Sanierung der Stuttgarter Staatsoper Zufällig ausgewählte Bürger sollen über Opernpläne diskutieren

Von Thomas Braun 

Die geplante Sanierung und Erweiterung der Staatsoper, die mehr als eine Milliarde Euro kosten könnte, wird nun nochmals der aktuellen Alternative des Vereins Aufbruch Stuttgart gegenüber gestellt. 40 zufällig ausgewählte Bürger sollen eine Empfehlung erarbeiten, wie es weiter geht.

Die geplante Sanierung der Stuttgarter Staatsoper ist Thema des zweitägigen Bürgerforums Anfang März Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Die geplante Sanierung der Stuttgarter Staatsoper ist Thema des zweitägigen Bürgerforums Anfang März Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Die baden-württembergische Landesregierung will mit einem Bürgerforum im Vorfeld der Entscheidung über die Sanierung und Erweiterung der historischen Staatsoper den Dissens über das milliardenschwere Vorhaben entschärfen. 40 zufällig ausgewählte Bürger aus Stadt, Region und Land werden dafür an zwei Tagen im März zunächst gebrieft und auch über alternative Ideen und Vorschläge informiert, bevor sie dann eine Empfehlung an die politischen Gremien in Stadt und Land abgeben sollen. Über Zeitplan und Ablauf hat am Mittwoch die Staatsrätin für Bürgerbeteiligung, Gisela Erler, die Öffentlichkeit unterrichtet.

Während das Land bereits entsprechende Planungsmittel im Etat eingestellt hat, will die Stadt als Co-Finanzier voraussichtlich im Juni entscheiden, in welcher Form sie sich an den Kosten beteiligen wird. Im Anschluss entscheidet dann der Verwaltungsrat der Staatstheater über das weitere Vorgehen. Das Konzept für das Bürgerforum zur Oper wurde von Erlers Referentin, der Grünen-OB-Kandidatin für Stuttgart, Veronika Kienzle, entwickelt. Vorgeschaltet war eine Online-Beteiligung im Internetportal des Landes. Nach Angaben von Erler werden nun per Telefon 40 zufällige und entsprechend dem Bevölkerungsquerschnitt repräsentativ ausgewählte Bürgerinnen und Bürger zur Teilnahme an dem Forum eingeladen: 50 Prozent stammen aus Stuttgart, jeweils 25 Prozent aus Region und Land.

Bürger erhalten Opernführung und Informationen über alle Varianten

Die Hälfte der „Zufallsbürger“ sind Frauen, alle Altersgruppen werden berücksichtigt. „Wir suchen ganz normale Bürger, durchaus auch nicht politisch aktive oder Nichtwähler“, so Erler. Die Gruppe trifft sich dann am 6. und am 13. März in einem Proberaum des Großen Hauses und debattiert unter Leitung einer Moderatorin. Am ersten Tag des Forums wird es zunächst eine Führung durch den sanierungsbedürftigen Littmann-Bau geben. Im Anschluss haben dann Experten aus allen Bereichen (Denkmalschützer, Architekten, der Bund der Steuerzahler, Vertreter der Stadt, des Kunstministeriums und des Finanzministeriums) das Wort. Aber auch die Opernbesucher, das benachbarte Königin-Katharina-Stift sowie die Initiative Aufbruch Stuttgart um den Ex-TV-Moderator Wieland Backes dürfen ihre Standpunkte in die Debatte einbringen. Anschließend wird der Besuch einer Opernaufführung mit Blick hinter die Kulissen angeboten.

Am zweiten Tag stehen dann alternative Vorschläge zur Sanierung im Zentrum. Die Aufbruch-Initiative darf bei einem Stadtspaziergang ihre Ideen vorstellen und ihre Berechnungen darlegen. Zuletzt hatten Backes und seine Mitstreiter erneut für eine Interimsoper mit späterer Nachnutzung als Konzerthaus auf dem Areal des Königin-Katharina-Stifts geworben. Dadurch könne man 300 bis 400 Millionen Euro einsparen, behauptet der Verein. Schulbürgermeisterin Isabel Fezer (FDP) hatte dem Vorschlag umgehend eine Absage erteilt; auch die Schule bekräftigte, man wolle am bisherigen Standort bleiben.

Staatsrätin Erler: „Es gibt immer eine Gruppe, die glaubt, sie sei das Volk.“

Erler erhofft sich von der abschließenden Empfehlung der Zufallsbürger an die Entscheider eine Entschärfung des Konflikts: „Ein dauernder Widerstand gegen diese oder jene Option verliert dann an Legitimität“, so die Staatsrätin. Die politischen Gremien müssten die Empfehlungen aber auch ernst nehmen und bei ihren Beschlüssen berücksichtigen. Der Dialog mit normalen Bürger habe sich als vorteilhaft gegenüber der Diskussion mit Interessenvertretern oder Lobbyisten erwiesen. Erler: „Da gibt es immer eine Gruppe, die glaubt, sie sei das Volk oder die sich im Besitz des gesunden Menschenverstandes wähnt.“

Sonderthemen