Rhythmische Sportgymnastik Ein Virus diktiert die Regeln

Die Nationalgruppe   kann sich 2020 nur ausnahmsweise einmal präsentieren. Foto: Patricia Sigerist
Die Nationalgruppe kann sich 2020 nur ausnahmsweise einmal präsentieren. Foto: Patricia Sigerist

Für die Gymnastinnen im Bundesstützpunkt in Schmiden bleibt vom Jahr 2020 vor allem die Erinnerung an Übungseinheiten mit Abstand sowie ohne konkrete Wettkampfziele.

Fellbach: Eva Herschmann (eha)

Schmiden - Großes Glück hätten sie gehabt, so konstatierte Kathrin Igel an einem Tag im späten März. Die Leiterin des Bundesstützpunkts für Rhythmische Sportgymnastik in Schmiden meinte die 25. Auflage von „Gymnastik International“. Das Traditionsturnier war – schon geprägt von Absagen vieler Nationen – das letzte sportliche Ereignis in Fellbach überhaupt vor dem ersten Lockdown. Zu jener Zeit hätte Kathrin Igel nicht gedacht, dass das ganze Sportjahr von einem Virus namens SARS-CoV-2 diktiert wird anstatt von den Vorgaben im Regelwerk.

Nach dem Heimturnier im März geht erst einmal nichts mehr

Auf bis zu 15 Nationen hatte Kathrin Igel bei der Jubiläumsausgabe von „Gymnastik International“ gehofft, das zuvor zwei Jahre wegen des Neubaus einer Trainingshalle und eines Wasserschadens hatte pausieren müssen. Jetzt aber war alles bereit. Die Eltern hatten – unter der Regie von Kathrin Igel – in beiden Hallen auf- und umgeräumt, und es hatten schon viele zugesagt, etwa Russland, Weißrussland, Ungarn, Frankreich, Estland und Slowenien. Doch kurz vor dem Turnier am ersten März-Wochenende übernahm das Virus zunehmend die Regie in allen Lebensbereichen. So blieben nach mehreren Absagen noch Südkorea, Israel, Ukraine, Bulgarien und die Schweiz als Teilnehmerländer übrig. Aber immerhin fanden in Schmiden überhaupt Wettkämpfe statt. Eine Woche später ging ganz Deutschland zum ersten Mal in den kompletten Ruhestand – inklusive eines großflächigen Trainingsverbots. Das hielt für Spitzen- und Leistungssportler zwar nicht lange an, hatte aber Folgen.

Daniela Huber erklärt ihren Rücktritt vom Leistungssport

Am härtesten traf es die in Schmiden beheimatete Nationalgruppe. In der Besetzung mit Daniela Huber, Viktoria Burjak, Nathalie Köhn, Noemi Peschel, Alexandra Tikhonovich und Anni Qu hatte das Team bei den Europameisterschaften in Kiew, die im Mai hätten stattfinden sollten, seine letzte Chance nutzen wollen, ein Gruppenticket für die Olympischen Spiele in Tokio im Sommer zu ergattern. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) entschied dann mit Blick auf die weltweite Entwicklung der Pandemie, das Großereignis in Japan abzusagen. Wie beim Domino fielen und entfielen damit drumherum die sportlichen Großereignisse. Als Konsequenz erklärte Daniela Huber, die Kapitänin der Nationalgruppe, im Oktober ihren Rücktritt vom Leistungssport. „Mir fehlt die Motivation für ein weiteres Trainingsjahr mit ungewissen Perspektiven, auch im Hinblick auf Olympia“, begründete die 19-Jährige ihren Schritt.

Auch Margarita Kolosov, Deutschlands derzeit beste Einzelgymnastin, setzt das Virus zu. 2020 sollte ein Lehrjahr in der Meisterklasse für die 16-Jährige werden, die noch im Dezember 2019 als Juniorin beim traditionsreichen und gut besetzten „Luxembourg Cup“ dreimal Silber gewonnen hatte. „Die Großen konzentrieren sich auf die Olympischen Spiele, und Margarita kann in deren Windschatten in Ruhe reifen. Erst 2021 gucken wir auf Ergebnisse“, mit diesen Worten hatte Isabell Sawade, die Teamchefin für Rhythmische Sportgymnastik beim Deutschen Turner-Bund (DTB), zu Jahresbeginn die Richtung ausgegeben. Doch statt eines Ausbildungsjahres war es für Margarita Kolosov wie für alle anderen Gymnastinnen ein Jahr der Übungseinheiten mit Hygiene- und Abstandsregeln und fast ohne konkrete Wettkampfziele.




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