Schulen in der Pandemie Wenn Corona ins Klassenzimmer schlüpft

Von Caroline Holowiecki 

Am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Filderstadt-Sielmingen gab es bislang drei Corona-Infizierte unter den Schülern. Der Rektor erklärt exemplarisch, welche Kettenreaktion eine Ansteckung in Gang setzt.

Nicht die ganze Klasse muss in Quarantäne, wenn sich ein Mitschüler angesteckt hat. Foto: dpa/Sebastian Gollnow
Nicht die ganze Klasse muss in Quarantäne, wenn sich ein Mitschüler angesteckt hat. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Filderstadt - Corona, Corona, immer wieder Corona. Täglich gibt es neue Hiobsbotschaften über die Entwicklung der Fallzahlen. Das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium (DBG) in Sielmingen ist bislang recht gut durch die Krise gekommen. Laut dem Schulleiter Peter Bizer sind bisher (Stand: 20. Oktober) drei Infektionsfälle bei Schülern bekannt geworden, alle hätten sich im privaten Umfeld angesteckt. Doch was passiert eigentlich, wenn der Anruf kommt, dass ein Kind positiv getestet wurde?

Eines vorab: Das heiße nicht, dass automatisch die ganze Klasse in Quarantäne geschickt werde, sondern in erster Linie jene Schüler, die engen Kontakt zum Infizierten hatten. Das sind Nebensitzer, beste Freunde oder Schulkameraden, die gemeinsam in einem Auto gefahren werden. Alle anderen dürfen zum Unterricht kommen, stellt der Rektor klar.

Das Kultusministerium bestätigt diese Vorgehensweise. „Für nicht enge Kontaktpersonen besteht in der Regel keine Veranlassung, Maßnahmen zum Infektionsschutz zu ergreifen“, heißt es dort. Wie in anderen Schulen gibt es im DBG einen festen Sitzplan im Klassenzimmer. So sollen die Kontakte leichter zu identifizieren sein. Die Pausen wiederum sind möglichst kurzgehalten, damit wenig Begegnung stattfindet.

Mails, Telefonanrufe – das alles kostet Zeit

Um all dies im Ernstfall zusammentragen und dann ans Gesundheitsamt weitergeben zu können, braucht eine Schule Zeit. Das DBG verschafft sie sich, indem es die Klasse des Corona-Infizierten für einen Tag heimschickt. „Wir haben den Vorgang ritualisiert“, sagt Peter Bizer. Dennoch spricht er von einem riesigen Aufwand. Mails verschicken, Telefonanrufe absetzen, das alles kostet Zeit. Das Ministerium hat Schulen und Kitas Richtlinien an die Hand gegeben, wie zu verfahren ist. In Kenntnis gesetzt werden alle Lehrer, der Schulträger, das Regierungspräsidium, Nachbarschulen. Aus der DBG-Elternschaft erfahren die, die ihre Kinder für einen Tag daheim betreuen müssen, dass es einen Corona-Fall gibt, nicht aber sämtliche Familien der etwa 730 Schüler.

Manchen reicht das nicht. Eine stellvertretende Elternbeirätin am DBG würde sich umfassendere Informationen wünschen. Sie habe stets „nur durch Zufall“ von Erkrankungen innerhalb der zwei Schulen, die ihre Kinder besuchen, erfahren. „Früher im Kindergarten war ein Schild an der Tür, wenn ein Kind die Windpocken oder Läuse hatte“, sagt sie. Das Kultusministerium lässt den Schulen offen, inwiefern und auf welchen Kanälen sie intern kommunizieren. „Dies entscheiden die Schulleitungen im Rahmen ihrer Handlungskompetenz“, teilt eine Sprecherin mit. „Eine möglichst transparente Information über die Situation an der Schule – dazu zählt auch die Angabe, um welche Klassenstufe es sich handelt – ist dabei sicher im Interesse aller Beteiligter und auch für die Identifizierung möglicher Kontaktpersonen wichtig.“

Die Grenzen des Machbaren

Schulleiter Peter Bizer spricht indes von einer Abwägung zwischen Information und Vermeidung von Panik. Gleichwohl bekennt er: „Es ist nicht leicht, es so zu machen, dass man alle mitnimmt.“ Auf der Schulhomepage hat er massig Corona-Details hinterlegt, zudem verschickt er seit Monaten „viele, viele Mails“. Information sei wichtig, bisweilen stoße er aber an die Grenzen des Machbaren. „Ich kann die Angst verstehen, aber das heißt nicht, dass ich immer Antworten habe.“

Er bricht eine Lanze für alle beteiligten Politiker und Ämter. Für jeden Einzelnen sei die Situation neu, verwirrend und schwierig. Alles in allem ist er jedoch zufrieden. „Ich fühle mich von den Eltern und den Kollegen sehr unterstützt. Ich bin sehr erfreut, wie viel Solidarität herrscht“, betont er. Auch die neue Maskenpflicht werde von den Schülern gut umgesetzt. „Sie tragen es mit großer Gelassenheit“, sagt er. Der Rektor hofft, dass seine Schule weiterhin so gut durch die Krise kommt. „Ich habe den Eindruck, dass es sich lohnt, die Hygieneregeln einzuhalten.“




Unsere Empfehlung für Sie