Rockfabrik Ludwigsburg wird 30 Legendärer Club feiert Geburtstag

Von SIR/dpa 

Von Manowar, Metallica bis Motörhead - Die „Rockfabrik“ hat mehr Legenden kommen und gehen sehen als viele andere Rock-Schuppen im Land. Seit 30 Jahren behauptet sich der Club. Doch die Zeit geht nicht spurlos vorüber. Das Geschäft ist schwieriger geworden.

Christian Albrecht, Chef der Rockfabrik, ist mächtig stolz auf den kultigen Rock-Schuppen in Ludwigsburg und seine mittlerweile 30-jährige Geschichte, doch auch Albrecht weiß: Das Geschäft ist schwieriger geworden. Foto: dpa 4 Bilder
Christian Albrecht, Chef der Rockfabrik, ist mächtig stolz auf den kultigen Rock-Schuppen in Ludwigsburg und seine mittlerweile 30-jährige Geschichte, doch auch Albrecht weiß: Das Geschäft ist schwieriger geworden. Foto: dpa

Von Manowar, Metallica bis Motörhead - Die „Rockfabrik“ hat mehr Legenden kommen und gehen sehen als viele andere Rock-Schuppen im Land. Seit 30 Jahren behauptet sich der Club. Doch die Zeit geht nicht spurlos vorüber. Das Geschäft ist schwieriger geworden.

Ludwigsburg - Mehr als einmal stapfte Rock-Legende Lemmy Kilmister sternhagelvoll durch die Gänge der Rockfabrik. Bands wie Metallica oder Deep Purple machten hier nach ihren Gigs regelmäßig die Nacht zum Tag. Seit nunmehr 30 Jahren behauptet sich der Disko-Dinosaurier in Ludwigsburg - doch die Zeiten haben sich geändert. „Umsätze wie in den 80er Jahren schreiben wir heute nicht mehr, jedes Dorf hat ja mittlerweile seine eigene Rockerpinte“, sagt Chef Christian Albrecht. Das Geschäft sei schwieriger geworden im Laufe der Jahre.

Albrecht war von Anfang an dabei, als die Rock-Diskothek 1983 entstand - in den Hallen einer ehemaligen Kühlschrankfabrik. „Damals steckten Heavy Metal und Hard-Rock ja noch in den Kinderschuhen“, erinnert sich Albrecht. Doch in der „Rofa“, wie der 54-jährige Berliner seinen Club nennt, regierten schon die harten Gitarrenriffs - „ein Novum in der Region“. Viele Bands feierten dort ihre ersten Auftritte in Deutschland. Rockgrößen wie „Unheilig“ oder „Volbeat“ zum Beispiel, heute füllen sie Fußballstadien. Immer noch ziehe es einige Rock-Größen zurück: „Die Jungs von Motörhead schauen bei uns rein, wenn sie in der Gegend spielen“, sagt Albrecht.

„Zur Blütezeit der Rockmusik war der Club die Top-Adresse in Süddeutschland“, erzählt Hans Peter Haag, Geschäftsführer des Veranstalters Music Circus Concertbüro in Stuttgart. Zwar sei der Glanz von früher nicht verblasst, doch die Szene habe sich verändert: „Die Jugend ist disziplinierter geworden, damals gab es ja auch nicht den Druck wie heute. Da sind die Leute auch mal mit ein oder zwei Stunden Schlaf zur Arbeit gegangen.

An ihrem Kultstatus hat die Rockfabrik nichts verloren

Auch Albrecht sieht die Veränderungen: „Früher hatten wir jeden Tag offen und oft 2000 Gäste am Abend. Heute sind es nur noch fünf Tage, aber das ist für eine Großraumdisko weiterhin ungewöhnlich“, sagt er. Spaß haben, rebellieren und anders sein als die Eltern, das wolle die Jugend heute noch genau wie vor dreißig Jahren. „Aber die Jugendlichen haben heute nicht mehr diese Loyalität, diese Bindung zu „ihrem Laden“, sie sind vielleicht zwei oder drei Jahre hier, dann nimmt sie das Leben wieder mit“, sagt Albrecht. „Damals gab es ja auch noch keine Computer und Smartphones, um sich auszutauschen, dafür waren eben Kneipen da“.

An ihrem Kultstatus habe die Rockfabrik dennoch nichts verloren, meint Haag. Statt auf schnelllebigen Trendwellen mitzureiten, seien die Macher ihrer musikalischen Linie über all die Jahre treu geblieben. „Auch wenn Rockmusik schon tausendmal tot gesagt wurde“. Von Pop und Rock bis hin zu Dark Wave und Gothic - die Rockfabrik versuche heute möglichst viele Facetten der Musik abzudecken, erklärt Albrecht. „Wir müssen ständig schauen, welche Musik die Jugendlichen hören, wo holen wir sie ab. Die alten Zöpfe von vor dreißig Jahren spielen wir schon lange nicht mehr.“

Die meisten Gäste kämen ohnehin nicht allein wegen der Musik, sondern um Freunde zu treffen. „Wir sind wie eine große Familie“, sagt Albrecht. Der Stuttgarter Autor und Regisseur Kai Thomas Geiger kann davon ein Lied singen. „Ich habe viel Zeit meiner Jugend in der Rockfabrik verbracht. Der Club war für mich immer wie ein Wohnzimmer“, erinnert er sich. Sein in diesem Jahr erschienener Roman „Autoreverse“ ist eine Hommage an die Rocker-Diskothek. Um in den Schuppen zu kommen, tat der Ich-Erzähler im Roman fast alles. Wie im echten Leben auch: Mindestens vier Mal in der Woche fuhr er mit seinem Moped von Stuttgart in die Rockfabrik nach Ludwigsburg: „Das war rebellisch, fast schon halbreligiös.“

Am 30. November feiert die Rockfabrik Ludwigsburg ihren 30. Geburtstag. Nähere Informationen gibt es hier.