Rutesheim: Klimaschutz am Haus Irgendwo ist immer eine Baustelle

Von Henning Maak 

Elke Dahl saniert seit Jahrzehnten einen Bungalow und bekommt dafür einen Klimapreis.

Elke Dahl ist stolz auf ihr Haus, in dem drei Generationen unter einem Dach leben. Foto: factum/Bach
Elke Dahl ist stolz auf ihr Haus, in dem drei Generationen unter einem Dach leben. Foto: factum/Bach

Rutesheim - Für die Preisverleihung hat Elke Dahl sogar den Geburtstag des Schwiegervaters sausen lassen. „Das war eine mehrstündige Veranstaltung, bei der ein Info-Nachmittag über Energiehäuser direkt in die Preisverleihung gemündet ist“, erzählt die 62-Jährige. Anschließend habe es noch einen kleinen Empfang im Landratsamt Böblingen gegeben.

Im November vergangenen Jahres hat der Erste Landesbeamte Martin Wuttke acht Hauseigentümer aus dem Landkreis Böblingen für gelungene Beispiele von Klimahäusern ausgezeichnet. „Ziel der Kampagne ,Dein Haus ist Deine beste Aktie’ ist es, die Energieeffizienz im Gebäudebereich anzuheben, indem gelungene Beispiele bekannter gemacht und andere Bau- und Sanierungsinteressierte für das Thema sensibilisiert werden“, erklärt Wuttke. Ausgezeichnet wurden beispielsweise Häuser mit Holzpelletheizung oder mit mehreren Biomassekesseln.

Drei Generationen unter einem Dach

Bei Elke Dahl verhielt es sich etwas anders. „Eigentlich passen wir mit unserem Haus gar nicht in irgendein Programm“, sagt die Rutesheimerin. Ihr Haus ist nämlich eine Dauerbaustelle. Seit 35 Jahren sanieren Elke Dahl und ihr Mann Ulrich, der Inhaber der Firma Elektro Eisenhardt, ihr Haus aus dem Jahr 1965. „Wir haben einen ursprünglichen Bungalow zu einem Mehrfamilienhaus gemacht“, berichtet Elke Dahl nicht ohne Stolz.

Zusammen mit ihrem Mann, zwei Kindern und drei Enkeln wohnen insgesamt sieben Personen auf rund 390 Quadratmetern. Dass irgendwo im Haus immer mindestens eine Baustelle ist, stört niemanden. Der erste größere Eingriff ins Gebäude war eine Styropordämmung im Jahr 1983. Ein Jahr später wurde die Fassade gedämmt. Eine Wärmepumpe und eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung folgten in den Jahren 1999 und 2003. Zudem wurden Fenster und Rollläden modernisiert. Im vergangenen Jahr wurde das Garagentor des Gebäudes in der Heimerdinger Straße komplett erneuert.

Der Haken an Förderprogrammen

Auf die Klimaschutz-Auszeichnung aufmerksam wurde Ulrich Dahl, der als Gebäudeenergieberater tätig ist, und in regem Austausch mit der Energieagentur des Landratsamtes Böblingen steht. „Wir haben angefragt, ob wir bei diesem Programm mitmachen können und dann unsere Daten eingereicht“, erinnert sich Elke Dahl. Anschließend seien die Werte anhand der Baupläne und -materialien geprüft worden. „Sie wollten ausschließen, dass wir geschummelt haben“, sagt Elke Dahl mit einem Schmunzeln.

Nach ihrer Ansicht hätten Energieförderprogramme einen Haken: „Viele Häuslebauer warten immer, bis irgendeine neue Förderung kommt“, kritisiert sie. Man sollte hingegen Bauprojekte fördern, bei denen die Bauherren Vorreiter sind. „Sonst werden wir die vorgegebenen Klimaziele nicht erreichen“, ergänzt die 62-Jährige. Die nächste Baustelle bei ihr lässt nicht lange auf sich warten: Die Haustür wird erneuert und die Glasbausteinwand daneben durch modernere Elemente ersetzt.