Rutesheim: Fest von Bauern, Jägern und Forst Damit Jogger und Jäger sich nicht ins Gehege kommen

Von hem 

Bei einem großen Fest wollen drei Naturschutzgruppen ihre Aufgaben verständlich machen.

Die Aufgaben des Jägers sind nicht immer romantisch. Foto: dpa
Die Aufgaben des Jägers sind nicht immer romantisch. Foto: dpa

Rutesheim - Stefan Sieber hatte neulich ein Erlebnis der besonderen Art: Als der Jäger morgens um halb sieben auf seinem Hochsitz saß, hätte er fast abgedrückt, als er eine Bewegung im Unterholz wahrnahm. Glücklicherweise tat er das nicht, denn bei näherer Betrachtung entdeckte er ein paar Pilzsammler, die in aller Herrgottsfrühe unterwegs waren. „Ich habe dann mit ihnen gesprochen und gesagt, dass sie in Zukunft doch besser zwei Stunden später in den Wald gehen sollen“, erzählt der Pressebeauftragte der Kreisjägervereinigung.

Im Wald sind viele unterwegs: Spaziergänger, Jogger, Geocacher und Pilzsammler ebenso wie Jäger, Förster und Bauern. Doch den meisten Menschen fehle das Verständnis dafür, „wie der Wald tickt“, sagt Inge Hormel, die Sachgebietsleiterin Forst vom Landratsamt Böblingen. Der Wald sei eine „Schatzkammer der Natur, die zur Luftreinigung, zum Klimaausgleich und zur Erholung“ gebraucht werde. Viele Menschen hätten jedoch durch die zunehmende Verstädterung und durch Sendungen wie Forsthaus Falkenau eine falsche Vorstellung vom Wald, sagt Sieber. Vor allem das Zusammenwirken von Jägern, Bauern und Forstwirten zum Wohl der Natur sei den meisten Menschen unbekannt.

Lieber ein Gespräch als ein Flyer

Um darüber zu informieren und Vorurteile abzubauen, laden die drei Interessenverbände am Samstag und Sonntag zu einem großen Fest auf den Hofladen Vinçon in Perouse ein. „Das Zusammenspiel von Jägern, Bauern und dem Forst kann man nicht in einem Flyer erklären, das geht nur im persönlichen Gespräch“, sagt Andreas Kindler, der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, der die ersten beiden Feste in den Jahren 2013 und 2015 auf seinem Hof in Renningen organisiert hat. Die Resonanz war überwältigend: Nach rund 4000 Besuchern bei der ersten Auflage, strömten vor zwei Jahren gar 6000 Interessenten auf seinen Hof.

In ungezwungener Atmosphäre könne man beispielsweise Kindern erklären, dass Jäger eine bestimmte Anzahl von Füchsen erschießen müssten, weil diese keine natürlichen Feinde hätten, erläutert Kreisjägermeister Bodo Sigloch. Man könne auch zeigen, warum Bäume gefällt werden müssen, wenn man Brenn- und Bauholz braucht. „Jagen ist mehr als Beute machen“, bringt es Sigloch auf den Punkt. Jäger, Förster und Bauern würden die Natur pflegen und Nahrung erzeugen.

Mit dem Lasergewehr im Schießkino

Davon können sich Besucher am Wochenende selbst überzeugen. Auf dem Hofladen Vinçon gibt es unter anderem Edelwildgulasch, Wildschweinfilet, Heckengäulinsen und Hofladeneis. Für Kinder steht eine Hüpfburg aus Stroh parat, außerdem können sie sich im Kartoffeldruck üben. Wer sich als Jäger versuchen will, kann dies mit einem Lasergewehr im Schießkino tun. Zudem bieten verschiedene Aussteller Senf, Honig, Jagdzubehör und Fuchsmode an.

Mit dem Ortswechsel von Renningen nach Perouse auf den Hofladen Vinçon hoffen die Organisatoren, vermehrt Besucher aus dem Enzkreis anzusprechen. „Wir sind kein Bio-, sondern ein konventioneller Betrieb“, sagt Mitinhaber Tobias Vinçon. Man habe aber die Erfahrung gemacht, dass Kunden konventionelle Ware lieber kaufen würden als Bioware aus dem Ausland.




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