Schmotziger in Weil der Stadt Susanne Widmaier macht’s Städtle gleich mit

Von Florian Mader 

Bei der Narreten Sitzung lösen sich alle Probleme von ganz allein, schließlich ist die AHA am Werk.

Der Kepler wettert, der abgesetzte Schultes muss sich seine Sünden anhören. Foto: factum/Bach
Der Kepler wettert, der abgesetzte Schultes muss sich seine Sünden anhören. Foto: factum/Bach

Weil der Stadt - In einem Rutesheimer Rohstrugel war es eigentlich schon eingerollt, in goldgelber Apfelmoscht-Tinte ist es geschrieben: Alles, was wichtig ist, wenn Weil bei einer Narreten Sitzung am Schmotzigen wieder richtig regiert wird. Wir haben das AHA-Protokoll gefunden und entschlüsselt:

TOP 1111 Johannes Kepler persönlich hat sich in diesem Jahr in den Ratssaal aufgemacht. „Mitbekommen hab ich voller Entsetzen / wollen sie mich doch versetzen“, ruft der empörte Astronom von seinem Denkmal herunter, das er, in Pappmaschee verpackt, mitgebracht hat. Mit einer klaren Forderung beschließt er seine Ausführungen: „Ich will nie vom Sockel ra / Lieber schrei ich drei laute AHA.“

TOP 215 Das Kepler-Denkmal verrücken? Eine verrückte Forderung, die schon am 11.11. die Runde gemacht hat – und jetzt ein klarer Fall für den Technischen Ausschuss (TA) der Narrenzunft ist. „Wie viel Jahre muss man studieren, damit einem so etwas fällt ein / ganz ohne Bier, Schnaps und Wein“, fragt der TA-Vorsitzende Timon Hiller. Das Hauptproblem der Narrenzunft: „Wird der Marktplatz umgestaltet / ist der Umzugsweg veraltet.“ Nicht einmal der Zunftwagen kann dann unbeschadet auf dem Marktplatz wenden, wie die ­TA-Mitglieder anhand eines Modells demonstrieren. Thilo Schreiber, vormals Bürgermeister und seit dem Narrensprung nur noch Sträfling, muss auf dem Kepler-Denkmal Probe sitzen und sich die Misere von oben anschauen.

TOP 312 In die Reihe irrer Ideen passt der eben erwähnte Weiler Strandsommer. „Auf dem Markt, beim G’müs-Einkaufen / kannst dann gleich noch einen Eimer Sangria saufen“, folgert Timon Hiller messerscharf, aber nicht ­ohne Vorfreude. Sein Gremiumskollege Gerhard Buhl, mit Blümchenhut passend zurecht gemacht, sekundiert: „Das wird ­bestimmt hier em Ländle die größte Fete / ond spült in die Stadtkass hoffentlich viel Knete.“ Das kann Schule machen: „Koiner em Städtle hätt dies gedacht / dass man aus Sand so viel Geld au mal macht.“

TOP 222 Nur der Name und das Programm für die sommerliche Sand-Schlacht fehlen noch. Der Michl-Burger-Imbiss ist gesetzt, dazu der Keplermann, der jeden Ballermann in den Schatten stellt. Im Rathaus wird dazu ein Sprungbrett installiert, von dem der künftige Beigeordnete ins kalte Wasser springt. „Macht aber bitte die ­Musik nicht so laut“, fordert Isolde Reinert, des Schreibers Schreibkraft. „Das stört uns völlig beim Schlafen.“

TOP 475 Dass Susanne Widmaier dem in Rutesheim von den Gumpa-Hexa abgesetzten Bürgermeister nachfolgen will, hat die Narrenzunft eiskalt erwischt. „Wer bringt uns denn jetzt den Most?“, ist der regierende Zunftmeister Daniel Kadasch ratlos. „Das mit den Frauen ist in die Hose gegangen“, wettert James Bührer, einer der sieben 7er-Räte, und erntet Buh-Rufe. „Wir brauchen einen Mann, das hat sich auch im 7er-Rat bewährt.“ Am besten gleich den kompletten 7er-Rat! „Ich glaub’ nicht“, wirft da Timon Hiller ein, „dass wir sieben Männer brauchen, um eine Frau zu ersetzen.“ Was zu beweisen wäre, wie ­Susanne Widmaier dazwischenruft.

Daniel Kadasch selbst präferiert dagegen eine der Miss-Weil-der-Stadts. Oder die drei Merklinger Stadträte Emilio Diaz, Bernd Laure und Holger Borel, die es nicht weit zur Arbeitsstätte hätten. Wiederum ist  Timon Hiller skeptisch: „Reichen drei Merklinger, um eine Frau zu ersetzen?“ Die zündende Idee hat bei all der Ratlosigkeit ein Clown aus dem Publikum, das sich bei der närrischen Sitzung traditionell jederzeit melden darf. „Frau Widmaier ist doch in Rutesheim nicht ausgelastet“, stellt er fest. „Da macht sie ihr G’schäft in Weil der Stadt halt auf 450-Euro-Basis weiter.“ Die klammen Stadtkassen hätten ­sogar noch ein Honorar ­gespart.

TOP 243 Endlich Essen! Das Essen richten die Alten Herren der Fasnet an, ganz als Koch gewandet. Lecker, eine Bruddel-Suppe, denn: „Das größte Laster unserer Zeit / ist die Unzufriedenheit.“ Und Bruddler gibt’s im Städtle viele. „Schempfa, meckra, dees tun viele / doch essa will jeder die Säu vom Riehle.“ Oder: „A guadr Bruddler mit Verlaub / war und isch Hans-Josef Straub.“

TOP 999 Sicher müssen alle Beschlüsse schließlich umgesetzt werden. Dafür ist die Torwache unter der Zigeunerbossin Sabine Quessel angerückt. „Sperrstund über­wachen wir / trinket ein Schnäpsle hier / schmeißet die letzten Gäste raus / trinket gern alle Stomba aus.“




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