Sanierung in Rommelshausen Entkernung legt jetzt die Geschichte frei

Von Ingrid Sachsenmaier 

Im denkmalgeschützten Alten Rathaus in Rommelshausen haben die Bauarbeiter das Sagen, im Herbst des kommenden Jahres soll die Sanierung abgeschlossen sein. Auch zwei Mietwohnungen sind vorgesehen – die Arrestzelle bleibt erhalten.

Früher hatte das Alte Rathaus  in Rommelshausen vier Bogentore. Sie  werden im Zuge der Generalsanierung wieder hergestellt –  aus Glas. Foto: Ingrid Sachsenmaier
Früher hatte das Alte Rathaus in Rommelshausen vier Bogentore. Sie werden im Zuge der Generalsanierung wieder hergestellt – aus Glas. Foto: Ingrid Sachsenmaier

Rommelshausen - Am Alten Rathaus in der Hauptstraße in Rommelshausen sind von außen deutlich die Spuren der Generalsanierung zu sehen, die an dem denkmalgeschützten Gebäude der Gemeinde Kernen begonnen hat.

An der Außenfassade wurden in den letzten Tagen Durchbrüche vorgenommen

„Die Wandtäfer (hölzerne Wand- und Deckenverkleidung, Anm. d. Redaktion) im ersten Obergeschoss werden ausgebaut und aufgearbeitet“, erklärt Diana Böhm von der Gemeindeverwaltung ein Detail der Arbeiten, sie betreut das Projekt. Die dunklen, lasierten Bretter im Ratssaal waren zuletzt verdeckt. Jetzt werden die Holztafeln aufgearbeitet, dabei etwa von Nägeln befreit, neu lasiert und wieder eingebaut.

An der Außenfassade wurden in den letzten Tagen Durchbrüche vorgenommen, im Innern wird entkernt. Ein Bauzaun umgibt das Anwesen, Fußgänger werden auf die andere Straßenseite verwiesen. Deutlich erkennbar ist, dass im Erdgeschoss des Gebäudes aus dem Jahr 1777 die Vorbereitungen für eine gewerbliche Nutzung getroffen werden. Das Bestattungsunternehmen Schäfer-Roth hat bereits den Finger gehoben und wäre an den Räumlichkeiten interessiert, lässt die Verwaltung durchblicken. Im hinteren Teil des Gebäudes wird es eine öffentliche Toilette geben, unter anderem auch, um Kirchenbesuchern einen kurzen Weg zu ermöglichen. Bisher müssen sie dafür ins Gemeindezentrum gehen.

Vorgesehen ist, dass in den oberen zwei Geschossen je eine Wohnung entsteht

Nächste Woche kommen die Rohbauer und der Schlosser, sagt Diana Böhm mit Blick in den Zeitplan. Sie betreut die Bauarbeiten. Der Leiter des Bauamts, Peter Mauch, erklärt, dass man bis Herbst 2021 mit der Sanierung fertig sein wolle, „etwas später als ursprünglich geplant, weil sich die Baugenehmigung etwas verzögert hat“. Aber jetzt stecke man „mitten drin in den Sanierungsmaßnahmen“.

Vorgesehen ist, dass in den oberen zwei Geschossen je eine Wohnung entsteht. Die frühere Arrestzelle unter dem Dach „bleibt natürlich erhalten“, verspricht Peter Mauch, ebenso „die historisch bedeutsame Wandverkleidung im ehemaligen Ratssaal“. Künftige Mieter – die Gemeinde wird die Wohnungen öffentlich anbieten und denkt nicht an eine soziale Nutzung – müssen sich auf die Historie einlassen und die Wände entsprechend sorgsam behandeln, sie dürfen an ihnen auch nichts verändern. Die Arrestzelle, in der noch sämtliche Gegenstände aus der ursprünglichen Nutzung vorhanden sind – unter anderem auch das pritschenartige Bett – wird auch künftig Teil von Ortsführungen sein können.

Insgesamt werden die Sanierungsarbeiten mit 1,85 Millionen Euro veranschlagt

Stets öffentlich zugänglich soll sie allerdings nicht sein. Das war auch in der Vergangenheit nicht der Fall. Zuletzt wurde das Alte Rathaus als Notariat genutzt, ganz früher hatte die Feuerwehr dort ihre Fahrzeuge untergestellt und es gab eine öffentliche Waage. „Wir wollen die ursprünglich vorhandenen vier Bogentore wieder herstellen“, erklärt der mit dem Projekt betraute Architekt Alexander Wendlik aus Waiblingen. Es gäbe ein Foto aus dem Jahr 1902, „darauf ist die Hausansicht mit den vier Holztoren zu sehen.“. Künftig werden sie allerdings aus Glas sein.

In den 1930er Jahren wurde aus zwei Toren neben dem Haupteingang dann ein großes, „damit die Feuerwehr dort ihre größeren Fahrzeuge unterstellen konnte“, erklärt Wendlik. Nachdem die Feuerwehr ausgezogen war und die Waage stillgelegt wurde, diente das Erdgeschoss als Lagerfläche. Auch die große, ausladende Holztreppe, die innen in die oberen Stockwerke führt, soll in ihren ursprünglichen Zustand zurückgeholt und erhalten werden. Teilweise wird zudem an der Außenfassade das Fachwerk wieder sichtbar gemacht. Bisher habe man bei den Rückbau-Arbeiten keine negativen Entdeckungen gemacht, beruhigt der Architekt und ist zuversichtlich für die weiteren Arbeiten.

Insgesamt werden die Sanierungsarbeiten mit 1,85 Millionen Euro veranschlagt, vom Land werden aller Voraussicht nach Fördermittel in Höhe von 930 000 Euro fließen, sagt Peter Mauch zur Finanzierung. Die Gemeinde müsse also rund die Hälfte der Kosten tragen, rechnet der Beigeordnete vor. Mit den Arbeiten betraut ist das Ingenieur- und Architekturbüro Coast Office aus Stuttgart, das in der Unteren Sackgasse in Waiblingen ein Büro betreibt. Mit Alexander Wendlik als verantwortlichem Architekten und dem Ingenieur Christian Ebing sind zwei Fachleute am Werk. Zum Portfolio des Büros gehören neben anderen Objekten auch das Haus der Stadtgeschichte in Waiblingen und der Hölderlinturm in Tübingen, dessen Sanierung im Februar abgeschlossen und das Gebäude wieder für Publikum geöffnet wurde.




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