Remstal-Gartenschau Eine im Untergrund verborgene Lebensader

Von Michael Käfer 

Begleitet von dem Fellbacher Wanderführer Dieter Wolf und dem Wassermeister Ralf Knopp können 36 interessierte Bürger den Kappelberg im Stollen der Landeswasserversorgung unterqueren.

Ein Stahlrohr liegt in der der 2,40 Meter messenden Röhre des Rotenberg-Stollens.Foto: Michael Käfer Foto:  
Ein Stahlrohr liegt in der der 2,40 Meter messenden Röhre des Rotenberg-Stollens.Foto: Michael Käfer

Fellbach - Mit einem kleinen Schlüssel öffnet Wassermeister Ralf Knopp die unscheinbare graue Tür in der Behälteranlage Rotenberg. Wenige Schritte dahinter fühlen sich einige der 36 Teilnehmer der vom Schwäbischen Albverein organisierten Visite wie im Schlund eines überdimensionalen Aals. Kerzengerade führt eine graue Betonröhre von der Stuttgart zugewandten Seite des Kappelbergs bis zum Fellbacher Tunnelende beim Spielplatz Wiflinger. Wie die Zunge des 2,40 Meter dicken Aals liegt eine zweite Röhre in der Röhre, ein Stahlrohr mit einem Meter Nennweite.

Zwischen dem Wasserwerk in Langenau und Fellbach liegt jedoch ein natürliches Hindernis

Der Rotenberg-Stollen ist eine der wichtigsten Lebensadern für die Region. Anders als Oeffingen und Schmiden, die ihr Wasser von der Bodensee-Wasserversorgung beziehen, trinken die Fellbacher kein Seewasser. Ihr Lebenselixier, das der Zweckverband Landeswasserversorgung liefert, stammt aus drei anderen Quellen: Aus Grundwasser und Quellwasser von der Schwäbischen Alb sowie aus Flusswasser der Donau. Zwischen dem Wasserwerk in Langenau und Fellbach liegt jedoch ein natürliches Hindernis: „Einer unserer Haupt-Kostentreiber ist der Strom, weil wir das Wasser über die Alb pumpen müssen“, sagt Ralf Knopp. „Von Aalen läuft das Wasser dann im freien Gefälle.“

Wie aber kamen die kleinen Röhren in die große Röhre

Der Stollen unter dem Kappelberg ist 1917 fertiggestellt worden. „Den haben die Arbeiter von Hand ausgeschachtet“, sagt Ralf Knopp, in dessen Stimme die Bewunderung für die Leistungen der Tunnelbauer nicht nur bei diesem Satz mitschwingt. Immer wieder werden er und seine Kollegen Zeuge vom Fleiß, dem Einfallsreichtum und der Ingenieurskunst längst verstorbener Generationen. In den Anfangszeiten bestanden die gemufften Rohre im Boden noch aus Gusseisen, das Wasser im Rotenberg-Stollen floss seinerzeit jedoch offen. Erst vor rund zwei Jahrzehnten erfolgte die Verrohrung. Wie aber kamen die kleinen Röhren in die große Röhre? An beiden Enden verschlossen konnten sie in den zu diesem Zweck gefluteten Stollen eingeschwommen werden, ähnlich wie Baumstämme im vorindustriellen Zeitalter auf Flüssen getriftet wurden.

Trotz der Enge kommt keine Beklemmung auf

Die Initialzündung zum Bau des Rotenberg-Stollens und der bereits 1912 erfolgten Gründung der damaligen Staatlichen Wasserversorgung erfolgte durch König Wilhelm II. Viele Gebiete auf der Schwäbischen Alb litten unter Wassermangel. „Um 1900 wurde auch in Stuttgart das Wasser knapp“, sagt Dorothee Klein, die für den nicht-technischen Teil der Informationsveranstaltung zuständig ist.

Die Besucher haben inzwischen ihre Jacken angezogen. Von der Frühlingshitze am Kappelberg, über den sie der erfahrene Fellbacher Wanderführer Dieter Wolf begleitet hat, geht es in eine kühle Unterwelt. Auf einem Gitterrost eilen die Besucher an der von einer dünnen Staubschicht bedeckten Röhre entlang. Trotz der Enge kommt keine Beklemmung auf. Einige frühere Besucher haben im Betonstaub launige Botschaften hinterlassen.

Auf der Fellbacher Seite angekommen schaut die Gruppe in eine abzweigende Röhre, den Überlauf für den Notfall. Danach öffnet sich der Raum des Einlaufbauwerks zu einer Halle mit drei Turbinen. Hier wird der Wasserdruck zur Stromerzeugung genutzt. Die insgesamt dreistündige Wanderung mit Ausklang im nahen Naturfreundehaus hat alle Marschierer beeindruckt, war es doch eine seltene Gelegenheit zum Blick in die Unterwelt.

Hintergrund Information

Landeswasserversorgung
Die 1912 gegründete Landeswasserversorgung (LW) liefert drei Millionen Menschen in 250 Städten und Gemeinden jährlich 90 Millionen Kubikmeter Trinkwasser. 53 Jahre lang war sie ein landeseigenes Unternehmen, seit 1965 ist die LW ein kommunaler Zweckverband.

Führungen
Als Teil des Programms der Remstal-Gartenschau bietet der Schwäbische Albverein am 6. Juni und am 25. September zwei weitere Führungen durch den Rotenberg-Stollen an, die aber bereits ausgebucht sind. Die Landeswasserversorgung ermöglicht Gruppen ab zehn Personen aber gerne weitere kostenlose Führungen. Sehenswert sind auch die Wasserwerke in Dischingen und Langenau, letzteres mit der „Erlebniswelt Grundwasser“. Anmeldungen sind bei der Landeswasserversorgung unter der Nummer 0711/ 2 17 50 möglich. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.lw-online.de