Rodelnfrauen bei Olympia 2018 Geisenberger und Hüfner vertragen sich

Von Jürgen Kemmner 

Dank gezielter Maßnahmen geht es zwischen den beiden deutschen Rodlerinnen Tatjana Hüfner und Natalie Geisenberger entspannt zu – vom Zickenkrieg ist nichts zu spüren. Noch nicht.

Natalie Geisenberger (li.) und Tatjana Hüfner (Zweite von li.) zeigen sich stolz mit dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier (Vierter von li.). Foto: dpa
Natalie Geisenberger (li.) und Tatjana Hüfner (Zweite von li.) zeigen sich stolz mit dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier (Vierter von li.). Foto: dpa

Pyeongchang - Zickenkrieg. Nein, nicht den im Eisschnelllauf, den sich Claudia Pechstein und Anni Friesinger von 2002 an in unterschiedlicher Vehemenz fast ein Jahrzehnt lang geliefert haben. Auch 2014 gab es einen sogenannten Zickenkrieg, wobei weder Natalie Geisenberger noch Tatjana Hüfner dieses Wort für die Meinungsverschiedenheit rund um die Winterspiele vor vier Jahren benutzen würden. Die eine Rodlerin, Hüfner, hatte sich beschwert, dass der Verband die andere Rodlerin, Geisenberger, bevorteile. „Das ist doch schon fast ewig her“, sagt die Gesamtweltcup-Gewinnerin Geisenberger vor dem Auftakt im Einzel an diesem Dienstag (1. Lauf 11.50 Uhr). Bei Olympia haben sich die Dauerrivalinnen stets erbittert um Gold duelliert – in Vancouver 2014 triumphierte Hüfner, in Russland 2014 jubelte Geisenberger.

Tauwetter hat das Eis von Sotschi längst geschmolzen. Und frostig sind in Pyeongchang nur die Temperaturen. „Wir beide haben keine Absichten, an der guten Stimmung was zu ändern“, sagt die Miesbacherin, „aber natürlich sind wir auf der Bahn Konkurrentinnen. Der Kampf ist nicht gegen sie persönlich gerichtet, aber wir sind nun mal Einzelsportlerinnen.“ Die Oberbayerin, die am 5. Februar 30 geworden ist, gilt als leichte Favoritin. In Sotschi schnappte sie sich zwei Goldene (Einzel und Team), zuletzt wurde sie zum sechsten Mal in Folge Gesamtweltcup-Siegerin. Das gelang vor ihr noch keiner Rodlerin. Im Training im Eiskanal von Korea war mal Geisenberger vor Hüfner, dann war die Reihenfolge wieder umgekehrt. Sie dürften den Sieg wieder unter sich ausmachen. „Bei den Erfolgen der vergangenen Jahrzehnte, da ist es normal, dass Topleistungen und Siege erwartet werden“, sagt Geisenberger, „das ändert aber nichts an der Ausgangslage in Pyeongchang – die ist für alle gleich.“

Die Stimmung kann nicht so verkehrt sein

Ein Vorteil ist zweifellos, dass im deutschen Lager zwischen Geisenberger, Hüfner und Dajana Eitberger keine negativen Schwingungen eine konzentrierte Vorbereitung erschwert haben. Vielleicht auch deshalb, weil die Rivalinnen der Rodelbahn einige sogenannte Teambuilding-Maßnahmen hinter sich haben. Vor der vergangenen Saison ging die Mannschaft zum Bogenschießen, vor der Olympia-Saison hatten die Trainer vorgeschlagen, mit einer Magnum-Feuerwaffe, Polizeipistole und Gewehr zu feuern. „Wenn die Trainer uns das zutrauen“, sagte Hüfner vor den Spielen, „kann die Stimmung bei uns so verkehrt nicht sein.“

Auch gelegentliches gemeinsames Klettern sollte das Wir-Gefühl stärken, aber da steckt noch mehr dahinter. Die Teamärzte haben vor einiger Zeit entdeckt, dass Klettern die Rumpfstabilität stärkt sowie die die Finger- und Rückenmuskulatur kräftig. „Man sieht den Zusammenhang fürs Rodeln nicht sofort, aber es nützt“, bemerkt Geisenberger, die auch alleine in die Kletterhalle geht; entweder daheim im Miesbach oder am Gardasee im Rahmen eines Trainingslagers. Auch die Slackline gehört zum Übungs-Repertoire der siebenmaligen Weltmeisterin, dabei verbessert sie ihre Körper-Koordination sowie die Konzentration. Allerdings trainiert sie abseits der Nationalmannschafts-Lehrgänge nicht mit Tatjana Hüfner, wie auch? „Ich wohne in Miesbach und trainiere in Berchtesgaden, sie in Oberhof“, erklärt Geisenberger. Und so groß ist die Verbundenheit nun auch nicht, dass man dafür ein paar 100 Kilometer im Auto verschwendet. Außerdem will sich jede ihre kleinen Erfolgsgeheimnisse bewahren.

Das Zimmer teilen sie sich nicht

Das Zimmer im Olympischen Dorf teilen sich die großen Konkurrentinnen aus dem eigenen Lager freilich auch nicht. Geisenberger wohnt mit Dajana Eiberger, nicht zuletzt deshalb, weil sie eine gemeinsame Vorliebe teilen: Sie stehen auf die Backstreet-Boys und haben in ihrem Zimmer in Pyeongchang gleich nach dem Einzug ein Poster aufgehängt. Eine Goldmedaille würde die kleine Wohnung garantiert zusätzlich schmücken.

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