Benzinpreis Trumps Politik treibt den Spritpreis nach oben

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Die Preise für Benzin und Diesel sind in den vergangenen Wochen spürbar gestiegen. Die wichtigsten Fragen zu den Hintergründen – und warum es Hoffnung auf ein Ende des Höhenflugs gibt.

Freitagmorgen kostete Super E5 im Bundesschnitt über 1,50 Euro. Foto: dpa
Freitagmorgen kostete Super E5 im Bundesschnitt über 1,50 Euro. Foto: dpa

Frankfurt - Die Preise für Benzin und Diesel gehen seit Wochen kontinuierlich nach oben. Schuld daran ist vor allem die Politik des US-Präsidenten Donald Trump. Wir erklären die Hintergründe.

Wie hat sich der Benzinpreis entwickelt?

Am Freitagmorgen kostete ein Liter Super E5 laut dem Vergleichsportal mehr-tanken.de mehr als 1,50 Euro. Im Tagesverlauf gab dieser bei Tankstellen bundesweit ermittelte Durchschnittspreis zwar wieder leicht nach. Der Trend ist aber eindeutig: Während Super E5 – der hierzulande meistgetankte Kraftstoff – noch im März weniger als 1,40 Euro pro Liter kostete, liegen auch die Tagesmittelwerte jetzt deutlich über dieser Marke.

Was treibt die Preise?

Hintergrund sind die steigenden Kosten für Rohöl. In den vergangenen zwölf Monaten verteuerte sich die Nordseesorte Brent um gut 50 Prozent. Für den Preisanstieg auf dem Ölmarkt gibt es mehrere Gründe: Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) und Russland haben ihre Förderquoten schon Anfang 2017 gekürzt, um den damals niedrigen Ölpreis zu stützen. Hinzu kamen unfreiwillige Produktionsausfälle in Venezuela, das in einer tiefen politischen und wirtschaftlichen Krise steckt. Den letzten Schub über die Marke von 75 Dollar pro Barrel (159 Liter) erhielt der Ölpreis aber durch die Furcht vor einem Ausfall des wichtigen Exportlands Iran.

Wodurch sind die iranischen Exporte gefährdet?

US-Präsident Donald Trump hat bei der Aufkündigung des Atom-Abkommens mit dem Iran auch Wirtschaftssanktionen verhängt. Zwar importieren die Vereinigten Staaten kein Öl aus dem Iran. In der Vergangenheit haben die USA aber andere Abnehmer wie die EU-Staaten gezwungen, die Öleinfuhren aus dem Iran zu reduzieren. Dies war die Voraussetzung dafür, dass Banken und andere Unternehmen aus der EU weiter Zugang zum US-Finanzsystem hatten. „Wenn die USA dies erneut durchsetzen, würden die Exporte aus dem Iran zum Jahresende deutlich zurückgehen“, sagt Eugen Weinberg, Rohstoff-Experte bei der Commerzbank.

Drohen dann noch höhere Preise?

Nicht unbedingt, denn die Opec könnte beschließen, den Rückgang von Lieferungen aus ihrem Mitgliedsland Iran zu kompensieren. Tatsächlich erwägen Saudi-Arabien und Russland, der größte Ölexporteur außerhalb der Opec, eine Ausweitung ihrer Produktion schon von Juli an. Der saudiarabische Energieminister Chaled al-Faleh sagte am Freitag auf dem Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg, die Ölförderländer hätten „bald die Möglichkeit, das Angebot zu öffnen“. Das werde „wahrscheinlich in der zweiten Jahreshälfte“ passieren. Sein russischer Kollege Alexander Nowak sagte, sollte die Ölproduktion wieder steigen, dann „ab dem dritten Quartal“, also von Juli an. Der Brent-Preis sank daraufhin um zwei Prozent auf 77 Dollar pro Barrel. Commerzbank-Experte Weinberg sagt: „Einen verschärften Anstieg der Preise erwarten wir nur bei einer massiven Zuspitzung der geopolitischen Lage im Nahen und Mittleren Osten.“

Wie wichtig ist der Öl- für den Spritpreis?

Den größten Anteil am Benzinpreis bekommt der Fiskus: Die Mineralölsteuer beträgt rund 65 Cent pro Liter. Hinzu kommt noch die Mehrwertsteuer, die allerdings mit dem Ölpreis steigt. Insgesamt beliefen sich die sogenannten Produktbeschaffungskosten der Mineralölwirtschaft – in die auch die Raffineriepreise einfließen – im April auf rund 42 Cent pro Liter, der damals im Mittel 1,39 Euro kostete. Das entspricht einem Anteil von 30 Prozent.

Warum schwanken die Preise an der Zapfsäule dann dauernd?

Die Tankstellen erhöhen tendenziell die Preise, wenn die Nachfrage besonders hoch ist: „Morgens, wenn die Leute zur Arbeit fahren, am späten Nachmittag, wenn sie heimfahren und leicht auch in der Mittagspause“, sagt Ralf Dewenter. Der Professor an der Bundeswehr-Universität in Hamburg hat mehrere Studien zum Kraftstoffmarkt veröffentlicht. Seit einigen Jahren seien aber zunehmend Preisbewegungen auch zu anderen Tageszeiten zu beobachten – ein Trend, den auch die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe beim Bundeskartellamt bestätigt. Dewenter vermutet, dass dabei die Markttransparenzstelle selbst eine Rolle spielt: Sie erfasst seit 2014 in Echtzeit die Tankstellenpreise, die als Basis für viele Vergleichsportale im Internet dienen. „Genau wie die Verbraucher können dort natürlich auch die Mineralölkonzerne die Preise ihrer Wettbewerber einsehen und darauf reagieren“, sagt Dewenter. Ein paar Faustregeln gelten aber immer noch: „Nachts sind die Preise sehr hoch, weil diejenigen, die da tanken, es einfach tun müssen – dafür fährt ja niemand extra um zwei Uhr morgens los“, erläutert der Wissenschaftler. Andere Tankstellen nutzen aus, dass sie allein auf weiter Flur sind – zum Beispiel direkt an der Autobahn.