Schulöffnung im Rems-Murr-Kreis Ab Montag wieder Wechselunterricht

Ab Montag  dürfen die Klassenzimmer wieder bevölkert werden. Foto: dpa/Britta Pedersen
Ab Montag dürfen die Klassenzimmer wieder bevölkert werden. Foto: dpa/Britta Pedersen

Am kommenden Montag öffnen die Schulen wieder für den Wechselunterricht. Nach einer halben Woche ist dann schon wieder Schluss, denn die Pfingstferien stehen vor der Tür. Warum so mancher Schulleiter das dennoch für sinnvoll hält.

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)
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Rems-Murr-Kreis - Rein rechnerisch hätten die Schulen und Kindertagesstätten im Rems-Murr-Kreis schon am Freitag wieder öffnen können. Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz lag zuvor bereits an fünf Tagen in Folge unter der in der Bundesnotbremse als kritisch eingestuften 165er-Marke. Weil das an einem Brückentag und kurz vor dem Wochenende aber keinen Sinn ergebe, hätten das Gesundheitsamt und die Schulämter den Einrichtungen mitgeteilt, dass erst von kommendem Montag an wieder Wechselunterricht beziehungsweise Regelbetrieb möglich sei, so das Waiblinger Landratsamt.

Schulleiter: Verfahren ist transparent

Im Gegensatz zu der jüngsten, gerade einmal eine Woche andauernden Öffnung nach den Osterferien, scheinen die Schulleiter im Kreis besser und vor allem früher darauf vorbereitet worden zu sein, was auf sie zukommt. Das Kultusministerium habe bereits Anfang Mai über das Vorgehen informiert und die Kriterien für einen Wiederbeginn des Wechselunterrichts auch an einem Beispiel verständlich dargelegt, sagt etwa Peter Schey, der Leiter des Waiblinger Salier-Gymnasiums. Das Verfahren und die rechtlichen Grundlagen seien transparent, man stehe in ständigem Kontakt mit den Dienstherren, bestätigt auch David Coronel, der Direktor der Wichernschule und geschäftsführende Leiter der Fellbacher Schulen.

Die Bildungseinrichtungen haben, wenn auch nur für kurze Zeit, Erfahrungen gemacht. „Die verschiedenen Öffnungs- (und auch Schließungs-)Szenarien liegen in den Schubladen“, sagt Coronel. Die Herausforderung für die Schulleitungen und Lehrer sei eher das „Nebeneinander“ von sehr vielen Modellen: Wechselunterricht, Präsenzunterricht für Abschlussklassen, Abschlussprüfungen, Fernunterricht, Notbetreuung.

Lesen Sie hier: Durcheinander beim Start der Testpflicht

In der Praxis müssten leider immer wieder Abstriche gemacht werden, weil schlicht das Personal fehle. Man komme deshalb teilweise nicht um Unterrichtsausfälle herum – „was für Kinder und Familien, die jetzt monatelang nicht in den Schulen waren, natürlich sehr frustrierend ist“, wie Coronel aus Erfahrung weiß. Aber auch Schulleitungen und Lehrer arbeiteten nun seit mehr als einem Jahr an der Belastungsgrenze.

Zumal diese auch Dinge leisten müssen, die über den Lehr- und pädagogischen Auftrag hinausgehen. Zum Beispiel am Morgen Corona-Schnelltests organisieren und beaufsichtigen. Es lägen „keine Problemanzeigen bezüglich des Testens an den Schulen vor“, heißt es dazu zwar aus dem Kultusministerium. Man gehe auch davon aus, dass die Schulen ausreichend mit Testkits versorgt seien. Und dass das Sozialministerium eigens eine E-Mail-Adresse eingerichtet habe, an die sich Kommunen wenden könnten, falls dem nicht so sei. Aber an den Schulen ärgert man sich, dass immer verschiedene Test-Arten geliefert würden. Nach dem sogenannten Nasenpopel-Test ist am Montag an mehreren Schulen die Spuck-Untersuchung angesagt. Das bedeute, sich immer wieder neu zu sortieren und die jeweiligen Testkonzepte anzupassen, monieren mehrere Schulleiter unisono.

Die Schulen haben keine Wahl

„Für Kinder und Jugendliche ist diese dritte Welle besonders hart, deshalb bin ich froh, dass Schulen und Kitas wieder öffnen können“, sagt der Landrat Richard Sigel. Aber wäre es nicht sinnvoller, man würde noch mal auf die eine Woche verzichten und die Pfingstferien abwarten? Dem erteilt das Kultusministerium eine Absage: Bei den Vorgaben der Bundesnotbremse hätten die Schulen keinen Entscheidungsspielraum, heißt es dazu auf Anfrage aus der Behörde. Das gelte für die Schließung genauso wie andersherum. Gewährt werde lediglich eine Übergangsfrist von bis zu drei Tagen, wenn die Rückkehr aus organisatorischen Gründen nicht unmittelbar möglich sei.

Das ist für David Coronel kein Thema – und zur Frage, ob eine halbe Woche Unterricht und danach gleich wieder Ferien sinnvoll ist, sagt er: „Hier schlage ich mich ganz klar auf die Seite der Kinder und Jugendlichen: Ich gönne ihnen jeden Tag Abwechslung und jede Stunde Schule! Es herrscht bei den allermeisten eine große Sehnsucht nach dem Schulgong, der einen ganz normalen Unterrichtstag einläutet und beendet.“




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