Ringen Frank Stäblers Weg durch die Hölle

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Der Musberger Ringer Frank Stäbler träumt von Olympia-Gold – und steht deshalb vor einem riesigen Kraftakt.

Starker Mann mit großem Ziel: Frank Stäbler Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch
Starker Mann mit großem Ziel: Frank Stäbler Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Stuttgart - Eigentlich würde sich der Ringer Frank Stäbler schon im Sportler-Ruhestand befinden, doch jetzt hat er noch ein ganzes Jahr vor sich. Corona hat die Olympia-Pläne des Musbergers durcheinander gewirbelt. „Jetzt ist eben alles für den 4. August 2021 ausgelegt“, sagt Stäbler im Hinblick auf die verschobenen Olympischen Spiele, nach denen er dann seine internationale Karriere mit einem Jahr Verspätung beenden will. Danach wird er wohl noch ein Jahr in der Bundesliga ringen – auch um sich auf einer finalen Tournee von Freunden und Wegbegleitern zu verabschieden.

In Musberg, wo er sich auf seinen letzten großen Traum in einem umgebauten Hühnerstall auf dem Hof seiner Eltern vorbereitet, gab Stäbler am Sonntag Auskunft über die letzten schwierigen zwölf Monate seiner Karriere. Exakt drei Turniere will er noch bestreiten. Die vom Ringer-Weltverband geplante Weltmeisterschaft, die im Dezember in Serbien stattfinden soll, als Termin aber noch nicht fix bestätigt wurde, ist dabei ein Muss. Falls daraus nichts wird, gibt es wohl noch die Möglichkeit einer EM im Februar in Polen. Dann will der Schwabe im Juni 2021 den Grand Prix von Deutschland bestreiten und als dritten und letzten Akt die Spiele in Tokio – so sie überhaupt stattfinden.

Der letzte Traum

Stäbler glaubt fest an Olympia, ob vor Zuschauern oder ohne Publikum. „Es ist absolut mein letzter Traum, olympisches Gold zu holen“, sagt der Ringer, der dreimal Weltmeister wurde und zweimal Europameister. Jetzt fehlt ihm nur noch dieses letzte große Ding: Gold und die Ehre, sich Olympiasieger nennen zu dürfen.

Musberg hätte dann einen Olympioniken. Oft werden als solche alle Olympiateilnehmer bezeichnet, tatsächlich aber sind Olympioniken nur die Goldmedaillengewinner. So einer wäre Stäbler dann. Aber er weiß auch, welchen Preis er dafür bezahlen muss. Er ist jetzt 31 Jahre alt, hat ein angeschlagenes Schultereckgelenk und muss für die Spiele, bei denen er dann 32 Jahre alt ist, mehr als acht Kilo herunterhungern, weil seine Gewichtsklasse aus dem olympischen Programm genommen wurde. „Acht Kilo – und trotzdem muss ich leistungsfähig bleiben“, sagt Stäbler, also weiß er auch, was auf ihn zukommt. „Ich werde in den dreieinhalb Monaten vor Tokio durch die Hölle gehen“, vermutet er. Erschwerend hinzu kommt, dass die meisten seiner Kontrahenten erst zwischen 23 und 27 Jahre alt sind. Nur auf seinen starken EM-Gegner Juri Lomadse wird er nicht treffen, gegen den er am Jahresanfang den Titel holte. Der Georgier sitzt angeblich wegen Menschenraubs und Erpressung im Gefängnis.

Schon einen Titel geholt

Immerhin hat Stäbler im Corona-Jahr schon einen Titel gewonnen – den meisten anderen Sportlern ist das bislang vergönnt. „Das reicht vielleicht für den Sportler des Jahres in Deutschland“, sagt er lächelnd. Fit halten will sich der Athlet auf jeden Fall auch in der Bundesliga. Weil sein Heilbronner Club, die Red Devils, wegen Corona und finanzieller Sorgen nicht am Bundesligabetrieb teilnehmen werden, geht Stäbler jetzt für den ASV Schorndorf an den Start. Schon immer fühlte er sich Baden-Württemberg verbunden, sagt er. „Ich hatte in meiner Karriere finanziell sehr gute Angebote, wollte aber nie fünf Stunden im Auto sitzen, um einen Wettkampf zu bestreiten.“

Frank Stäbler – ein Mann mit Prinzipien. Selbst in diesem Fall: im Februar wird er zum zweiten Mal Vater – also ein halbes Jahr vor den Olympischen Spielen. „Das ist zwar der vermeintlich schlechteste Zeitpunkt“, gibt er zu, „aber nicht für mich. Meine Kinder sollen ein Teil dieser Geschichte sein – denn sie motivieren mich enorm.“

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