Schiedsrichter Ein Mann, zu dem fast alle aufschauen

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Der gebürtige Filderstädter Martin Petersen pfeift von der nächsten Saison an in der ersten Bundesliga. Den Traum hatte er schon lang. Nun hat seine Karriere damit einen weiteren Höhepunkt erreicht.

Entspannt und freundlich – so sieht sich Martin Petersen auf dem Platz. Foto: Archiv Witters
Entspannt und freundlich – so sieht sich Martin Petersen auf dem Platz. Foto: Archiv Witters

Filder/Stuttgart - Es war die Woche seines Lebens. „Ich glaube nicht, dass ich das noch einmal toppen kann“, sagt der in Filderstadt geborene Fußball-Schiedsrichter Martin Petersen. Nicht nur, dass Söhnchen Julian, wie einst der Papa, in der Bonlan­dener Filderklinik das Licht der Welt erblickte – für den 32-Jährigen „ein unvergessliches emotionales Erlebnis“. Kaum zuhause angekommen, kam dann noch der Anruf von Lutz Michael Fröhlich, dem Schiedsrichter-Boss des Deutschen Fußball-Bunds (DFB). Jener teilte Petersen mit, dass er künftig in der ersten Bundesliga Spiele leiten darf.

„Ich habe es meiner Frau gesagt und konnte es dabei selbst noch gar nicht glauben“, sagt der gelernte Immobilienkaufmann Petersen, der einige Tage brauchte, um alles zu realisieren. Auf diesen Anruf habe er jahrelang gewartet. Trotzdem sei er am Ende „total überrascht“ gewesen, als er kam. Die Aufnahme in den Kreis der 22 Erstliga-Referees, die DFB-Elite, sei der Lohn für sechs Jahre harter Arbeit in der zweiten Liga. Seit seinem Aufstieg in selbige anno 2011 war Petersen zwar auch schon 77-mal in der nationalen Beletage im Einsatz, dort allerdings nur als Assistent, das letzte Mal am 20. Mai beim Abschiedsspiel des Kollegen Wolfgang Stark in Mönchengladbach. Gänzlich unbekannt ist Petersen, der drei Jahre in Echterdingen gewohnt hat, das deutsche Oberhaus somit freilich nicht.

Von Beginn an „Riesenspaß“

Dass Petersen, der fünf Geschwister hat, einmal eine so erfolgreiche Laufbahn als Schiedsrichter einschlagen würde, hätte er als Youngster nie zu träumen gewagt. Irgendwann habe sich der Traum dann zwar entwickelt, „je näher man der Erfüllung kam, desto größer war aber auch der Respekt“, sagt er. Mit 15 hat er einen Neulingskurs besucht – weil er mit der Leistung einiger Schiedsrichter, die er als junger Fußballer erlebt hatte, nicht einverstanden war. „Außerdem war ich immer schon der Regelhüter, wenn wir unter Freunden gekickt haben“, fügt er an. Und so wusste er auch schon nach den ersten Spielen als Unparteiischer, dass das Pfeifen genau sein Ding ist. „Es hat mir von Beginn an einen Riesenspaß gemacht“, sagt Petersen. Und der ist ihm seitdem nicht vergangen – auch nicht, als er ein Schreckerlebnis hatte. Ein A-Jugendlicher, dem er die rote Karte zeigte, quittierte diese einst mit einem Faustschlag.

Damals wie heute pfeift Petersen für den VfL Stuttgart, der ihn schon als Jungschiedsrichter „super“ unterstützt habe. Die Verantwortlichen des Bad Cannstatter Vereins mögen es ihm inzwischen verziehen haben, dass er zugunsten der Schiedsrichterkarriere schon als Teenager seine Torwarthandschuhe an den berühmten Nagel hängte.

Respektperson schon allein kraft Körpergröße

Was Petersen nach wie vor als Schiedsrichter reizt, ist die Tatsache, dass er Woche für Woche vor einer neuen Herausforderung steht und dabei große Verantwortung trägt. Einer der Vorteile des Stuttgarters ist zweifellos seine stattliche Körpergröße: Er bringt es auf 1,90 Meter. „Die meisten Spieler müssen zu mir hochschauen. Dadurch kann ich mir in manch hitziger Auseinandersetzung leichter Respekt verschaffen“, sagt er. Zudem sei er ein sehr entspannter und freundlicher Typ – auch auf dem Rasen. Ein spezielles Vorbild hat er nicht, man könne von jedem Kollegen etwas lernen. Im besten Fall, wie man etwas richtig macht.

Obschon nicht abergläubisch, hat er zu jedem Spiel zusätzlich eine kleine Pfeife dabei, die ihm einmal seine Frau Anita geschmiedet hat. Die übrigens hat sich ebenfalls riesig mit ihrem Mann über dessen Aufstieg gefreut, auch wenn der nun künftig noch seltener an den Wochenenden zu Hause sein wird. Dazu kommen mehrmalige Trainingseinheiten unter der Woche, zahlreiche feste Termine beim DFB und die wöchentliche Kommentierung von Szenen, die im Anschluss in einem Portal mit der Lehrmeinung studiert werden.

Zu Petersens ersten Erstliga-Einsätzen kommen nicht zuletzt in jeder Saison auch noch weiter zahlreiche in der zweiten und dritten Liga. Und wenn immer es zeitlich möglich ist, auch Spiele im Amateurfußball. „Ich will auf jeden Fall den Kontakt zur Basis halten“, sagt Petersen.

„Jedes Spiel ein Highlight“

Wann und wo er seine Premiere in Liga eins haben wird, weiß er noch nicht. Es spielt aber auch keine große Rolle. „Jedes Spiel ist ein Highlight, jedes Stadion hat seinen besonderen Reiz, und es ist immer ein überwältigendes Gefühl, wenn du auf dem Platz stehst“, sagt der 32-Jährige. Saisonbeginn ist am 18. August.

Ob Martin Petersen einmal sogar zu den zehn deutschen Schiris gehören wird, die auch international den Ton angeben, darüber macht er sich heute noch keine Gedanken. „Ich will jetzt erst einmal in der ersten Liga ankommen und mich etablieren“, sagt er.