Schulen in Fellbach „Die Eltern hören noch zu viele Ausreden“

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Wie erleben Fellbacher Eltern die Lehrer ihrer Kinder in Corona-Zeiten? Die Gesamtelternbeiratsvorsitzende Claudia Bell bilanziert die Erfahrungen.

An den Grundschulen in Fellbach ist der Frust ziemlich groß. Foto: dpa/Ulrich Perrey
An den Grundschulen in Fellbach ist der Frust ziemlich groß. Foto: dpa/Ulrich Perrey

Fellbach - Das Homeschooling läuft mitunter eher schleppend – aber viele Eltern sind auch sehr zufrieden. Das liegt auch am unterschiedlichen Engagement der Lehrer, wie die Gesamtelternbeiratsvorsitzende Claudia Bell berichtet.

Frau Bell, wie nehmen Sie die Stimmung unter den Eltern in Fellbach wahr?

Ganz durchwachsen. Es gibt viele Eltern, die sind absolut happy damit, wie sich Lehrer und Schulleitung um die Kinder kümmern. Da wird digital unterrichtet oder fast täglich angerufen, neuer Lernstoff wird prima vermittelt, und die Aufgaben werden engmaschig kontrolliert. Aber vor allem in den Grundschulen ist der Frust ziemlich groß.

Woran liegt das?

Für diese Situation, in der wir uns derzeit befinden, kann niemand etwas, und niemand konnte so etwas vorhersehen oder sich gar darauf vorbereiten. Vor allem für die Eltern ist es eine extreme Situation, denn sie müssen neben ihrer eigenen Arbeit seit Monaten auch noch die Arbeit der Lehrer übernehmen. Manche schaffen das ganz gut, andere kommen täglich und immer mehr an ihre Grenzen. Hinzu kommt, dass die Eltern nach zehn Wochen Homeschooling keinerlei Verständnis mehr dafür haben, wie die pädagogische Betreuung durch die Schulen teilweise abläuft,und wie unflexibel die Schulen auch sind.

Wie meinen Sie das konkret?

Schon länger gibt es in Fellbach die App „Schul-Cloud“. Sie steht allen Schulen zur Verfügung, doch durch die Schulleitungen gibt es unterschiedliche Aussagen und Begründungen, weshalb sie sie noch immer nicht einsetzen. Immer noch ist etwa von „prüfen“ die Rede, obwohl doch schon zehn Wochen vergangen sind. Das ist doch wirklich Zeit genug, um eine kompetente und datenschutzkonforme Plattform zu prüfen und endlich loszulegen, meine ich.

Kann es sein, dass manche Lehrer gar nicht fit genug im digitalen Bereich sind?

Ja, das mag durchaus mit ein Grund dafür sein. Aber wie sagte eine Mutter kürzlich so schön: „Wenn ich eine Präsentation für meinen Chef machen soll, ich aber die Technik nicht kenne, dann kann ich doch auch keine mit Hand beschriebenen Karteikärtchen vorlegen! Dann muss ich mich eben in die Technik einarbeiten!“ Es gibt wirklich sehr viele engagierte, kreative Lehrer, aber bei anderen spüre ich in dieser Hinsicht schon eine sehr große Scheu und eine Verschlossenheit gegenüber Neuem. Für mein Empfinden und das vieler Eltern sind das zu viele Ausreden, die hier teils angeführt werden, vor allem, wenn der Vergleich zu den engagierten Lehrern und Schulen gezogen wird.

Einige Lehrer fallen ja nun ohnehin aus, wenn es wieder an den Präsenzunterricht geht, weil sie zur Risikogruppe gehören.

Auch dieses Thema beschäftigt die Eltern sehr. Knapp 26 Prozent aller Lehrkräfte gehören in Baden-Württemberg zur Risikogruppe. Selbstverständlich haben alle Verständnis dafür, wenn diese Menschen nicht in die Schule kommen möchten. Wenig Verständnis haben sie allerdings dafür, dass die Lehrer selbst und ohne Prüfung etwa durch eine Behörde angeben können, ob sie nun zur Risikogruppe gehören oder nicht. Niemand möchte hier jemandem etwas unterstellen, aber als „normaler“ Arbeitnehmer kann man sich seine Krankmeldung ja auch nicht selbst herausschreiben. Eher fragen sich viele Eltern, weshalb so viele Arbeitnehmer in Kurzarbeit gehen müssen, die Lehrer – und auch Erzieher – aber weiterhin bei vollen Bezügen zu Hause sind.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den Eltern und den Schulleitungen?

An vielen Schulen klappt das ganz prima, es findet ein enger und konstruktiver Austausch zwischen den Elternbeiratsvorsitzenden und der Schulleitung statt. Ich möchte mich an dieser Stelle auch bei allen Elternbeiräten und Vorsitzenden bedanken, die sich seit Monaten für die Kinder engagieren. Sie alle bekleiden ein unbezahltes Ehrenamt und leisten diese Arbeit neben allem, was sie sonst noch stemmen müssen. So ein Engagement ist wichtig für unsere Gesellschaft und kann gar nicht hoch genug bewertet werden.




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