Schulöffnungen in Stuttgart Gebremste Freude an den Grundschulen

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Seit diesem Montag haben alle Grundschüler wieder täglich mindestens vier Stunden Unterricht. In Stuttgart kritisiert der Gesamtelternbeirat, dass die Notbetreuung beendet wurde. Fehlende Betreuung an den Randzeiten werde für viele Eltern zur Zerreißprobe.

Alle Grundschüler haben wieder Unterricht, Vesper müssen sich viele Ganztagskinder selber mitbringen. Foto: dpa/Jens Kalaene
Alle Grundschüler haben wieder Unterricht, Vesper müssen sich viele Ganztagskinder selber mitbringen. Foto: dpa/Jens Kalaene

Stuttgart - Auf dem Schulhof der Schönbuchschule in Dürrlewang ist am Montag wieder fröhlicher Kinderlärm zu hören. Erstmals seit dem Lockdown erhalten alle Grundschüler wieder täglich Unterricht – mindestens vier Zeitstunden. Allerdings tönt es auf dem Schulhof viel leiser als in Vor-Corona-Zeiten. Kein Wunder: Denn nur ein Bruchteil der früher üblichen Schülerschar hat dort gleichzeitig Pause – die Aufsichtsperson trägt Maske. Auch der Unterricht erfolgt zeitversetzt und in festen Klassenverbänden.

„Wir haben einen genauen Plan, wann welche Ganztagsgruppe auf den Schulhof oder den Sportplatz darf“ sagt Schulleiterin Christina Seeger. Und sie stellt klar: „Unsere Schulgelände sind noch gesperrt, es gelten immer noch die Hygieneauflagen.“ Nur Schüler, Lehrer, Betreuer dürfen hinein. Eltern und Gäste müssen draußen bleiben. Und: „Wir wünschen uns schon, dass die Kinder mit Mundschutz kommen – die meisten machen das auch.“ Es sei ein Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen. „Unser oberstes Ziel ist, dass wir gewährleisten können, dass es nicht zu einer Ausbreitung des Virus kommt“.

Eltern wünschen sich mehr Unterricht, aber auch mehr Abstand

Das treibe auch viele Eltern um, berichtet Manja Reinholdt, Vorsitzende des Stuttgarter Gesamtelternbeirats (GEB). Zwar sei die Freude über die Schulöffnung bei Eltern und Kindern groß – „allerdings ist der Blick in den Stundenplan oft ernüchternd, für welche Stundenzahl tatsächlich Unterricht angeboten werden kann – hier fällt uns der seit Jahren bestehende Lehrermangel auf die Füße“. Zugleich seien viele Eltern in Sorge, weil in den Grundschulklassen die Abstandsgebote nicht mehr gelten. Viele Eltern gingen nicht davon aus, dass Kinder das Virus seltener verbreiten als Erwachsene. Auch dem GEB sei schleierhaft, wie eine Studie als Basis für ein fallendes Abstandsgebot und volle Klassen propagiert werde – neue Schulschließungen, etwa in Göppingen, widersprächen der Studie.

Auch an der Österfeldschule in Vaihingen achtet Schulleiterin Erika Diemer-Hohnholz sehr auf die Einhaltung der Hygieneregeln: „Wir müssen alle zusammenhalten, dass es nicht zu einer zweiten Welle kommt“, sagt sie. Aber sie räumt auch ein: „Wir sind froh, dass alle wieder in die Schule kommen.“ Einschränkungen gebe es allerdings beim Ganztag. Die Betreuung könne zwar für die meisten bis 16 Uhr angeboten werden, allerdings nicht für die 32 Kinder aus den zwei Gruppen der Grundschulförderklasse. Der Grund: „Wir haben keine Arbeitskraft mehr – und wir müssen ja die Gruppen getrennt halten.“

Ganztagskinder müssen mit kaltem Vesper vorliebnehmen

Das Abstandsgebot, das nach wie vor außerhalb der Klassenzimmer gilt, hat zur Folge, dass etliche Schulen für die Ganztagskinder kein warmes Mittagessen anbieten können. „Für uns ist die Frage: Wie kriegen wir die Kinder mit 1,50 Meter Abstand in die Essensabholung?“, berichtet Christina Seeger. An der Schönbuchschule bekommen die Kinder statt dessen Lunchpakete, jedenfalls mal in dieser Woche. Danach wolle man weitersehen. Auch an der Österfeldschule dürfe der Caterer das Essen nicht austeilen, „und die Kinder dürfen das nicht selber schöpfen“, sagt Erika Diemer-Hohnholz. Dort müssen die Ganztagskinder ihr Vesper selber mitbringen. „Das ist anders organisatorisch nicht zu machen“, so die Schulleiterin. „Wir kaufen aber Vesper ein, damit kein Kind Hunger haben muss.“

Unterdessen kritisiert der GEB auch, dass die Notbetreuung gestrichen worden sei, so Reinholdt weiter. Die fehlende Betreuung an den Randzeiten werde für viele Eltern zur Zerreißprobe. Auch die Schülerbeförderung an die Sonderschulen müsse wieder sichergestellt werden.

Vier von 71 Grundschulen haben beim Schulamt Unterstützung angefordert

Für den – reduzierten – Regelunterricht reichen die Lehrerkapazitäten offenbar an allen 71 Stuttgarter Grundschulen trotz Pandemie aus, wie Birgit Popp-Kreckel sagt, die Vizechefin des Staatlichen Schulamts. Vier kleine Grundschulen hätten mangels Personal um Unterstützung gebeten. Ihnen habe man durch Abordnungen oder Rückkehrer helfen können. Durch fehlenden Musik- und Sportunterricht seien auch Kapazitäten frei geworden.

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