Rösterei El Molinillo in Welzheim Wo Auslese noch echte Handarbeit ist

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In der Rösterei El Molinillo in der Laufenmühle und der Filiale in Welzheim gibt es fair gehandelten und sozialer Verantwortung hergestellten Kaffee, der mit sogenannten Edelmarken durchaus mithalten kann.

Daniela Lihs (links) , und Angelika Grey  sortieren akribisch die schlechten Kaffeebohnen aus. Foto: Gottfried Stoppel 6 Bilder
Daniela Lihs (links) , und Angelika Grey sortieren akribisch die schlechten Kaffeebohnen aus. Foto: Gottfried Stoppel

Welzheim - Um eine große Holzarbeitsfläche herum sitzen vier Frauen und sortieren aus einem Meer an Kaffeebohnen akribisch die hellen Exemplare heraus. „Die kommen weg, die kann man nicht nehmen“, sagt Angelika Grey, „sonst wird der Kaffee schlecht“. Angelika Grey, die ihr Alter mit „Ü-60“ angibt, arbeitet seit der Eröffnung von El Molinillo für die Rösterei in der Welzheimer Laufenmühle – und sie steht im doppelten Sinn für das Besondere an dem Unternehmen. Zum einen ist sie seit rund 50 Jahren einer von heute knapp 100 betreuten Schützlingen der Christopherus Lebens- und Arbeitsgemeinschaft, die sich um Menschen mit geistigen Einschränkungen kümmert. Zum anderen leisten sie und ihre Mitstreiter vor dem Eintüten des Kaffees noch eine Stufe der Qualitätsverbesserung, die bei der industriellen Fertigung gar nicht möglich ist.

Kooperation mit Hamburger Rösterei

Als sie einst die Idee mit der Rösterei entwickelten, hätten sie einerseits über einen Betrieb nachgedacht, der möglichst viele verschiedene Arbeitsplätze biete, an denen die Mitarbeiter ihre Fähigkeiten einsetzen und weiterentwickeln könnten, sagt Daniela Doberschütz, die Leiterin der Kaffeeröstereien und Öffentlichkeitsarbeiterin der gesamten Einrichtung. Andererseits habe man ein Produkt mit einem hohen Qualitätsanspruch nachhaltig herstellen wollen, mit dem man auch „in die Welt gehen“ könne. Das Know-how haben sich die Verantwortlichen schließlich in Hamburg geholt. Mit der Speicherstadtrösterei pflegt man auch heute noch eine Kooperation, die hochwertigen Biokaffeebohnen werden aus Kleinplantagen in Brasilien, Äthiopien, Sumatra, Honduras und Papua Neuguinea bezogen.

Die Veredelung in der Welzheimer Laufenmühle ist reine Handarbeit und wird von einem Team aus vier Betreuern und elf Betreuten geleistet. Produziert werde im schonenden Langzeitröstverfahren, bei dem das Aroma mehr Zeit bekomme, sich zu entfalten, betont Daniela Doberschütz, und alles nur nach Bedarf. An diesem Tag beispielsweise ist eine Bestellung von Kärcher in Arbeit. Der Winnender Spezialist für Reinigungsgeräte zählt wie einige andere renommierte regionale Großbetriebe zu den Stammkunden von El Molinillo. Dies sicherlich auch, weil der Kaffee sozial und nachhaltig hergestellt werde, aber in erster Linie doch wegen seiner ausgezeichneten Qualität, wie Daniela Doberschütz glaubt. Rund 40 Tonnen Kaffee wurden im vergangenen Jahr insgesamt geröstet und veredelt.

Daniela Lihs, ebenfalls im Molinillo-Sortierteam, kann sich auch nach vielen Jahren in dem stets intensiv duftenden Arbeitsplatz an einem Kaffee erfreuen. „Wann machen wir eigentlich Kaffeepause?“, fragt sie den Zeitungsmann, der den normalen Ablauf ein wenig durcheinander gebracht hat. Auf die Frage, welche Sorte sie denn empfehlen könne, führt sie diesen vor eine Karte und fragt ihn die Herkunftsländer ab. Dann deutet sie in Richtung Südamerika: Der brasilianische Kaffee ist ihr persönlicher Favorit. Wie der schmeckt? Die 41-Jährige grinst breit und reibt sich genüsslich den Bauch.

Röstereifiliale mit Café in Welzheim

Probieren kann man das übrigens selbst. Sowohl in der Rösterei in der Laufenmühle können alle fünf Kaffee- und Espressosorten an einer Stehtheke vor dem Kauf auch gekostet werden. Noch bequemer geht es in der zentral in Welzheim gelegenen Filiale mit Café. Dort gibt es alles nicht nur mit Bedienung im Sitzen, sondern auf Wunsch auch noch hausgebackene kleine Leckereien dazu.

Im El Molinillo in der Laufenmühle steht derweil eine neue Charge kurz vor der Vollendung. Rebecca Schaile, im Hauptberuf eigentlich Arbeitserzieherin, zieht eine Probe und hält sie an ihr Ohr. Weil Röstung nicht gleich Röstung ist, wird keine Zeitschaltuhr sondern das Gehör bemüht, um zu erkennen, wann es am besten ist, mit dem Erhitzen aufzuhören. „Man merkt dies an einem feinen Knackgeräusch, das entsteht, wenn das Silberhäutchen der Bohne platzt“, sagt Rebecca Schaile, die das und einiges mehr von den Hamburger Röstmeistern gelernt hat. Das typische Geräusch ist zu hören gewesen, auch die gewünschte optische Braunnuance ist erreicht. Die Fuhre kann auf den großen Holztisch geleert werden, um dort ihren letzten Qualitätsschritt zu erfahren. Gleich – denn jetzt haben sich Angelika Grey, Daniela Lihs und die anderen erst einmal ihre Kaffeepause verdient.