Coronavirus im Landkreis Ludwigsburg Landkreis richtet Testzentrum ein

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Das Gesundheitsamt des Landkreis Ludwigsburg verzeichnet zwei weitere Erkrankte, alle Patienten sind in häuslicher Quarantäne. Weil auch die Zahl der Verdachtsfälle steigt, werden Tests nun zentral am Klinikum Ludwigsburg durchgeführt – denn die Hausärzte sind überfordert.

Was es in Herrenberg und Schorndorf schon gibt, öffnet nun auch in Ludwigsburg: Ein Zentrum, in dem sich alle Bürger bei Corona-Verdacht testen lassen können. Foto: 7aktuell.de/Alexander Hald
Was es in Herrenberg und Schorndorf schon gibt, öffnet nun auch in Ludwigsburg: Ein Zentrum, in dem sich alle Bürger bei Corona-Verdacht testen lassen können. Foto: 7aktuell.de/Alexander Hald

Ludwigsburg - Der Landkreis Ludwigsburg reagiert auf die sich ausbreitende Corona-Epidemie und wird am Freitag am Klinikum Ludwigsburg eine zentrale Teststelle eröffnen. Diese steht allen Einwohnern zur Verfügung, die vermuten, dass sie sich mit dem Coronavirus infiziert haben. Das hat das Gesundheitsamt am Mittwoch mitgeteilt. Derweil ist die Zahl der Erkrankten um zwei weitere Fälle angestiegen. Es handelt sich um Männer aus Ludwigsburg und aus Besigheim, die sich vermutlich in Italien angesteckt haben.

Damit sind nun vier Covid-19-Fälle im Kreis bekannt, die beiden anderen Betroffenen stammen aus Benningen und Gerlingen. Bei allen Personen handelt es sich um Männer im Alter zwischen 45 und 61 Jahren. Die Patienten seien in häuslicher Quarantäne, erklärt Thomas Schönauer, der Leiter des Gesundheitsamts. Es gehe ihnen den Umständen entsprechend gut, eine stationäre Behandlung sei daher nicht notwendig.

Ein zweites Testzentrum ist möglich

Das Testzentrum wird in einem separaten Gebäude neben dem Klinikum eingerichtet, damit die Nutzer nicht in Kontakt mit regulären Patienten kommen. Wer sich auf das Virus untersuchen lassen möchte, muss telefonisch einen Termin vereinbaren. Nach dem Abstrich können die Getesteten nach Hause und dort auf das Ergebnis warten, das innerhalb von maximal 24 Stunden vorliegen soll. „Wenn es einem Patienten schlecht geht oder er Symptome aufweist, können wir ihn sofort isolieren und bei uns aufnehmen“, sagt der leitende Arzt Stefan Weiß.

Die Krankenhäuser haben für den Fall, dass die Zahl der Infizierten deutlich ansteigt, bereits mehrere Stationen freigeräumt. Zudem wurde beschlossen, dass auch in Bietigheim ein Testzentrum installiert wird, falls die Kapazitäten in Ludwigsburg nicht mehr ausreichen. Die Regionale-Kliniken-Holding (RKH) bittet alle Nutzer mit Nachdruck darum, nicht mit dem Öffentlichen Nahverkehr zu den Zentren zu fahren, um weitere Ansteckungen zu vermeiden. Aus dem gleichen Grund sollen potenzielle Corona-Patienten Notaufnahmen meiden. „Das würde uns sonst das Genick brechen“, sagt der RKH-Chef Jörg Martin.

Ein Keim als Medienstar

Bislang werden die Untersuchungen überwiegend von niedergelassenen Ärzten übernommen, die aber, so Schönauer, zunehmend überfordert seien. Das liege einerseits daran, dass den Praxen auch die aktuelle Influenza-Welle zu schaffen mache, und andererseits an der Corona-Hysterie in der Bevölkerung.

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Es wird keine Statistik geführt, wie viele Menschen im Landkreis inzwischen den Test absolviert haben, aber es sind offenbar viele. Das Gesundheitsamt hat eine Hotline geschaltet für alle, die besorgt sind, an dem Virus erkrankt zu sein. „Das Telefon klingelt eigentlich andauernd“, berichtet Schönauer. „Dieser Keim ist ein Medienstar, obwohl es keinen Grund zur Panik gibt.“ Corona und die damit zusammenhängende Krankheit Covid-19 seien nicht gefährlicher als eine starke Grippe.

Gleichwohl stellt das Virus alle Beteiligten vor enorme Herausforderungen. Das Personal sei am Anschlag und das Material werde irgendwann knapp, sagt Schönauer. Das gelte für Schutzkleidung und Schutzmasken ebenso wie für die Tests, die nicht in unbegrenztem Umfang nachproduziert werden können.

Die Kliniken haben alle Veranstaltungen abgesagt

Der Gesundheitsminister Jens Spahn hat zwar mehrfach betont, dass Deutschland gut auf die Situation vorbereitet sei, doch Schönauer sieht es dezidiert anders. „Wir sind vorbereitet, das stimmt. Aber nur auf die ersten paar hundert Patienten.“ Er sorge sich jedoch weniger um die gesundheitlichen Auswirkungen als um die gravierenden Folgen für die Infrastruktur. „Wenn alle zu Hause bleiben, haben wir irgendwann keine arbeitenden Bäcker mehr, keine Ärzte, keine Busfahrer, niemanden“ Das sei die größere Gefahr, die von diesem Virus ausgehe.

Auch aus diesem Grund hat das Landratsamt mit der Polizei, der für den Katastrophenschutz zuständigen Feuerwehr und den Kliniken einen Stab gegründet, dessen Mitglieder sich täglich austauschen, um gegebenenfalls schnell neue Maßnahmen koordinieren zu können. Eine solche Maßnahme könnte sein, Veranstaltungen abzusagen. Die Kliniken haben sich zu diesem Schritt bereits entschlossen und alle Vorträge, die zusätzliche Besucher in die Häuser bringen, gestrichen. Auch die Berufsausbildungsmesse, zu der in der nächsten Woche rund 5000 Jugendliche in Ludwigsburg erwartet werden, steht auf der Kippe. Auf eine generelle Empfehlung, Events abzusagen oder zu meiden, verzichtet das Landratsamt bislang. „Wir müssen uns das jeweils im Einzelfall anschauen“, sagt der Landrat Dietmar Allgaier.

Infos zum Testzentrum

Das Testzentrum in Ludwigsburg wird von Freitag an täglich von 12 bis 16 Uhr geöffnet sein. Die Anmeldung erfolgt unter der Nummer 0 71 41/14 46 98 44. Die Corona-Hotline des Gesundheitsamts ist unter der Nummer 0 71 41/14 46 94 00 erreichbar.