Schwäbischen Wald Suche nach Mountainbike-Trails

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Die Konflikte zwischen Bikern, Wanderern, Spaziergängern, Jägern und Waldbesitzern nehmen zu. Das Kreisforstamt lädt ein zu einem „Runden Tisch“ mitten im Schwäbischen Wald bei Oppenweiler – und fast 100 Interessierte kommen.

Trotz strömenden Regens kommen viele Menschen zum Runden Tisch „Mountainbike-Konzeption“. Foto: Gottfried Stoppel
Trotz strömenden Regens kommen viele Menschen zum Runden Tisch „Mountainbike-Konzeption“. Foto: Gottfried Stoppel

Oppenweiler - Auf den Wegen im Wald wird es voller und voller. Immer mehr Menschen zieht es in den Forst. Seit dem Beginn der Corona-Pandemie ist nach Einschätzung des Kreisforstamts im Wald noch mehr los als ohnehin schon. Noch nie hätten sich so viele Wanderer telefonisch gemeldet und ihr Leid wegen der ungezählten Mountainbiker auf den Pfaden im Forst geklagt.

Jetzt haben sich auf Einladung des Forstamts Vertreter der verschiedenen Interessengruppen mitten im Wald beim Eschelhof auf Markung der Gemeinde Oppenweiler zum ersten Runden Tisch getroffen. Mit von der Partie waren Mountainbiker, Wanderer, Waldbesitzer, Jäger sowie Mitarbeiter von Kommunen und Behörden. Obwohl es in Strömen regnete, waren geschätzt fast 100 Personen gekommen. Ob die Corona-Regeln bei diesem Auflauf immer akkurat eingehalten wurden, sei dahingestellt – das riesige Interesse zeigt jedenfalls: der Konflikt brennt.

Die umstrittene Zwei-Meter-Regel

Man ging zwar höflich miteinander um, doch im Laufe des nassen Nachmittags wurde rasch klar: Die Interessen sind sehr unterschiedlich. Viele Biker wollen gerne auf allen möglichen (und schier unmöglichen) Wegen fahren, auch auf jenen, die schmaler sind als zwei Meter. Das ist laut dem Landesgesetz aber verboten. Ein Vertreter der Deutschen Initiative Mountainbike forderte die Aufhebung dieser Zwei-Meter-Regel. Mitglieder des Schwäbischen Albvereins Backnang indes sehen die Sache anders. Eine Vertreterin des Albvereins sagte, sie könne sich nicht vorstellen, dass Biker und Wanderer ganz generell mit ein und demselben Wegenetz zurecht kämen. Sie habe schon zu viele gefährliche Situationen erlebt, etwa Begegnungen älterer Leute, die gewandert seien, mit Bikern, die ihnen mit einem Affenzahn entgegenkämen.

Bernhard Drixler, der Geschäftsführer des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald, hingegen sagte, er halte nichts von einem getrennten Wegenetz. Im Naturpark gebe es ein paar tausend Kilometer Wanderwege, lediglich auf einem kleineren Teil davon seien Biker unterwegs. Im Raum Heilbronn gebe es „ein abgestimmtes Streckennetz, das funktioniert“. Wobei er einräumte, dass es auch im Nachbarkreis gelegentlich zu Reibereien zwischen Wanderern auf der einen Seite und Mountainbikern auf der anderen Seite komme.

Jäger kritisieren Biken bei Nacht im Wald

Jan Schlichenmaier vom Bund Deutscher Radfahrer sagte: „Ein Miteinander auf gleichen Wegen funktioniert – wenn alle die Regeln einhalten.“ Er berichtete indes auch von Anschlägen auf Trailstrecken, von Nagelbrettern auf dem Boden und von gefährlichen Seilen, die auf Kopfhöhe der Radfahrer angebracht werden. Ulrich Häußermann vom Forstamts sagte, die Biker müssten wissen, dass sie im Wald immer auf fremdem Grund unterwegs seien. Deshalb müssten sie sich zwingend mit den Waldbesitzer absprechen, wenn sie Trails anlegen wollten. Im Nachbarkreis Heilbronn habe man gute Erfahrungen mit Patenschaften für Bikertrails gemacht. Es gelte, auch Rücksicht auf die Jäger zu nehmen. Wer nachts im Wald Mountainbike fahre, der gefährde sich, erklärten Vertreter der Weidmänner.

Ein Mitglied der Trailsurfers Baden-Württemberg sagte, der Club wolle allen Akteuren im Rems-Murr-Kreis „die Hand reichen“ und bei konkreten Projekten Lösungsmöglichkeiten aufzeigen, die andernorts geholfen hätten, Konflikte zu lösen.

Nach fast zwei Stunden im Forst wurde das erste Treffen des Runden Tisches zur Erarbeitung einer Mountainbike-Konzeption beendet. Die Bilanz: Man hat sich beschnuppert, die Positionen sind einigermaßen klar. Ein Auftakt ist gemacht. Künftig wollen sich die Interessenvertreter in vier kleineren Regionalgruppen treffen und besprechen, was konkret im vorderen und hinteren Remstal sowie im oberen und unteren Murrtal getan werden soll, damit es zu weniger Reibereien kommt. Denn möglichst bald soll es im Landkreis weitere legale Trails für Mountainbiker geben. Und die Wanderer sollen sich wieder sicherer im Forst fühlen.




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