Sandra Maischberger zum Corona-Virus Heidenreich: „Lauterbach geht mir auf die Nerven“

Sandra Maischberger moderiert „Die Woche“ in der ARD. Foto: WDR/Peter Rigaud
Sandra Maischberger moderiert „Die Woche“ in der ARD. Foto: WDR/Peter Rigaud

Bei Sandra Maischberger punktet der Corona-Warner Karl Lauterbach (SPD) gegen den Liberalen Wolfgang Kubicki. Aber Sympathien trägt ihm das auch nicht ein, jedenfalls nicht bei der Autorin Elke Heidenreich.

Politik: Christoph Link (chl)
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Stuttgart - So ganz ohne Witz und Ironie ist die x-te Talkrunde zum Thema Corona-Virus ja auch nicht mehr zu ertragen. Es war deshalb geschickt von Sandra Maischberger, für ihre Sendung „Die Woche“ wieder mal die Autorin Elke Heidenreich einzuladen. Die jammerte zwar ein wenig – „Ich bin eingesperrt, meine Batterien gehen zur Neige!“ – aber anderseits gewann Heidenreich den Kontaktbeschränkungen auch Positives ab. Sie könne mehr „mit dem Mops rausgehen“, Küche und Kleiderschränke aufräumen, lesen und schreiben. „Es gibt doch Fernsehen und Radio – man kann das überstehen.“

Der Christian Drosten sei aber „niedlich“, sagt Elke Heidenreich

Am nettesten aber waren die Beschreibungen – und damit werden die Schlusspointen vorweggenommen – die Heidenreich auf Zuruf von Moderatorin Maischberger bekannten Protagonisten im deutschen Corona-Schauspiel zukommen ließ: Der Virologe Christian Drosten? „Sieht niedlich aus!“, rief die 71-jährige. Markus Söder? Das sei doch der „Leibhaftige“, Schwefelgeruch liege im Raum, wo der auftrete. Olaf Scholz, der mache sich „immer besser“, und die Grünen Annalena Baerbock und Robert Habeck seien „ein entzückendes Zwillingspaar“. Armin Laschet sei mit Karl dem Großen verwandt, mehr gebe es nicht zu sagen über den. Nur beim SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach spöttelte Heidenreich dann heftig, und imitierte den näselnd vorgetragenen Sound Lauterbachs aus seiner Heimatstadt Düren in Nordrhein-Westfalen: „Der Lauterbach geht mir auf die Nerven.“

Auch Lauterbachs Tochter friert im Klassenzimmer

Zur Leistung von Politikern in der öffentlichen Erscheinung zählen also offenbar auch Bühnenpräsenz und Ansprache, Sachargumente allein reichen nicht: Aber bei denen punktete Lauterbach im „Duell“ mit dem FDP-Politiker Wolfgang Kubicki an diesem Abend ziemlich. Er habe doch mit seinen frühen Warnungen vor Schulschließungen Recht gehabt, „dass jetzt Klassenzimmer bei eisigen Temperaturen die Fenster geöffnet werden“, sei doch kein normaler Schulbetrieb mehr, und im übrigen sei auch seine Tochter davon betroffen.

Lauterbach sagt, dass der Wellenbrecher-Shutdown vom November nur halb soviel wirke, wie man sich eigentlich erhofft habe, und es bestehe die Gefahr, „dass wir eine dritte Welle nach Weihnachten kriegen“. Statt einer Lockerung zu Weihnachten wäre es besser, die strengeren Regeln bis Neujahr durchzuhalten. „Wir haben 400 bis 500 Tote am Tag. Wir müssen runter mit der Todeszahl.“ Im übrigen habe er auch in der Vergangenheit Recht gehabt, man hätte am Ende des ersten Lockdowns „noch mal zwei Wochen komplett herunterfahren müssen“, das sei aber an den Ministerpräsidenten gescheitert, alle hätten „gemeckert“, allen voran Armin Laschet.

Beim geselligen Beisammensein droht die höchst Gefahr

Lauterbach ist der Ansicht, dass gerade beim geselligen Essen und Trinken, wenn man ohne Maske zusammensitze, die Ansteckungsgefahr am höchsten sei. „Selbst wenn ein infizierter Gast dann ein Restaurant verlässt, sind die Aerosole im Gastraum immer noch zwei bis drei Stunden in der Luft.“

„Lauterbach versteht mehr von den Viren, ich vom Recht“, bemerkte der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki. Er kritisierte Fehler der Vergangenheit, man hätte schon vor Wochen die Mitarbeiter von Altenpflegeheimen mit FFP-2-Masken ausstatten müssen und ihnen Schnelltests anbieten müssen. Kubicki bemerkte, dass die Gerichte derzeit die Maßnahmen akzeptierten, da es auch noch staatliche Hilfe für die vom Shutdown betroffenen Unternehmen wie Fitnessstudios, Hotels und Restaurants geben. Im Januar und Februar – wenn die Hilfen beendet sind – könnten die Gerichte aber schon anders entscheiden: „Es werden ja hier ganze Berufszweige lahm gelegt.“

FDP-Mann Kubicki verweist auf „geöffnete Tierparks“ in Schleswig-Holstein

Wenngleich Lauterbach dem FDP-Mann Recht gab in der Einschätzung, man hätte Risikogruppen besser schützen müssen, so blieb dennoch unscharf, was die FDP eigentlich besser machen würde. „Wir haben doch mehr gemacht, als die FDP vorgeschlagen hat“, sagte Karl Lauterbach. Hilflos in dem Zusammenhang wirkte dann auch die Bemerkung des sonst sehr wortgewaltigen Kubicki, dass man regional nach Inzidenzen unterscheiden müsse und in Schleswig-Holstein – wo die FDP mit CDU und Grünen an der Regierung ist – immerhin die Tierparks wieder geöffnet haben.

Auf interessante Nebenaspekte wies noch der Kolumnist Jan Fleischhauer hin, der asiatische Staaten wie Japan oder Südkorea als Vorbild bei der Corona-Bekämpfung empfahl und fragte, warum Deutschland eigentlich alle möglichen Freiheitsrechte einschränke, nicht aber beim Datenschutz. Wäre dies der Fall, könnte man vielleicht auch die „nutzlose“ Corona-Warn-App stärken, die hätten sich zwar schon 20 Millionen Menschen heruntergeladen, aber wo sich einer angesteckt hat, könne mit der immer noch nicht nachvollzogen werden.

„Wir sind humorrelevant“, sagt die Kabarettistin Kroymann

Und da war die Kabarettistin Maren Kroymann, die auf die drastische Lage in der Kulturszene hinwies, geprägt von Theater- und Kabarett-Schließungen trotz „toller“ Hygiene- und Abstandskonzepte. Sie kenne Maskenbildnerinnen, die wollten jetzt eine Umschulung machen, es gebe ja keine Auftritte mehr. Dabei seien viele Künstler und Kabarettisten „humorrelevant“, man könne deren Bühnen nicht einfach schließen: „Die Regierung muss uns schützen.“ Elke Heidenreich konnte das nur unterstützen: „Kultur macht uns zu Menschen!“




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