Selbsttest: Bonpflicht Zehn Eier und (k)einen Kassenzettel, bitte!

Von Emily Scholl 

Bäckerei, Kiosk oder Marktstand: Wo gibt es den Zahlungsbeleg auch ohne Nachfrage? Die Ergebnisse sind sehr unterschiedlich.

Für jedes Brötchen und Croissant gibt es jetzt einen Kassenbon. Foto: factum/Simon Granville
Für jedes Brötchen und Croissant gibt es jetzt einen Kassenbon. Foto: factum/Simon Granville

Leonberg - „Guten Morgen, zehn Eier bitte, aber ohne Zettel!“, begrüßt eine Kundin auf dem Leonberger Wochenmarkt auf dem Festplatz Steinstraße eine Verkäuferin, die gerade damit beschäftigt ist, eine meterlang bedruckte Rolle Kassenbons zu entsorgen. Ein Szenario, das seit Anfang Januar in den Läden und auf Märkten in ganz Deutschland zu beobachten ist. Doch was steckt dahinter?

Seit Beginn dieses Jahres gilt die sogenannte Bon-Pflicht. Die neue Regelung verpflichtet die Verkäufer, dem Kunden bei jeder Transaktion einen Kassenbon auszudrucken. Der Kunde muss diesen allerdings nicht mitnehmen. Ziel ist es, die Steuertransparenz zu stärken und eine mögliche Steuerhinterziehung zu vermeiden. Mit der elektronischen Aufrüstung sollen die neuen Kassensysteme fälschungssicher werden. Doch die neue Regelung stößt sowohl bei den Händlern als auch bei den Kunden auf Unverständnis. Wir als Leonberger Kreiszeitung haben im Selbstversuch getestet, wie Ladenbesitzer und Markstandbetreiber in Leonberg damit umgehen.

„Für mich ist es nicht schlimm“

„Für mich ist es nicht schlimm, es ist ja eigentlich gut für die Kunden“, erklärt Ali Karakoc, Verkäufer eines Feinkoststandes auf dem Leonberger Wochenmarkt. Trotzdem berichtet der Händler, dass er die meisten Einkaufszettel selber entsorgen muss. Kaum ein Kunde möchte den Bon mitnehmen, die Mitarbeiter bleiben auf den bedruckten Zetteln sitzen und müssen sie selbst entsorgen. Besonders bei kleineren Einkäufen, wie zum Beispiel beim Bäcker, würde kaum ein Kassenzettel angenommen. Die Bons landen direkt im Müll. Eine vermeidbare Umweltverschmutzung, wie viele meinen.

Grund dafür: Die Kassenbons können nicht recycelt werden. „Das ist ja alles Restmüll, weil die Bons nicht aus normalem Papier sind, sondern aus Thermopapier“, erklärt Jasmin Riethof, Verkäuferin einer Bäckerfiliale in Leonberg. Sie erzählt: „Wir sind eigentlich nur noch am Zettel einsammeln, die fallen vor die Theke, hinter die Theke, überall hin. Für die Umwelt ist das Schwachsinn!“ Gerade in der heutigen Zeit sei es angesichts der Klimaerwärmung wichtig, umweltbewusster zu handeln. „Überall schaut man, dass man weniger Müll produziert, das Umweltbewusstsein steigt und dann so was“, berichtet auch eine empörte Verkäuferin des Wochenmarkts. Fest steht: Für die Mehrheit der Händler ist die Regelung klimatechnisch gesehen nicht vertretbar.

Keine Bonpflicht bei offener Kasse

Dazu kommt, dass sich für viele Händler die Frage stellt: Wie soll ich einen Kassenbon ausdrucken, wenn ich keinen speziellen Drucker dafür habe? Wichtig, gerade für Markstandbetreiber, ist, dass es keine Pflicht für elektronische Kassen gibt. Viele nutzen eine so genannte offene Ladenkasse, was weiterhin erlaubt ist. Hier besteht die Bonpflicht nicht. Allerdings muss täglich ein Kassenbericht geführt werden. Und auch hier hat das Finanzamt das Recht, unangekündigt eine Kassen-Nachschau einzufordern.

Dabei kann nicht nur die Anschaffung der benötigten Geräte teuer werden, sondern vor allem die Thermopapierrollen selbst. „An zwei Verkaufstagen wird eine ganze Rolle verbraucht. Das sind mehrere hundert Zettel pro Tag – und wir sind ja nur eine kleine Filiale“, berichtet die Verkäuferin Jasmin Riethof. Angesichts des hohen Verbrauchs werde das die Händler auf lange Sicht teuer zu stehen kommen.

Doch nicht nur bei den Verkäufern stößt die Bon-Pflicht auf Empörung. Auch die Kunden reagieren mit Unverständnis. „Ich habe bis jetzt noch keinen Kunden erlebt, der das positiv aufgegriffen hat“, beteuert Jasmin Riethof und fügt hinzu: „Ich bin gespannt, wie es weitergeht, dadurch, dass es so viele Beschwerden gibt.“