Repaircafé in Korntal-Münchingen Helfer bringen kaputte Geräte wieder zum Laufen

Wilhelm Kobler – ein Tüftler. Foto: factum/Bach
Wilhelm Kobler – ein Tüftler. Foto: factum/Bach

Im westlichen Stadtteil Korntal-Münchingens öffnet am Mittwoch ein Repaircafé. Nun fehlt im Strohgäu nur noch in Hemmingen eines. Die Gemeinde will nachziehen.

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Korntal-Münchingen - Der blaue Fön mit den Aussetzern wird Wilhelm Kobler, 65, aus dem Stadtteil Münchingen, fast zwei Stunden lang beschäftigen. Der gelernte Elektroniker und Fernmeldemonteur ist einer von 15 Bürgern, die mit ihren technisch-handwerklichen Fähigkeiten künftig im Repaircafé im Stadtteil Korntal defekte Küchengeräte und Unterhaltungselektronik sowie Spielzeug reparieren. Vor der Eröffnung am vergangenen Donnerstag hatten sich die Reparateure zu einer Generalprobe getroffen. Wie lange dauert eine Reparatur im Schnitt? Ist genug Werkzeug vorhanden? Sind die Formulare korrekt?

Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ gefällt

Wilhelm Kobler, der sich seit dem Ruhestand auch in anderen Repaircafés wie in dem in Ditzingen und Böblingen engagiert oder Jugendlichen sein Wissen weitergibt, tüftelte und reparierte schon als kleiner Junge. Er nennt sich einen „Allrounder“. Er bringt die Trockenhaube seiner Frau ebenso wieder zum Laufen, wie er im Freundeskreis an diversen Geräten Wackelkontakte behebt oder beim Fernseher vom Nachbarn die Sender einstellt.

Am Repaircafé gefällt Wilhelm Kobler das Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ besonders gut. „Man zeigt und erklärt den Leuten die Dinge so, dass sie lernen, ihre Geräte bestenfalls selbst zu reparieren“, sagt der Münchinger. Währenddessen entstaubt er vorsichtig den Motor des blauen Föns. Aber natürlich packe einen Reparateur auch der Ehrgeiz, den Fehler zu finden und zu beheben. Den Defekt zu entdecken, ihn aber nicht beheben zu können, sei so unbefriedigend, wie völlig ratlos vor dem Gerät zu sitzen. Erfahrungsgemäß lasse sich mehr als die Hälfte der im Schnitt fünf bis sieben Jahre alten Geräte reparieren. Manchmal, sagt Wilhelm Kobler, müssten die Besucher wieder kommen, weil sie ein Ersatzteil bestellen müssen.

Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft setzen

Immer mehr Kommunen haben Repaircafés. Sie setzen damit vor allem ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft. Die Idee zu einem Treff in Korntal-Münchingen hatte Cornelie Class-Hähnel. Die Leiterin der Volkshochschule sagt: „Mir gefällt der Gedanke, dass man Geräte oder Spielzeug nicht sofort entsorgt. Das Gefühl, wenn Kaputtes wieder funktioniert, ist großartig.“ Wichtig sei ihr außerdem, „dass nachfolgende Generationen Fertigkeiten vermittelt bekommen, die sonst verloren gehen“. Die VHS ist die Trägerin des Repaircafés, in Kooperation mit der Stadt. Aus einem Fonds der Stabsstelle Umwelt-, Klima- und Naturschutz hat es 500 Euro Startkapital erhalten. Davon haben die Helfer zum Beispiel Werkzeug gekauft, das sie ständig benötigen.

Cornelie Class-Hähnel hofft auf mindestens 15 bis 20 Besucher pro Treff. Die Erfahrung zeige, dass viele Besucher großzügig, aber auch erleichtert fünf Euro spenden. So sind etwa im Ditzinger Repaircafé im vergangenen Jahr 1000 Euro zusammengekommen. Im Ditzinger Stadtteil Heimerdingen hat Mitte Januar ein Repairtreff aufgemacht. Korntal-Münchingen folgt dem Beispiel vielleicht: Wilhelm Kobler und einige andere Reparateure denken über Repaircafés auch in Münchingen und in Kallenberg nach. „Mit unseren Rollcontainern sind wir flexibel“, sagt Wilhelm Kobler.

Hemmingen will nachziehen

Im Strohgäu fehlt jetzt nur noch in Hemmingen ein Repaircafé. Walter Zimmermann vom Forum 55 plus nennt solche Einrichtungen „eine wunderbare Sache“ – sofern die nötigen Helfer vorhanden seien. „Ehrenamtliche zu finden, ist leider nicht leicht. Mögliche Räume hätten wir dagegen mehrere, den Bürgertreff oder die Scheune des Ortsgeschichtlichen Vereins“, sagt Walter Zimmermann. Er setze das Thema auf die Tagesordnung der nächsten Versammlung. Auch der Vorsitzende des Ortsgeschichtlichen Vereins, Manfred Gutbrod, ist für ein Repaircafé aufgeschlossen. Doch er sieht dasselbe Problem wie Walter Zimmermann: „Ehrenamt verteilt sich auf wenige, immer dieselben Hände“, sagt Manfred Gutbrod. Trotzdem spreche auch er die Idee in der nächsten Sitzung an.

Und was macht der blaue Fön in Korntal? Im Kabel waren ein paar Kupferadern unterbrochen, was zu den Aussetzern geführt hat. Wilhelm Kobler hat das defekte Teil herausgeschnitten. Jetzt läuft der Fön wieder wie am ersten Tag.

Premiere Das Repaircafé im Bürgertreff Korntal öffnet am Mittwoch, 21. Februar. Nach dem Stehemfang um 16 Uhr mit einer Ansprache von Bürgermeister Joachim Wolf und der VHS-Leiterin Cornelie Class-Hähnel gehen die Reparateure um 16.15 Uhr an die Arbeit. Ende ist um 20 Uhr. Künftig öffnet das Repaircafé jeden dritten Mittwoch im Monat. Das nächste Repaircafé in Gerlingen ist am Samstag, 24. Februar, in Ditzingen am Donnerstag, 8. März, und in Heimerdingen am Donnerstag, 15. März.




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