Schwaben in Berlin (2): die TV-Astrologin Kirsten Hanser Ein Stern geht auf

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Wie ergeht es Schwaben in der Bundeshauptstadt? In einer Porträtserie sucht unsere Berlin-Korrespondentin Katja Bauer nach Antworten. Teil zwei: die TV-Astrologin Kirsten Hanser.

Ruhe und Natur – in Berlin sind das rare Güter. Die Astrologin Kirsten Hanser findet beides im Grunewald Foto: Christian Plambeck
Ruhe und Natur – in Berlin sind das rare Güter. Die Astrologin Kirsten Hanser findet beides im Grunewald Foto: Christian Plambeck

Berlin - Es ist, als hätte einer die Stadt draußen abgeschaltet. Der Lärm der Straße, die vielen Menschen, alles rückt in die Ferne, wenn Kirsten Hanser die Tür zu ihrem Berliner Büro öffnet. Vielleicht heißt ein Raum, in dem eine Astrologin arbeitet, nicht Büro. Aber der hier sieht so aus. Die Mitte beherrscht ein Schreibtisch, darauf ein Computer, davor ein Klientenstuhl. Rechts öffnet sich ein ­großer Erker. Federleicht schweben hier Saturn, Jupiter, Mars zusammen mit ihren Kollegen aus dem Sonnensystem unterhalb der Decke, handbemalt, aus Styropor.

An diesem Morgen hat Kirsten Hanser schon sehr vielen Leuten erklärt, was gerade am Himmelszelt passiert: „Venus macht sich auf ins Zeichen Krebs“, sagte sie. Was für Steinböcke eine interessante Wende in deren Leben bedeuten könnte: „Der Steinbock taut auf gegenüber einem Menschen, der für ihn wichtiger wird.“ Kirsten Hanser ist Steinbock. Vor allem aber ist sie Deutschlands bekannteste TV-Astrologin, seit 2006 interpretiert sie die interplanetarischen Konstellationen für die Zuschauer des Sat-1-Frühstücksfernsehens. Hunderttausende hören ihr dabei zu.

Und wer genau hinhört, der merkt den Unterschied: Plumpe Handlungsanweisungen wie in vielen Tageshoroskopen wird man von Hanser niemals bekommen. „Das ist einfach Humbug“, sagt sie. „Es gibt ein Berufsethos für Astrologen.“

Ihr gebietet dieses Ethos einiges: nicht so zu tun, als wisse man Antwort auf die Fragen, die viele Menschen von Astrologen erwarten. Kommt die große Liebe endlich um die Ecke? Werde ich irgendwann ­wieder gesund? Soll ich meinen Mann ­augenblicklich verlassen? „Darauf hab’ ich keine Erwiderung im Gepäck“, sagt Kirsten Hanser. „Die Astrologie ist keine Hellseherei. Sie ist eine Art, die Welt anzuschauen.“

Da ist kein eindringlicher Ton in ihrer Stimme. „Mein Anliegen ist es zwar, die ­Astrologie aus dieser verstaubten Wahrsagerecke zu holen, aber ich will niemanden bekehren. Wenn jemand sich für die Sterne nicht interessiert, verstehe ich das.“ Sie macht allerdings seit Jahren eher die gegenteilige Erfahrung. „Die Astrologie ist salonfähiger geworden.“

Wurzeln im Schwarzwald

Kirsten Hanser sitzt an ihrem Schreibtisch, die dunklen Haare zum Zopf gebunden, am Finger ein Ring, dessen Kugelform an einen Planeten erinnert. Hierher in ihr Arbeitszimmer in einem Gründerzeit­altbau in Schöneberg kommen viele ­Menschen, die individuelle Beratung ­wollen, ein Coaching, einen kleinen Wegweiser. Dabei war es für sie selbst auch gar nicht so leicht, ihren Weg zu finden. Nur eins war von einem bestimmten Zeitpunkt an klar: Berlin würde ihr dabei helfen.

Kirsten Hansers Wurzeln allerdings liegen woanders. 1965 wurde sie in Freiburg geboren. Die ganze Familie stammt aus Südbaden und dem Elsass. Als die Eltern sich trennten, zog die Tochter mit ihrer Mutter weg aus dem Breisgau, nach Kassel. „Heimisch wurden wir dort nicht.“ Lange lebte sie in einer Art Zwischenzustand, einem Durchreisegefühl. „Immer wurde diskutiert, ob wir zurückgehen“, erinnert sich Hanser. „Für mich als Kind war die Vorstellung gleichbedeutend mit: Wird jetzt wieder alles gut?“

Aber Baden-Württemberg, das blieb ein Ort der Kindheit, der Ferien bei der „Grandmere“ in Breisach, die immer sagte: „Du bist ein Schwarzwaldmädel.“ Dieses Wort, sagt Kirsten Hanser, das habe sie nie komplett auf sich anwenden können. Aber bei Oma, das war schon Heimat: Schnecken essen und Plumpsklo, Wärme und Sehnsucht. Wenn die Astrologin heute im Schwarzwald ist, dann beschreibt sie ihr Gefühl so: „Ich spüre, dass hier meine Wurzeln waren, aber genau ausfindig machen kann ich sie nicht mehr.“