Rettungshunde im Rems-Murr-Kreis Die wahren Helfer auf vier Pfoten

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Wenn ein Mensch vermisst wird, kommen sie zum Einsatz: Die Spürnasen der Rettungshundestaffel Rems-Murr. Einer der Spürhunde ist in diesem Winter regelrecht berühmt geworden. Wir durften beim Training dabeisein.

Mantrailer Ace hat die richtige  Nase – und findet die Zielperson schnell. Foto: Gottfried Stoppel 10 Bilder
Mantrailer Ace hat die richtige Nase – und findet die Zielperson schnell. Foto: Gottfried Stoppel

Rems-Murr-Kreis - Irgendwo da vorne muss es sein. Ace sprintet voran, immer in die Richtung, aus der der Geruch kommt. Plötzlich stehen der Spürhund und sein Frauchen vor einer Mauer – doch kein Problem: Über einen Kieshaufen arbeitet sich der Vierbeiner nach oben. Und tatsächlich: Dort liegt ein regloser Körper. Erst als der Hund sich neben ihm absetzt, rührt der Mann sich plötzlich – und verabreicht Ace gleich eine Portion Leckerlis.

So sieht die Arbeit der Suchhunde aus:

Das Szenario ist zum Glück nur eine Übung, der „Vermisste“ trägt orangefarbene Einsatzkleidung und gehört zum Team der Rettungshundestaffel Rems-Murr. Ace ist noch in der Ausbildung zum Mantrailer; wenn diese bald abgeschlossen ist, wird er anhand eines Taschentuchs oder einer Mütze den spezifischen Geruch eines bestimmten Menschen verfolgen und den Vermissten aufspüren können.

Das Mantrailing ist das Nonplusultra der Suchhund-Karriere – die meisten von Aces Kollegen sind sogenannte Flächen- und Trümmersuchhunde. Sie können in der Natur, aber auch in eingestürzten Häusern menschlichen Geruch erkennen.

Die Rettungshundestaffel rückt im Ernstfall aus, um verirrte Kinder, verwirrte Senioren oder verschollene Unfallopfer wiederzufinden. Im vergangenen November etwa wurde die elfjährige Schäferhündin Baily berühmt, als sie zusammen mit ihrer Führerin Sabine Moscal einer demenzkranken Seniorin das Leben rettete.

Für unser Video waren wir beim Training der Rettungshunde dabei:

Moscals Mann Andreas ist ebenfalls bei der Rettungshundestaffel dabei, als Truppführer. Auch er erinnert sich noch an den Einsatz um die vermisste Seniorin: „Ich habe damals zu den Leuten gesagt: Wir suchen jetzt schon die dritte Nacht, es kann gut sein, dass wir sie nicht mehr lebend finden.“ Doch es kam anders: Nachdem ein Mantrailer eine ungefähre Richtung angezeigt hatte, fanden Sabine Mos­cal und Baily die Dame in einem Gebüsch – unterkühlt, aber wohlauf. Nach dem Erfolg riefen etliche Zeitungen und Radiosender bei den Moscals an – „dabei sind wir doch dafür da“, meint die Hundeführerin bescheiden.

Wenn die Rettungshunde in der Zeichentrick-Serie „Paw Patrol“ ausrücken, benutzen sie Greifarme, Luftkissenboote, Flugrucksäcke und andere technische Raffinessen. Die echten Helfer auf vier Pfoten brauchen solchen Firlefanz nicht – ihnen reicht ihre extrem sensible Spürnase. Wenn Ace und seine Kollegen den Geruch einer Probe aufnehmen, schnuppern sie kaum merklich daran – und los geht es.

Die Spürnasen sind bei der Vermisstensuche unverzichtbar

Ein ausgebildeter Spürhund sei „oft effektiver als eine ganze Hundertschaft der Polizei“, erklärt Andreas Moscal. Denn bis die Beamten einmal vor Ort seien, vergehe wertvolle Zeit. Und anders als die menschlichen Suchtrupps, die auf ihre Augen und Sonden angewiesen sind, haben die Tiere in der Dunkelheit den entscheidenden Vorteil, sich ganz auf ihre Nase verlassen zu können.

Bis die Mensch-Tier-Teams das Potenzial der Hunde im Einsatz voll nutzen können, braucht es allerdings einiges an Training. Dieses wird schrittweise aufgebaut: Anfänger bekommen schon eine Belohnung, wenn sie mehr oder weniger zufällig einen herumliegenden Helfer finden. Später gibt es die Leckerlis oder Spielzeuge, wenn sie den Ursprung eines menschlichen Geruchs grob lokalisieren können. Prüfungsreife Rettungshunde wiederum zeigen den genauen Fundort an – manche bellen, andere setzen sich hin, wieder andere laufen zu Herrchen oder Frauchen zurück und führen sie dann zum Fundort.

Die Spürhunde und ihre menschlichen Begleiter trainieren hart

Bei den Flächen- und Trümmersuchhunden dauert es zwei bis drei Jahre, bis die Ausbildung abgeschlossen ist. Bei den spezialisierteren Mantrailern sind es sogar drei bis fünf Jahre. Ace zum Beispiel wird bald seine Abschlussprüfung ablegen.

Doch auch wenn es so weit ist: Um in Übung zu bleiben, trainieren die Zwei- und Vierbeiner zweimal pro Woche. Für Mensch und Tier bedeutet das jede Menge Arbeit – zumal alle Hundeführer berufstätig sind. Für die Erste Vorsitzende der Hundestaffel, Melanie Skender, schlägt das Ehrenamt dennoch mindestens zwei Fliegen mit einer Klappe: „Man beschäftigt den Hund artgerecht und macht damit noch etwas Sinnvolles“, meint sie.

Über die Rettungshunde im Rems-Murr-Kreis

Verein Die Rettungshundestaffel Rems-Murr gibt es seit dem Jahr 1999, sie ist Mitglied im Bundesverband Rettungshunde. Derzeit verfügt sie über zehn einsatzfähige Teams, 14 weitere sind in Ausbildung. Der Verein finanziert sich ausschließlich über Mitgliedsbeiträge, Spenden und Sponsoring.

Gelände Momentan ist der Verein gerade dabei, sein eigenes neues Trainingsgelände in Welzheim herzurichten. Dennoch sind die Retter darauf angewiesen, dass die Tiere auch auf ihnen unbekannten Geländen und in Abbruchhäusern üben können – die in der Reportage beschriebene Übung etwa fand beim Bauunternehmen Pfeil in Althütte statt.

Infos Unter www.rh-rm.de erklärt die Rettungshundestaffel unter anderem, welche Voraussetzungen Mensch und Tier mitbringen müssen, um mitzumachen