„Schwarzwaldstraße“ in Merklingen 844 Interessenten wollen ins Neubaugebiet

Von Florian Mader 

Jetzt geht es los beim Neubaugebiet Schwarzwaldstraße. Der Bürgermeister, der Beigeordnete und Planer feiern Spatenstich.

Der Bürgermeister, der Beigeordnete und Vertreter des Gemeinderates und  der Planer stechen den Spaten. Foto: factum/Simon Granville
Der Bürgermeister, der Beigeordnete und Vertreter des Gemeinderates und der Planer stechen den Spaten. Foto: factum/Simon Granville

Weil der Stadt - Wie groß die Not an Wohnraum in Weil der Stadt ist, belegt der Beigeordnete Jürgen Katz anhand von Zahlen. 43 Bauplätze wird es im Neubaugebiet Schwarzwaldstraße geben. Bislang sind bei der Stadtverwaltung dafür 844 Bewerber eingegangen. „Ich glaube, das zeigt eindrucksvoll, wie hoch der Druck auf den Wohnungsmarkt ist“, sagt Katz.

Um dem ein wenig abzuhelfen, geht es jetzt los beim kleinen Neubaugebiet Schwarzwaldstraße. Bürgermeister Thilo Schreiber, der Beigeordnete und Vertreter des Gemeinderates, der Planer und Baufirmen haben am Freitag zum Spaten gegriffen, um den Startschuss zu geben.

Die Sonne scheint, aber nicht nur deswegen ist es idyllisch an diesem Nachmittag. Grün ist die Wiese, Hecken und Streuobstbäume stehen auf diesen 2,8 Hektar am Merklinger Ortsende, Richtung Weil der Stadt gelegen. Seit 2016 schon plant die Stadt hier ein Neubaugebiet, und dass allein die Planungen vier Jahre lang gedauert haben, liegt an der Natur. „Die Entwicklung von Baugebieten heißt in Weil der Stadt immer auch Eingriff in einen wertvollen Landschaftsraum“, erklärt Katz.

47 Nistkästen für Vögel und Fledermäuse aufgehängt

Vorgeschrieben ist, dass der Eingriff an anderer Stelle ausgeglichen wird. 47 Nistkästen für Vögel und Fledermäuse hat die Stadt bereits aufgehängt, im Herbst wird dann eine Feldhecke und eine Trockenmauer angelegt und es werden 41 neue Bäume gepflanzt. Außerdem hat das Regierungspräsidium angeordnet, eine 1,7 Hektar große, sogenannte „Magere Flachland-Mähwiese“ anzulegen. Ein Grundstück in Hausen habe man dafür im Auge, berichtet der Beigeordnete. Kommende Woche wolle man den Kaufvertrag unterschreiben.

Ursprünglich war dafür eine Fläche nördlich von Schafhausen vorgesehen. Das hatte im Dezember 2018 für heftige Konflikte im Gemeinderat gesorgt, weil dafür Äcker umgewandelt worden wären – die Landwirtschaft hätte also doppelt bluten müssen. Zuerst verliert sie Flächen an das Neubaugebiet, und dann auch noch an die Naturschutz-Ausgleichsmaßnahmen.

Jetzt habe man aber ein Grundstück gefunden, das vorher kein landwirtschaftlicher Acker war, versichert der Beigeordnete. Dennoch: „Gefragt nach dem Wort des Jahres, würde die Mehrheit der Gemeinderäte wahrscheinlich ‚Magere Flachland-Mähwiese’ nennen“, sagt Katz in seiner Ansprache beim Spatenstich.

Aufwendig war die Vorbereitung für das Gebiet Schwarzwaldstraße, weil die Stadt im Vorfeld alle Grundstücke selbst aufgekauft hatte. Der Gemeinderat hatte vor einigen Jahren in einer Grundsatzentscheidung geregelt, keine privaten Flächen mehr zu entwickeln. Die Schwarzwaldstraße ist nun das erste Gebiet, bei dem die Stadt dies tatsächlich umsetzt.

Lob für das Ankaufmodell

Lob dafür gibt es von Martin Riedißer, dem Geschäftsführer der Stuttgarter „KE Kommunalentwicklung“, die im Auftrag der Stadt die Planung und Erschließung des Gebiets organisiert. „Das war ein wegweisender Beschluss“, sagt er. Viel würde zurzeit von sozialem Wohnraum geredet, aber niemand frage sich, worauf der eigentlich entstehen soll. „Am besten lässt sich sozialer Wohnraum entwickeln, wenn der Stadt die Flächen selbst gehören“, sagt Martin Riedißer.

Jetzt beginnt die Erschließung, also der Bau der Straßen und Versorgungsleitungen. Gleichzeitig laufen im Rathaus schon die Vorbereitungen für die Vermarktung der 43 Grundstücke. Dabei soll es nicht nach Höchstgebot gehen, kündigt der Beigeordnete an. Noch im Frühjahr werde der Gemeinderat Kriterien verabschieden, nach denen die Stadtverwaltung die Grundstücke dann vergibt.

Ein Wermutstropfen freilich bleibt. Zwischen dem künftigen Neubaugebiet und dem entlang der Hauptstraße liegenden kleinen Gewerbegebiet bleibt eine freie Fläche, die etwa nochmals 2,5 Hektar groß ist – und die die Stadt auch gerne entwickelt hätte. „Das hat das Landratsamt aufgrund des Naturschutzes nicht genehmigt“, erklärt Jürgen Katz. Geschützte Arten seien dort gefunden worden.




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