Schützenhausbrand in Rutesheim Der Feuerteufel ist wieder ein Siebenschläfer

Von Arnold Einholz 

Die außerordentliche Mitgliederversammlung der Schützengilde Diana beschließt den Wiederaufbau ihres abgebrannten Vereinsheims.

In der Nacht vom 14. Juni hat ein   Brand  das Vereinsheim der  Rutesheimer   Schützengilde  Diana zerstört. Foto: SDMG
In der Nacht vom 14. Juni hat ein Brand das Vereinsheim der Rutesheimer Schützengilde Diana zerstört. Foto: SDMG

Rutesheim - Da hat sich wohl einer mächtig gelangweilt“, scherzt Willi Wendel. Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Doch dem Eltinger Kfz-Meister und Leonberger CDU-Gemeinderat ist es in seiner Funktion als Vorsitzender der Rutesheimer Schützengilde Diana eigentlich überhaupt nicht zum Scherzen zumute.

Den rührigen Verein hat es am 14. Juni hart getroffen. Das im Jahr 2000 neu aufgebaute Schützenhaus an der Straße zwischen Rutesheim und Flacht war in Flammen aufgegangen. Trotz des Großaufgebotes der umliegenden Feuerwehren blieb von dem Vereinsheim nur eine ausgebrannte Ruine übrig.

Die Ermittlungen der Brandexperten haben mittlerweile ergeben, dass ein eigentlich putziger Wicht, dem man nichts Böses zutraut, der Feuerteufel gewesen ist. Ein Siebenschläfer, der, wie Willi Wendel schon sagte, nichts besseres zu tun hatte, hat im Schützenhaus ein Kabel angenagt und so einen Kurzschluss verursacht. „Anscheinend haben sie alle das Feuer gut überstanden, denn jetzt, wo ihnen alle Türen und Fenster im Gebäude offen stehen, findet man noch mehr Spuren der kleinen Nager“, hat Oberschützenmeister Willi Wendel beobachtet.

Erleichterung: Keine Brandstiftung

Mit der Ermittlung des Täters geht zwar die Erleichterung darüber einher, dass es keine Brandstiftung gewesen ist, doch nun kommen die Sorgen, wie es weitergehen soll. Auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Vereins am 6. Juli, an dem eine große Mehrheit der rund 140 Vereinsmitglieder teilgenommen hat, wurde einstimmig beschlossen, das Vereinsheim wiederaufzubauen.

Doch das ist leichter gesagt, als getan. Zwar wird die Versicherung für einen Teil des Schadens aufkommen. „Aber trotz der von Rutesheim in Aussicht gestellten großzügigen Zuschüsse nach den Vereinsförderrichtlinien der Stadt – welcher Verein unserer Größe hat schon ein paar Hunderttausend Euro auf der hohen Kante, um solch ein finanzielles Vorhaben zu stemmen?“, gibt der Vorsitzende der Schützengilde zu bedenken. Der Schaden durch den Brand wird zwischen einer halben Million und 600 000 Euro geschätzt.

Zudem befürchtet Willi Wendel, dass durch mittlerweile zahlreiche neue Bauvorschriften das Vereinsheim um einiges teurer wird als noch vor 18 Jahren. „Unser oberstes Ziel ist es gegenwärtig, noch vor Wintereinbruch ein neues Dach auf dem Gebäude zu errichten“, sagt Wendel. Doch das werde äußerst eng. Regnet oder schneit es in das Gebäude, dann sei kaum noch etwas von der Bausubstanz zu retten.

Kleiner Lichtblick

Einen kleinen Lichtblick gibt es trotzdem. Der Schieß- und Trainingsbetrieb kann weitergehen. Den Schießstand und die Seilzüge der Ziele hat das Feuer nicht erreicht. Der Verein hat viel Solidarität in der Nachbarschaft erfahren. Die Schützenvereine in Merklingen und in Heimsheim sowie die Schützengilde Renningen haben es den Diana-Schützen ermöglicht, kostenfrei und zu Mitgliederbedingungen auf ihren Anlagen trainieren zu können.

Vielen altgedienten Vereinsmitgliedern muss es wie ein Dé­jà-vu vorkommen. Es ist nicht das erste Mal, dass das Domizil des 1959 gegründeten Vereins durch einen Brand zerstört wurde. Am 5. Mai 1999 wurde das Schützenhaus durch einen Kabelbrand beschädigt. Auch damals hatte sich ein Siebenschläfer in der elektrischen Installation eingenistet.

Anfangs war ein Bauwagen das Vereinsheim, bis 1966 mit dem Bau des ersten festen Hauses begonnen wurde, das dann 1999 abbrannte. In zweijähriger Bauzeit wurde ein neues Schützenhaus mit Gaststätte errichtet. Der Innenausbau erfolgte größtenteils in Eigenleistung.

Durch den Brand obdachlos geworden sind auch die Jäger aus Weissach. Die Waidmänner haben im Vereinsgebäude ihre Wildkammer, wo die erlegten Tiere gekühlt und verarbeitet werden. Erhebliche Schäden durch das Feuer hat auch die Klubstation des Ortsverbandes Leonberg des Deutschen Amateur-Radio-Clubs erlitten. Der Club hat einige Räume in dem Schützenhaus, und seine Antenne steht auf dem Gelände der Rutesheimer Sportschützen.

Hilfe: Der Verein ist für jede Unterstützung dankbar. Es wurde ein Spendenkonto eingerichtet. Mehr Informationen unter www.sgdiana.de.