Seen im Rotwildpark Stuttgart Wie die Blaualgen entstehen – und was sie gefährlich macht

Ein Schild warnt vor dem Blaualgenbefall der Parkseen. Foto: Lichtgut/ Julian Rettig
Ein Schild warnt vor dem Blaualgenbefall der Parkseen. Foto: Lichtgut/ Julian Rettig

Drei Seen im Rotwildpark sind aktuell eine Gefahr für Mensch und Tier: Ein Bakterium hat das Wasser befallen.

Lokales: Christine Bilger (ceb)
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Stuttgart - Eigentlich sei Betrieb wie immer an einem schönen, aber frischen Herbstmorgen, berichtet ein Jogger. Die Sportlichen ziehen ihre Runden im Laufschritt, Genießer spazieren um die Seen. „Ein paar haben ihre Hunde sehr kurz an der Leine gehalten – vermutlich, damit sie nicht ans Wasser gehen“, sagt der 56-jährige Stuttgarter. Sonst sei ihm nichts aufgefallen. Am Bärenschlössle, dem Ausflugslokal, hat sich der Algenbefall noch nicht als Hauptgesprächsthema etabliert. „Das Schild hängt erst seit zwei Tagen, sonst kriegen wir da nichts mit“, sagt der Wirt Jürgen Unmüßig.

Eine Wasseranalyse bestätigt den Verdacht

Es herrscht also weitgehend „Normalbetrieb“an den Parkseen Bärensee, Neuer See und Pfaffensee. Die Stadt hat am Mittwoch eine Warnung herausgegeben: Das Wasser der Vorderen Parkseen weise einen starken Blaualgenbefall aus. Menschen sollen den Kontakt mit dem Wasser vermeiden.

Die können Ausschläge und Übelkeit bekommen. Für Hunde und andere Tiere kann das mit Algen befallene Wasser sogar tödlich sein, wenn sie davon trinken, auch davor warnt die Stadt in ihrer Pressemitteilung ausdrücklich. „Die Blaualgen wurden in einer Analyse des Wasserhygienelabors des Landesgesundheitsamts nachgewiesen“, sagt der Pressesprecher Niklas Junkermann.

Blaualgen sind gar nicht blau – und keine Algen

Der Name Blaualgen ist trügerisch. Zum einen sind Blaualgen gar nicht blau, sondern es sind grüne Schlieren im Wasser zu sehen. Zum anderen handelt es sich überhaupt nicht um Algen, sondern um Bakterien, sie heißen Cyanobakterien.

Sie bilden sich bei hohen Wassertemperaturen. An Badeseen begünstigt die Phosphatbelastung auf der menschlichen Haut die Bildung. Die Badenden bringen Schuppen, Hautteilchen und Kosmetika ins Wasser, was die Bildung begünstigt. Auch die Zunahme von Wasservögeln wie Nilgänsen ist aufgrund deren Ausscheidung und damit Überdüngung der Gewässer schon mit dem Blaualgenwachstum in Verbindung gebracht worden. Ein Ammoniakgeruch, der vom Wasser ausgeht, ist ein Anzeichen des Blaualgenbefalls.

Nicht der erste Fall in der Region in diesem Jahr

In diesem Sommer war zum Beispiel wegen eines Blaualgenbefalls der Badesee bei Plüderhausen im Rems-Murr-Kreis gesperrt. 2020 hatte es den Max-Eyth-See in Stuttgart getroffen. Im Sommer 2020 waren laut dem Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg von den 316 offiziellen Badestellen an den Seen im Land 14 von einem Blaualgenbefall betroffen. Im Jahr 2021 waren es elf der 316 überwachten Gewässer.




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