anstehen, noch der ein oder andere deutsche Titelkampf. Und danach? „Dann habe ich immer noch ein eigenes Pferd“, sagt Nadine Kraft, „mit ihm fahre ich auf Turniere, und irgendwann kommen dann auch die Familie und der Job.“




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