Schwedens Coronavirus-Sonderweg Sorgen um Prinz Daniels Gesundheit werden größer

Von /dpa 

Die Schweden gehen in der Coronakrise einen Sonderweg – und ihre Königsfamilie mit. Doch gefährdet Prinz Daniel, der zur Risikogruppe gehört, mit öffentlichen Auftritten seine Gesundheit?

Vergangene Woche besuchten Kronprinzessin Victoria und Prinz Daniel ein Feldkrankenhaus, das in aller Eile bei Stockholm hochgezogen wird. Foto: imago images/TT/LORENTZ-ALLARD ROBIN/Aftonbladet 5 Bilder
Vergangene Woche besuchten Kronprinzessin Victoria und Prinz Daniel ein Feldkrankenhaus, das in aller Eile bei Stockholm hochgezogen wird. Foto: imago images/TT/LORENTZ-ALLARD ROBIN/Aftonbladet

Stockholm - Europas Royals isolieren sich: Die Angehörigen der britischen Königsfamilie bleiben in ihren Landhäusern und Palästen – Prinz Charles hat eine Infektion mit dem Coronavirus gerade erst überstanden. Genauso machen es ihre Kollegen in den anderen europäischen Königshäusern. Nur ein Königshaus geht einen Sonderweg, genauso wie das zugehörige Land einen Sonderweg in der Coronakrise einschlägt: Die Rede ist von Schweden.

So sieht man Kronprinzessin Victoria und ihren Mann, Prinz Daniel, immer noch öffentliche Termine absolvieren: Vergangene Woche beispielsweise besuchte das Paar noch ein Feldkrankenhaus, das in aller Eile bei Stockholm hochgezogen wird.

Victoria und Daniel hielten zwar den empfohlenen Sicherheitsabstand zu dem Umstehenden ein, doch wer Prinz Daniels Geschichte kennt, weiß, wie kritisch solche öffentlichen Auftritte sind. 2009 musste sich der heute 46-Jährige einen Nierentransplantation unterziehen. Er gehört damit zur Risikogruppe, was Infektionen mit dem Coronavirus angeht.

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Zwar versucht auch das schwedische Kronprinzenpaar, mehr Videokonferenzen und Telefongespräche aus dem Homeoffice zu machen, doch der Palast schließt auch Besuche und öffentliche Termine in einer offiziellen Mitteilung explizit nicht aus: „Besuche werden auf der Grundlage aktueller Empfehlungen geplant.“ Diese Woche besuchte Victoria die Stockholmer Stadtmission – diesmal zumindest ohne Daniel.

Schweden geht in der Corona-Krise einen Sonderweg: Kindergärten und Grundschulen bis zur neunten Klasse sind, anders als Gymnasien und Unis, weiter offen. Das Gleiche gilt für Restaurants, Kneipen und Cafés, die ihre Gäste seit kurzem aber nur noch am Tisch bedienen dürfen. In Stockholm sieht es gar nicht so viel anders aus als sonst.

Unterschied zu den Nachbarländern könnte kaum größer sein

Damit ist Schweden im Grunde das letzte EU-Land ohne extrem scharfe Maßnahmen gegen Covid-19. Der Kontrast zu dem strikten Vorgehen der skandinavischen Nachbarn Dänemark und Norwegen und auch demjenigen in Deutschland könnte größer kaum sein.

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Der schwedische Chefepidemiologe Anders Tegnell ist überzeugt davon, dass die schwedische Strategie aufgeht: Auch hier will man die Ausbreitung des Virus zwar verlangsamen, aber man baut darauf, dass die Bürger freiwillig auf Abstand zueinander gehen und sich Menschen, die Risikogruppen angehören, selbst isolieren. Ministerpräsident Stefan Löfven findet: „Wir können nicht alles gesetzlich regeln und verbieten.“ Vergleichsweise spät wurden auch große Veranstaltungen gestrichen. Nicht alle Schweden sind mit der liberalen Haltung ihrer Regierung glücklich. Die Infizierten- und Todeszahlen nehmen zu.

Und auch dass das Kronprinzenpaar weiter Termine wahrnimmt, findet nicht nur Zustimmung: „Bleib zu Hause, Daniel, anstatt dich dem auszusetzen. Du bist doch wegen deiner Nierentransplantation gefährdet“, schreibt beispielsweise eine Userin unter das Instagram-Posting über den Feldkrankenhaus-Besuch des Paares. „Wie lieb von euch – aber bleibt besser zu Hause“, heißt es in einem weiteren Kommentar.




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