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Schweiz Skifahren in Laax

Über den Wolken: Drei Snowboarderim Skigebiet Flims, einem der schneesichersten Winterresorts Europas. Foto: Diemar
Über den Wolken: Drei Snowboarder im Skigebiet Flims, einem der schneesichersten Winterresorts Europas. Foto: Diemar

Die Schweiz ist teuer geworden. Lohnen sich Winterferien bei den Eidgenossen trotzdem? Ja, wenn Einmaliges geboten wird. Wie etwa in Laax, dem Pistenparadies der jungen Wilden.

Es ist eng in der Hütte Tegia Miez bei Alp Dado. Trockenfleisch, Speck und Käse sind zu haben, auch eine wärmende Suppe. Man betritt die Hütte durch die winzige Küche mit dem holzbefeuerten Ofen. Es gibt kein fließendes Wasser hier oben. Wenn die Hüttenwirte abspülen wollen, müssen sie Schnee auftauen und auf dem Feuer erhitzen. Die Tegia Miez ist sehr beliebt bei den Skifahrern. Man rückt daher eng zusammen, sitzt dicht an dicht und kommt zwangsläufig mit anderen ins Gespräch. Das Ehepaar aus Hannover, das sich noch mit an den Tisch geklemmt hat, findet die Beiz „sehr authentisch“. Weil jede Holzplanke in der Hütte von früher erzählt. Vom einfachen Leben hoch oben in den Alpen. Beni Fontana stammt aus einer Bauernfamilie. Er ist über 70 und seit mehr als 50 Jahren als Skilehrer tätig auf den Pisten von Flims-Laax-Falera. Und weil Fontana dieses entbehrungsreiche Leben noch kennt, schaut er dem Mann aus Hannover mürrisch dabei zu, wie er die Rinde vom Alpkäse fingerdick abschneidet. „Da hätte es vom Vater ordentlich was hinter die Ohren gegeben, wenn wir so mit dem Käse umgegangen wären“, muss Fontana plötzlich sagen.

Laax als Vorzeige-Skigebiet

Draußen vor der Hütte hat sich das Wetter aufgehellt. Am Crap Sogn Gion treffen ein halbes Dutzend Lifte und Bergbahnen von Laax zusammen. Und an den Hängen unterhalb des Crap liegen die vier Snowparks mit insgesamt fast 90 Obstacles, Kickers, Rails, Boxes und Half- oder Superpipes. „Freestyle vom Feinsten“ verspricht der Laax-Guide den jungen Wilden und wirbt damit, das „größte und umfangreichste Snowpark-Angebot im Alpenraum“ zu haben. Als Snowboarder vor etwa 30 Jahren anfingen, die Pisten aufzumischen, reagierten die Touristiker zunächst eher unwillig auf den neuen Trend. In Laax dagegen, aus dem auch die Weltklasse-Boarderin Sina Candrian stammt, waren die Kids von Anfang an willkommen. Schließlich waren sie die Gäste von morgen. Und könnten schon jetzt die Erzeugerfraktion alljährlich im Herbst erinnern: „Los, lasst uns mal wieder lässig nach Laax fahren!“ Melanie Keller von der „Weissen Arena Gruppe“ kann die Zielgruppe für Laax klar definieren: „Junge, moderne Paare und Familien, die Wert auf Qualität legen und einen urbanen Lebensstil vorziehen.“

Wie man diesen urbanen Stil in den Alpen pflegt? Zum Beispiel im Rocksresort direkt an der Talstation der Laaxer Bergbahnen. Acht Kuben mit Fassaden aus Valser Granit verteilen sich wie Felsfindlinge um einen Dorfplatz mit schicken Läden, Bars und Restaurants. In den Wohnungen des Rocksresorts dominieren zeitgenössisch Eiche und Naturstein. Drei weitere Kuben sind in Planung. Mit einem Durchschnittsalter von 38,5 Jahren sind die Gäste in Laax deutlich jünger als in anderen Wintersport-Destinationen. Deshalb heißt der Werbe-Slogan folgerichtig „Happy up Laax“ und die Broschüren dazu zeigen schöne junge Menschen mit Raubtierlächeln in schneeverkrusteten Gesichtern. Der Masterplan für weitere Investitionen im Skigebiet nennt sich „Revolution am Berg“.

Laax, Flims und Falera

Laax ist nicht Laax allein, sondern Flims, Laax, Falera. Aber Falera, einst nicht mehr als ein Weiler, ist nur das Anhängsel, während die Geburtsstunde des Tourismus eigentlich in Flims schlug, das schon zu Zeiten der Belle Époque solventes Publikum anzog. „Dazumal“ kam man zur Sommerfrische und mietete sich samt Personal für Wochen in Zimmerfluchten ein. „Flims und Laax sind wie Hund und Katz“, sagt Ariana Trubel, die beim Pisten-Rettungsdienst arbeitet und das „Stalla“ auf Alp Nagens leitet, eine Beiz, in der man das Raclette am offenen Feuer geschabt bekommt und in der Holz und Fell dominieren, als habe man sich von „Schöner Wohnen“ in Sachen Hütten-Ambiente beraten lassen. Alp Nagens liegt oberhalb von Flims. In Flims saßen einst die Hoteliers, aus Laax kamen die Schuhputzer. Doch es waren die Laaxer, die am Tag, an dem der Zweite Weltkrieg zu Ende ging, den Bau der ersten kuppelbaren Sesselbahn der Welt absegneten. Gut zehn Jahre später waren die Hänge für die Wintersportler von Laax aus bereits bis zum Cassons-Grat auf 2675 Meter Höhe erschlossen. 1968 fuhr eine Großgondel vom Ort hinauf zum Crap Sogn Gion, bald auch zum Crap Masegn und schließlich zum Vorab-Gletscher auf 3000 Meter Höhe. Laax wurde reich. Flims dagegen kümmerte auf seiner Bergflanke vor sich hin und schloss sich erst 1996 aus purer Not dem Verbund an, der von da an als „Weisse Arena“ firmierte.

Rund 100 Mitarbeiter aus rund 30 Nationen beschäftigt die „Weisse Arena“, die auch das Berghaus Nagens betreibt. Es ist nur den Winter über für Übernachtungsgäste geöffnet. Tagsüber werden hier rund 3000 Skifahrer abgefüttert, doch sobald die Gondelbahn steht, ist man unter sich. Abends gibt es ein Vier-Gänge-Menü für die Hausgäste. Die Küche ist für eine Berghütte mehr als ordentlich, das Service-Team im Restaurant und in der Bar hoch motiviert und die Preise für die Pauschalen mit Halbpension und Liftticket sind fair kalkuliert. Wenn das Licht über dem Bergpanorama der Signina-Gruppe verglüht ist, bleibt man hier oben auf über 2000 Meter Höhe freilich abgeschnitten vom Après-Ski in den angesagten Bars, wo Sushi und Tapas serviert werden. Aber es gibt Tage, an denen man weiß, warum man genau hier übernachten muss. Wenn in der Nacht 30 Zentimeter Neuschnee gefallen sind, die Sonne auf die weiße Pracht strahlt und man, während die Gondel noch nicht in Betrieb ist, mutterseelenallein seine Schwünge durch den unberührten Pulverschnee zieht, die ganze lange Talabfahrt bis hinunter nach Flims. Jetzt weiß man, warum sie einem hier das Glück versprechen. Auch wenn die Teglia-Miez-Hütte demnächst erweitert werden soll. Wahrscheinlich auf authentisch-innovative Art.

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