Seltsames Holzteil in Herrenberg Bretter, die ein Rätsel bedeuten

War das ein Schrank, eine Holzvertäfelung oder sonst was? Im Stadtarchiv herrscht Rätselraten. Foto: Simon Granville
War das ein Schrank, eine Holzvertäfelung oder sonst was? Im Stadtarchiv herrscht Rätselraten. Foto: Simon Granville

Was ist das für ein Brett? Wer hat es gebaut und vor allem, wo ist es her? Die Stadt Herrenberg hat ein rätselhaftes Holzpaneel gefunden. Beinahe wäre das Brett auf dem Flohmarkt gelandet. Jetzt sucht die Stadt alte Fotos von der Spitalkirche.

Esslingen: Ulrich Stolte (uls)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Herrenberg - Mysteriös ist die die Sache schon: Ein gut gekleideter älterer Herr sei es gewesen, der beim Ausverkauf des Böblinger Stadtmuseums die Hand gehoben hatte. Das war im November gewesen, als das Depot im so genannten Fruchtkasten unter den Hammer kam, weil der Fruchtkasten, der alte Getreidespeicher der Stadt, umgebaut werden soll.

Ob sie wüssten, dass dies ein Teil der Herrenberger Spitalkirche sei, das dort feilgeboten würde, habe der ältere Herr gesagt, was die Verantwortlichen veranlasste, das Holzpaneel schnell wieder zurück zu tragen. Und da liegt es nun: Ein Holzpaneel mit schönen geschnitzten Ornamenten, teilweise weiß lackiert und keiner weiß genau, woher oder wohin damit.

Aus der Zeit um 1800

Man weiß weder, was es ist, noch wo es gestanden hat. Vom Aussehen her schätzen es die Experten auf die Zeit um 1800. Der gut gekleidete Herr vom Ausverkauf habe sich als Vorgänger von Eberhard Feucht, dem Herrenberger Dekan, vorgestellt, berichtet die Architektin Jessica Dubovski, die das Projekt Fruchtkasten steuert.

Eberhard Feuchts Vorgänger, Klaus Homann, streitet zwar nicht ab, ein älterer Herr zu sein und zuweilen auch gut gekleidet, er ist sich aber ganz sicher, dass er an dem fraglichen Tag nicht in Herrenberg war. Er wohnt in Radolfzell am Bodensee, wo er seinen Ruhestand genießt. Vom Stil her ist er sich allerdings ganz sicher, dass das Paneel aus der Spitalkirche stammt. Wenn es etwa ein Teil eines Schrankes gewesen ist, dann müsste es wohl in der Sakristei gestanden haben, vermutet er. Denn in diesem Raum einer Kirche bereiten sich die Pfarrer auf den Gottesdienst vor und ziehen ihre Messgewänder an.

Hingestellt und einfach vergessen

Er verweist auf den hoch angesehenen Wissenschaftler und ehemaligen Stadtarchivar Roman Janssen, der das Museum in Herrenberg mit aufgebaut hat. Auch er gibt zu, ein älterer Herr zu sein, aber auch er war nicht beim Ausverkauf des Stadtmuseums anwesend. Er erinnert sich, dass das Stadtmuseum einen Schrank aus der Spitalkirche besaß, vermag aber zu nicht sagen, ob dieses Paneel ein Teil davon ist. Offensichtlich ist das Teil in den Inventarlisten nicht verzeichnet, denn der Historiker Michael Weber, der zuletzt den Fruchtkasten unter die Lupe genommen hatte, konnte mit dem Paneel nichts anfangen. Die ausführlichste Dokumentation hatte wiederum Roman Janssen in den achtziger Jahren in Zusammenarbeit mit dem Württembergischen Landesmuseum unternommen, sowie drei wissenschaftlichen Mitarbeitern, doch scheint das Paneel darin nicht aufgeführt zu sein.

„Wir nehmen an, es wurde Ende der 30er Jahre dort hingestellt und einfach vergessen“, sagt Jessica Dubovski, Doch Roman Janssen weiß, auch sein Vorgänger im Stadtarchiv, Traugott Scholz, habe Inventarlisten geführt. Sie seien stets in den Anhängen der Jahresberichte des Stadtarchivs aufgeführt worden, berichtet er.

Denn nicht nur der Fruchtkasten hat lange Zeit ein stiefmütterliches Dasein geführt, auch die Spitalkirche innerorts war gegenüber der bekannten Herrenberger Stiftskirche stets wenig beachtet gewesen und diente als Winterkirche und als Ausweichort, wenn denn die Stiftskirche geschlossen hatte.

Archiv sucht alte Fotos

Um mehr über das Paneel herauszufinden, hat die Stadt Herrenberg jetzt eine Bürgeraktion gestartet: sie sucht Bilder aus der Zeit vor 1938, die das Innere der Spitalkirche zeigen, auf denen das Holzelement vielleicht zu sehen ist. Solche Bilder wurden vielleicht bei Taufen, Konfirmationen oder Hochzeiten aufgenommen, oder vielleicht kann sich jemand noch an das Paneel erinnern und den Forschern weiterhelfen. „Wer Familienalben aus dieser Zeit hat, den bitten wir, mit uns auf die Suche nach dem Holzelement zu gehen und so ein kleines Stück Herrenberger Geschichte zu füllen“, mit diesen Worten ruft Jessica Dubovski zur Mithilfe auf.




Unsere Empfehlung für Sie