Schießkino in Steinenbronn Übung macht den Jäger-Meister

Von Jacqueline Fritsch 

Im neuen Schießkino von Euroshot in Steinenbronn trainieren Jäger, Sportschützen und Beamte an der Waffe. Insgesamt 200 Szenarien stehen ihnen dafür zur Verfügung.

Hans Bek zielt auf Wildschweine, die im Schießkino an die Wand projiziert werden. Foto: Jacqueline Fritsch
Hans Bek zielt auf Wildschweine, die im Schießkino an die Wand projiziert werden. Foto: Jacqueline Fritsch

Steinenbronn - Etwas mulmig kann es einem schon werden, wenn man plötzlich in einem Raum voller Waffen steht. Unzählige Winchester, Sauer und Mauser hängen an den Wänden – allesamt Jagdwaffen. Für 600 Euro könnte man Besitzer eines solchen Gewehres werden. Für den Ferrari der Gewehre, wie Hans Bek es nennt, zahlt man aber auch schnell 5000 Euro. Hans Bek ist der Geschäftsführer des Schießzentrums Euroshot. Acht Monate hat er ein Gebäude in Steinenbronn in einen sicheren Ort für all seine Waffen umbauen lassen. Ein mulmiges Gefühl ist im Schießzentrum deshalb eigentlich gar nicht nötig. Denn die Waffen sind nicht nur doppelt gesichert, sondern befinden sich auch im Sicherheitsbereich des Gebäudes, dessen Mauern und Spezialtür einen Einbruch unmöglich machen sollen.

Er kämpft gegen Vorurteile

Hans Bek und seine Familie, mit der er das Schießzentrum betreibt, haben mit Vorurteilen zu kämpfen. Jägern würde oft ein Tötungsgedanke unterstellt werden. Dabei steht für Bek etwas anderes im Mittelpunkt: „Wer seinen Jagdschein gemacht hat, nimmt den Wald ganz anders wahr und ist einfach enger mit der Natur verbunden“, sagt er. Außerdem solle sich jeder, der gerne Fleisch isst, Gedanken darüber machen, wo es herkommt. „Als Jäger sieht man, in welchem Zustand das Tier ist, bevor man es erlegt“, sagt Bek. So sei gewährleistet, dass die Tiere bis zum Ende ein freies Leben hätten und bei der Tötung nicht leiden müssten. „Die Kunst der Künste ist, den Schuss so zu platzieren, dass er das Tier tötet und dabei nichts und niemand anderen gefährdet.“

Solche präzisen Schüsse wollen geübt sein. Deshalb kommen nicht nur Jagdschüler nach Steinenbronn, sondern auch erfahrene Jäger und Polizisten. „Ich finde es gut, dass Behörden hier auch trainieren können“, sagt Bek, „weil wenn jemand eine Waffe auf einen Beamten richtet, sollte der unbedingt reagieren können; wer weiß, was der Angreifer sonst noch tun würde“. Geübt wird im Schießkino, wie der Name schon sagt, mit kurzen Filmen. 200 Szenarien umfasst das Repertoire von Hans Bek. Diese werden auf eine spezielle Wand projiziert, die die Geschosse aufnimmt und verschwinden lässt.

Es ist viel Training nötig

Hans Bek spielt eine Szene ab, in der ein Wildschwein durch den Wald läuft. Er stellt seinen linken Fuß vorne auf, den rechten weiter hinten, beugt den Oberkörper leicht nach vorn, setzt das Gewehr an die Schulter und zielt auf das Wildschwein. Ein lauter Knall, und der Film stoppt. Die Munition ist direkt im Kopf des Tiers gelandet, wo Hans Bek sie haben wollte. „So etwas bekommt man nur mit viel Übung hin“, sagt Bek, „wer einmal den Jagdschein gemacht hat, kann nicht automatisch sein Leben lang schießen, da ist viel Training nötig“.

Auch Sportschützen sollten mindestens 18-mal pro Jahr trainieren gehen. Sonst kann es sein, dass sie ihre Waffe abgeben müssen oder sich keine neue mehr kaufen dürfen. Dem Steinenbronner Schießkino sieht man nach sieben Monaten Betrieb bereits an, wie wichtig Übung ist. An der Decke und an der Wand kleben zahlreiche Markierungen: Fehlschüsse. Der Raum ist so gebaut, dass Geschosse auch von der Wand, dem Boden oder der Decke aufgenommen werden und von dort nicht mehr rauskommen. „Im Prinzip ist hier drin noch ein Fachwerkhaus eingebaut, die Balken stehen alle auf Gummi, sodass es keine Berührung zur Außenwand gibt“, erklärt Bek, „so hört man draußen keinen Ton, wenn hier drinnen geschossen wird“.

Hier stehen Tierpräparate, dort Waffen-Reinigungsmittel

Auch deshalb ahnt man auf den ersten Blick von außen nicht, dass sich im Keller von Euroshot ein komplex aufgebautes Schießkino befindet. Im Erdgeschoss gibt es eine Art Klassenzimmer, wo Jäger ausgebildet werden. Dieser Bereich wirkt wie eine Biologieabteilung an Schulen: Der Flur steht voller Glaskästen mit Tierpräparaten, Geweihen, Federn und Tierschädeln. Daneben geht es in einen Raum, der wie ein Souvenirshop aussieht. Dort können sich Jäger und andere Schützen mit Jacken, Schuhen, Wildkameras, Signalwaffen oder Waffen-Reinigungsmittel eindecken. Dahinter folgt der Sicherheitsbereich und damit die Waffen selbst. Für den Laien sehen diese alle ziemlich gleich aus, in Wahrheit stellen sie aber ein breites Spektrum für Jäger, Sportschützen und Sammler dar.

Freilich darf sich dort in Steinenbronn nicht jeder eine Waffe kaufen. „Bei Sportschützen müssen erst der Oberschützenmeister und der zuständige Schützenverband unterschreiben, dann muss der Antrag vom Amt bestätigt werden, und der Antragsteller wird vom Verfassungsschutz überprüft“, erklärt Hans Bek, „bei Jägern ist der Prozess noch strenger“.

Die Waffengesetze seien in Deutschland so gut durchdacht wie sonst nirgendwo, urteilt er. „Waffenbesitzer werden auch hin und wieder zu Hause kontrolliert, ob sie die Waffe ordnungsgemäß aufbewahren“, sagt Hans Bek. Denn die Sicherheit gehe immer vor.




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