Noch im April galt das weltgrößte Passagierflugzeug bei der Lufthansa als endgültig ausgemustert. Nun kommt überraschend die Kehrtwende. Sie ist aus der Not geboren und stellt die deutsche Airline auch vor besondere Herausforderungen.

Sie ist ein Hingucker und bei Passagieren äußerst beliebt. Mit bis zu 800 Sitzplätzen gilt die A380 als größtes Passagierflugzeug, das je gebaut wurde. Ihr wirtschaftlicher Erfolg dagegen fiel überschaubar aus. Statt einmal angepeilter 1000 Maschinen hat der Hersteller Airbus nur etwa ein Viertel dessen gebaut, bevor die Produktion Ende 2021 unrühmlich beendet wurde. Der Riesenjet galt mit seinem hohen Spritverbrauch und schwer zu füllenden Sitzplatzkapazitäten als aus der Zeit gefallen. Das Modell „kommt bei Lufthansa nicht wieder“, hatte Konzernchef Carsten Spohr noch diesen April betont, nachdem die Fluggesellschaft ihre 14 Maschinen dieses Typs in der Coronapandemie eingemottet hatte. Nun sollen die Giganten der Lüfte aber wieder fliegen.

Kranich-Airline ist mit der Wiederbelebung der A380 nicht allein

Die Kranich-Airline ist mit der Wiederbelebung abgestellter A380 nicht allein. Zuvor hatten das schon die arabische Airline Emirates, British Airways, die australische Quantas, Singapore Airlines und ANA aus Japan angekündigt, geparkte A380 wieder in Dienst zu stellen, wobei sie vor allem beim A380-Hauptkunden Emirates, der allein die Hälfte aller Modelle dieses Typs weltweit fliegt, nie ganz in der Versenkung verschwunden waren.

Was zur Renaissance führt, ist zweierlei. Derzeit drängen Passagiere in Scharen in Flugzeuge, was bei Airlines und Flughäfen auf knappe Personalkapazitäten trifft. Viele Piloten und Crews fallen wegen Corona-Erkrankungen derzeit weltweit aus. An Flughäfen wiederum wurde in der Pandemie viel Personal abgebaut, das nun nicht mehr zurückkommt, weil es anderswo Beschäftigung gefunden hat. Viele Passagiere mit wenig Flugzeugen und knappem Personal befördern kann man vor allem mit Maschinen großer Sitzplatzkapazität – und da hat kein Modell mehr zu bieten als die A380.

Gravierende Probleme beim Flugzeugbauer Boeing treffen Lufthansa

Zweiter Grund, der vor allem auch die Lufthansa trifft, sind anhaltende und gravierende Probleme beim US-Hersteller Boeing, wo sich hausgemachte Probleme bis in den Himmel türmen. Viele seit Langem versprochene Langstreckenmodelle wie die Boeing 777-9 oder auch der Dreamliner 787-9 können nur mit jahrelanger Verspätung ausgeliefert werden. Die Lufthansa wartet auf Dutzende Flugzeuge beider Typen und wird teils wohl noch bis 2026 ausharren müssen. Auch deshalb wird nun die A380 reaktiviert, was aber kein leichtes und vor allem kein schnelles Unterfangen ist.

Zum einen sind von einst 14 Maschinen dieses Typs nur acht übrig, weil der Rest wieder an Airbus zurückverkauft wurde. Die verbleibenden acht A380 wiederzubeleben ist zum anderen kompliziert, auch weil sie langzeitgeparkt wurden. „Wir haben sie in Tiefschlaf versetzt, jetzt ist nach mehr als zwei Jahren Standzeit erst aufwendiger Service fällig, und außerdem haben wir nur noch 14 Piloten, die eine A380-Lizenz besitzen“, erklärt ein Lufthansa-Sprecher die Probleme.

Zwei bis drei Piloten sind erforderlich

Je nach Streckenlänge braucht jeder der Riesenflieger zwei bis drei Piloten im Cockpit. Sollten alle acht Maschinen reaktiviert werden, summiert sich das auf gut 100 Piloten. Es muss also neu geschult werden, was mit der Wartung dazu führt, dass die A380 bei der Lufthansa erst im Sommer 2023 wieder fliegen wird.

Diese Entscheidung sei aber unumkehrbar, betont ein Sprecher. Das damit verbundene Risiko streitet er nicht ab. Denn wenn Russland der EU das Gas komplett abdreht und Europa in eine Rezession kippt, könnte es mit steigenden Passagierzahlen schnell wieder vorbei sein. Bis 2026 sollte dann auch Boeing endlich liefern können. So oder so dürfte die Renaissance der A380 speziell bei der Lufthansa deshalb eine auf Zeit sein.

Lufthansa will ihre reaktivierten Großraumjets vom Typ Airbus 380 in München stationieren. Es gehe zum Sommerflugplan 2023 um vier bis fünf Maschinen, sagte Unternehmenschef Carsten Spohr auf einer internen Veranstaltung.

Maschinen werden in München stationiert

Für die Stationierung der A380 in der bayerischen Landeshauptstadt spricht im Vergleich zum Drehkreuz Frankfurt die Personalsituation bei den Piloten. Weil derzeit nur 14 Lufthansa-Piloten eine gültige Lizenz für das größte Serien-Passagierflugzeug der Welt besitzen, sollen künftig auch Piloten der kleineren A350 in Doppelzulassung eingesetzt werden. Auch die A350 startet und landet in München, während in Frankfurt die Boeing-Maschinen und ihre Piloten stationiert sind. Die Wartungsinfrastruktur für die A380 hält Lufthansa in Frankfurt vor.