Museum der Alltagskultur Waldenbuch Ein Schloss renoviert man nicht nebenbei

Der Architekt Florian Doleschal (rechts) vom Landesamt für Vermögen und Bau plant gemeinsam mit dem Leiter des Museums der Alltagskultur, Markus Speidel, die Sanierungsmaßnahmen am Waldenbucher Schloss. Foto: Claudia Barner
Der Architekt Florian Doleschal (rechts) vom Landesamt für Vermögen und Bau plant gemeinsam mit dem Leiter des Museums der Alltagskultur, Markus Speidel, die Sanierungsmaßnahmen am Waldenbucher Schloss. Foto: Claudia Barner

Die letzte Kernsanierung des Waldenbucher Wahrzeichens liegt mehr als 30 Jahre zurück – Jetzt sollen Gebäude und Museum für die Zukunft fit gemacht werden.

Waldenbuch - Das Waldenbucher Schloss hat einen Dachschaden. Und auch sonst ist das historische Gemäuer nicht ganz dicht. Bei windigem Regenwetter drückt Wasser durch die Fenster. Der einstige Jagdsitz der württembergischen Herzöge, der heute das Museum der Alltagskultur beherbergt, braucht dringend eine Verjüngungskur. Der Architekt Florian Doleschal vom Landesamt für Vermögen und Bau in Ludwigsburg und der Museumsleiter Markus Speidel stecken mitten in den Planungen für die Renovierung, die 2023 beginnen soll.

2500 Quadratmeter Ausstellungsfläche, meterdicke Mauern, drei Stockwerke, verwinkelte Keller, verborgene Treppen, Anbauten, Türmchen und historisches Gebälk – ein Schloss renoviert man nicht mal eben nebenbei. Alles ist eine Nummer größer als normal, der Denkmalschutz redet mit, die Nutzer haben Ansprüche, und über allem steht die Frage: Was wird und darf das Ganze kosten?

Es gibt einiges zu tun

Florian Doleschal ist der Mann, bei dem die Fäden zusammenlaufen. Für ihn steht fest: „Bevor wir überall an Schräubchen drehen, schauen wir uns das ganze Haus an.“ Mit dieser Aufgabe ist er seit zwei Jahren beschäftigt. Es gab bauhistorische Untersuchungen, und inzwischen ist klar, wo Handlungsbedarf besteht. „Insgesamt ist die Bausubstanz nicht schlecht. An Dach und Fassade ist aber einiges zu tun. Der Brandschutz und die Löschwasserversorgung sind ein Thema. Außerdem muss die Elektroinstallation erneuert werden.“

Und dann sind da noch die Dinge, die benötigt werden, damit das Museum zukunftsfähig bleibt. „Seit der Eröffnung der volkskundlichen Ausstellung als Außenstelle des Landesmuseums im Jahr 1989 hat sich an der Haustechnik nicht viel verändert“, berichtet Markus Speidel. Das soll jetzt anders werden. Datenverkabelung, Beleuchtungssysteme, Medientechnik – alles Aspekte, die beim großen Gebäude-Update eine Rolle spielen werden.

Der Haupteingang wird verlegt

Auch für die Besucher des Waldenbucher Museums könnte sich einiges ändern. Die Überlegungen gehen dahin, das zentrale Treppenhaus ins Untergeschoss weiterzuführen und so einen zusätzlichen Fluchtweg zu schaffen. Ein neuer Sanitärbereich im zweiten Obergeschoss soll für kurze Wege bei dringenden Geschäften sorgen. Die markanteste Veränderung aber dürfte die geplante Verlegung des Haupteingangs sein.

Bisher führt eine historische Treppe vom Innenhof ins Museum. „Wir hoffen sehr, dass es im Rahmen der Sanierung gelingt, die Wand zwischen dem Durchgang zum Schlosshof und den Räumen im Erdgeschoss zu öffnen. Dann hätten wir einen barrierefreien Zugang und könnten den bisherigen Kassenbereich als Veranstaltungsraum nutzen, der unabhängig von den Öffnungszeiten des Museums bespielt werden kann“, erklärt Markus Speidel.

Auch der Inhalt des Museums soll moderner werden

Zum erneuerten Bau gehört auch ein erneuerter Inhalt. „Die Schausammlung ist in die Jahre gekommen und zeigt nicht mehr die gesellschaftliche Gegenwart“, sagt der Ausstellungsexperte. Die Besucher sollen künftig zusätzliche Anknüpfungspunkte für eigene Erfahrungen und mehr dynamische Angebote finden. Das Konzept setzt bereits während der Sanierung an. „Wir gehen bausteinartig vor. Der Betrieb wird weiterlaufen, und wo immer es geht, binden wir die Gäste ein. So können sie erleben, was passiert, wenn ein Museum neu gedacht wird“, hat sich Markus Speidel vorgenommen. Bevor die Ideen umgesetzt werden können, muss die Finanzierung geklärt werden. „Wir nutzen das Jahr 2021 dazu, die Pläne auszuarbeiten und ein stimmiges Konzept zu erstellen. Dann werden wir sehen, wie wir die Maßnahmen mit dem Budget des Landesamts für Vermögen und Bau zusammenbringen“, erklärt Doleschal. Läuft alles nach Plan, könne 2023 mit der Umsetzung begonnen werden.

Zur Historie des Waldenbucher Schlosses

Ursprung: Das Waldenbucher Schloss ist kein Bau aus einem Guss, sondern das über die Jahrhunderte hinweg gewachsene Werk Württembergischer Herzöge. Der Ursprung geht auf eine Burg zurück, die 1381 erstmals urkundlich erwähnt wird.

Ausbau: Das Gebäude wurde von Herzog Christoph zwischen 1562 und 1566 zum Jagdschloss ausgebaut. 1607 folgte die Erweiterung des Renaissancegebäudes nach Norden. Der Westflügel entstand von 1687 bis 1690. 1717 gab Herzog Eberhard Ludwig den dreigeschossigen Südflügel in Auftrag.

Wechselvolle Geschichte: In der jüngeren Geschichte diente das Schloss etwa als Militärhospital, es beherbergte das Forstamt und war Ausweichquartier für die Schule. Nach 1945 fanden Flüchtlinge und Heimatvertriebene im historischen Gemäuer eine Unterkunft. Bevor das Gebäude 1989 zum Museum umgebaut wurde, waren dort Wohnungen untergebracht.




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