Renaturierung des Federseemoors Durch die Anhebung des Wasserspiegels soll das Ried wiedervernässen

Von Nora Stöhr 

Das Federseeried bei Bad Buchau wird renaturiert. Was der Mensch nun wieder richtet, hat er einst auch zerstört: Mehr als 200 Jahre lang wurde an dem oberschwäbischen Moor Raubbau betrieben. Vom Ergebnis profitieren erst nachfolgende Generationen.

Das Federseemoor bei Bad Buchau von oben – im 19. Jahrhundert war das Gewässer noch zehn Quadratkilometer groß; heute misst es nur noch 1,4 Quadratkilometer. Sehen Sie weitere Eindrücke in unserer Bildergalerie. Foto: Manfred Grohe 5 Bilder
Das Federseemoor bei Bad Buchau von oben – im 19. Jahrhundert war das Gewässer noch zehn Quadratkilometer groß; heute misst es nur noch 1,4 Quadratkilometer. Sehen Sie weitere Eindrücke in unserer Bildergalerie. Foto: Manfred Grohe

Bad Buchau - Der Boden unter dem großen Bagger schwankt gefährlich. Es scheint, als balanciere die tonnenschwere Maschine auf einem riesigen Wackelpudding. Eine Metallplatte unter dem Bagger verhindert, dass er vom schwabbeligen Untergrund verschluckt wird – schließlich verrichtet das Gerät seine Arbeiten mitten in einem Moor. Im nördlichen Federseeried bei Bad Buchau (Kreis Biberach) wird derzeit ein von langer Hand geplantes Naturschutzprojekt umgesetzt: Das Gebiet soll renaturiert werden.

Dazu tragen die Bagger die oberste Schicht des Torfes ab. Mit dem organischen Material soll etwa die Hälfte der insgesamt 56 Kilometer langen Entwässerungsgräben aufgefüllt werden. „Dazu benötigen wir 15 000 Kubikmeter Torf“, erzählt der Projektleiter Stefan Schwab vom Regierungspräsidium Tübingen. So soll der Wasserspiegel in dem 33 Quadratkilometer großen Moorgebiet wieder angehoben werden, die Wiesen dadurch verwässern. Auf dem frei gelegten, gesunden Torf soll im Mai 2014 Saatgut ausgestreut werden, aus dem moortypische Pflanzen wachsen können. Landwirte wie Heinz Scheffold aus Alleshausen bereiten die schon bearbeiteten Teile des Rieds derzeit mit ihren Pflügmaschinen auf die Einsaat vor.

Von dem einstigen Hochmoor ist heute fast nichts mehr übrig

Was der Mensch nun wieder richtet, hat er einst auch zerstört: Mehr als 200 Jahre lang wurde an dem oberschwäbischen Moor Raubbau betrieben. Die Ortsansässigen wollten die Sümpfe, die den Federsee umgeben, zu fruchtbaren Äckern machen. Im Jahr 1788 wurde deshalb ein Abflusskanal gegraben, der den See für die Landwirtschaft trockenlegen sollte. 1808 wurde die Wasserschneise nochmals verbreitert und vertieft – mit zweifelhaftem Erfolg: Das damals zehn Quadratkilometer große Gewässer umfasst heute nur noch 1,4 Quadratkilometer. Das dichtmaschige Grabennetz, das in den folgenden Jahrzehnten entstand, entzog dem Gebiet rund um den Federsee noch mehr Feuchtigkeit. Mikroorganismen konnten von da an den trockenen Moorboden zersetzen. Das häufige Düngen mit Gülle tat ein Übriges.

Zudem entdeckten die Bewohner den Torf als Heizmaterial für den Winter. Die vermoderten Pflanzenreste, die nur um ein bis zwei Millimeter pro Jahr wachsen, wurden fleißig gestochen. Große Mengen an umweltschädlichem Kohlendioxid, die in dem Torf gebunden waren, wurden durch den Abbau freigesetzt. Von dem einstigen Hochmoor ist heute deshalb so gut wie nichts mehr übrig.

Durch die Entwässerung des Federseerieds sind nicht nur die Lebensräume von Tieren und Pflanzen, sondern auch die Kulturzeugnisse aus der Stein-, Bronze- und Eisenzeit gefährdet. Sie gehören seit 2011 teilweise zum Weltkulturerbe der Unesco. Die Hinterlassenschaften der Bewohner, die ungefähr vom Jahr 5000 vor Christi an in Pfahlbauten rund um den Federsee siedelten, wurden jahrtausendelang im luftdichten Moor konserviert. „In wenigen Jahrzehnten wären diese Schätze nicht mehr da“, sagt Helmut Schlichtherle, der als Unterwasserarchäologe vom Landesdenkmalamt an dem Projekt beteiligt ist.

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