Schießlärm Böblingen US-Army Schon im April wird es leiser

Die Anwohner der Schießanlage (in der Mitte ihr Sprecher Ulrich Durst) haben viele Jahre für die Reduzierung des Schießlärms gekämpft. Foto: factum//Simon Granville
Die Anwohner der Schießanlage (in der Mitte ihr Sprecher Ulrich Durst) haben viele Jahre für die Reduzierung des Schießlärms gekämpft. Foto: factum//Simon Granville

Im kommenden Monat beginnen die Arbeiten für den Lärmschutz an der Schießanlage der US-Army in Böblingen. Bereits während der Bauphase wird es merklich ruhiger werden.

Böblingen: Gerlinde Wicke-Naber (wi)

Böblingen - Eine frohe Botschaft hatte Armin Weber vom Staatlichen Hochbauamt kürzlich den Teilnehmern der Arbeitsgruppe Schießlärm zu verkünden: „Im April können die Bauarbeiten für den Lärmschutz an der Schießanlage der US-Army in Böblingen beginnen.“ Mehrere Firmen hätten sich auf die Ausschreibungen beworben. Und demnächst würden die Aufträge vergeben.

Besonders freuen dürfen sich die Anwohner der Schieß-Range der US-Army auf dem Rauhen Kapf in Böblingen auf die einjährige Bauphase: Während der Bauarbeiten, bei der die offenen Schießbahnen 4 und 5 einen Lärmschutz erhalten, ruhen die Schießübungen auf diesen beiden Bahnen komplett. Teilweise werden sie auf die gedämmten Bahnen 1 bis 3 verlegt, zu Teil an ganz andere Orte.

Fast euphorisch wirkt Ulrich Durst, der sonst so nüchterne und besonnene Sprecher der Bürgerinitiative gegen den Schießlärm. „Nach 27 Jahren intensiven gemeinsamen Bemühungen haben wir nun unser Ziel erreicht.“

4000 Anwohner profitieren

So lange hatten Ulrich Durst und seine Mitstreiter gegen den Schießlärm mitten im Wohngebiet gekämpft. 4000 Bürger in der direkten Nachbarschaft der Schießanlage sind vom Lärm betroffen. Viele Runde Tische, Arbeitskreissitzungen und Vor-Ort-Besichtigungen hatte es gegeben – mit Vertretern der Böblinger Stadtverwaltung, der US-Army, des Bundesverteidigungsministeriums, den Abgeordneten des Landkreises im Bundestag, Florian Toncar (FDP) und Mac Biadacz (CDU) sowie dessen Vorgänger Clemens Binninger.

Mehrfach waren Lösungen zum Greifen nahe gewesen. Dämmungskonzepte waren geprüft und dann verabschiedet worden, scheiterten dann jedoch am Geld. Als schwierig erwies sich, dass die Kommandanten der US-Army in der Region Stuttgart alle zwei bis drei Jahre wechseln und das Thema dann einem neuen Chef vorgetragen werden muss. Zeitweise hatten die Bürger die Hoffnung auf eine vernünftige Lösung verloren: Doch nun ist sie nicht nur da, sondern steht kurz vor der Umsetzung. „Wir glauben fest an den Erfolg und jetzt auch an das überzeugende Wollen der hier stationierten US-Army zu einer guten Nachbarschaft im Zusammenleben“, sagt Ulrich Durst und dankt allen Beteiligten für ihren Einsatz.

Der Marathonlauf ist kurz vor dem Finale

„Wir stemmen hier ein einzigartiges und wichtiges Projekt“, sagt Colonel Jason W. Condrey, der aktuelle Kommandeur der US-Army Garrison Stuttgart, der sich in den vergangenen zwei Jahren stark für den Lärmschutz eingesetzt hatte. Im Mai wird er das Projekt an seinen Nachfolger Oberst Matthew Ziglar übergeben. „Er ist schon mit dem Schießstandprojekt vertraut und hat auch an der Konferenz der Arbeitsgruppe teilgenommen“, berichtet der Colonel. Der Böblinger Oberbürgermeister Stefan Belz spricht von einem „Marathonlauf“, der sich nun immer mehr dem Ziel nähere: „Jetzt gilt es weiterhin für alle, mit Energie, klarem Fokus und konstruktivem Dialog dranzubleiben. Ein herzliches Dankeschön an alle Mitwirkenden!“

Intensiv in den Prozess eingebunden waren auch die Bundestagsabgeordneten des Kreises. „Nach vielen Gesprächen und intensiven Diskussionen wie dem Schießlärm-Gipfel 2018 im Bundesverteidigungsministerium in Berlin sind wir endlich auf der Zielgeraden. Die Lärmschutzmaßnahmen können umgesetzt werden, die Situation der vom Schießlärm betroffenen Bürgerinnen und Bürger in Böblingen und Schönaich wird deutlich verbessert – dank deutsch-amerikanischem Teamwork!“, freut sich Marc Biadacz (CDU). Florian Toncar (FDP) lobt den „Pragmatismus aufseiten der Stadt, des Bundesverteidigungsministeriums und der US-Army“, der letztendlich zum Erfolg geführt habe.

Nur noch einen Wunsch hat Ulrich Durst: Einen offiziellen Baubeginn im April, an dem der Oberbürgermeister Belz, der Colonel Condrey und sein Nachfolger Ziglar gemeinsam eine Art Grundsteinlegung vornehmen. Ein solcher Akt wäre „ein starkes Symbol für den Beginn einer sehr guten Nachbarschaft“, meint Durst.




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