Serie: Eisenbahngeschichte(n) im Landkreis Göppingen (Teil 5) In Donzdorf steht ein Waggon im Garten

Von Lena Hummel 

Die Bahn und das Filstal: Wir blicken zurück, wie das neue Buch „Von Zeiten und Zügen“ – sowie ins Hier und Jetzt. Im fünften Teil geht es um die Nebenstrecke Süßen-Weißenstein.

Der Donzdorfer Bahnhof war die wichtigste Station  der Lautertalbahn. Foto: Kreisarchiv
Der Donzdorfer Bahnhof war die wichtigste Station der Lautertalbahn. Foto: Kreisarchiv

Kreis Göppingen - Die Bushäuschen in der Donzdorfer Poststraße sehen aus wie andere auch, Tafeln im Inneren zeigen an, welche Buslinien dort halten. Auf den Haltestellenschildern, die schon aus großer Entfernung zu sehen sind, prangt neben dem Buchstaben „H“ der Name der Station: „Bahnhof“. Dieser Name hat historische Gründe, denn Züge oder Eisenbahnschienen sind weit und breit nicht zu sehen. Mit einer Ausnahme: Im Garten des Gebäudes in der Poststraße 45 steht ein Waggon auf Gleisen, die allerdings kaum länger sind als der einsame Eisenbahnwagen selbst.

Der alte Wagen erinnert daran, dass Donzdorf einst an ein Schienennetz angebunden war. Das Haus in der Poststraße 45, in dem sich heute ein Café befindet, ist das alte Bahnhofsgebäude. Der Donzdorfer Bahnhof war eine von vier Zwischenstationen der Lautertalbahn, die Süßen und Weißenstein verband und als Stichbahn von der Filstalbahn zwischen Stuttgart und Ulm abzweigte. Neben Süßen, Donzdorf und Weißenstein machte sie in Winzingen, Grünbach und in Nenningen Halt.

Der Faschingssonntagsumzug in Donzdorf war eine Ausnahme

Die Bahn, die im Jahr 1901 ihren Betrieb aufnahm, war nicht nur die erste Nebenbahn, die nach der Hauptbahn Stuttgart-Ulm im heutigen Landkreis Göppingen eröffnet wurde. Die Strecke war auch die erste im Landkreis, die mit den württembergischen Einheitsbahnhöfen ausgestattet war – die Staatsbahn hatte für ihre Strecken drei unterschiedliche Einheitsgebäude entworfen: Donzdorf und Nenningen erhielten Gebäude vom großen, Nenningen vom kleinen Typ. Verkehrstechnisch war der Bahnhof Donzdorf die wichtigste Station der Nebenbahn. Pendler ins Filstal, aber auch Fahrgäste, die bis Esslingen, Obertürkheim oder Stuttgart fuhren, nutzten das Verkehrsmittel; auch der Güterverkehr entwickelte sich gut.

Doch nur 68 Jahre nach Eröffnung der Nebenstrecke wurde der Personenverkehr zwischen Donzdorf und Weißenstein wieder eingestellt. Und zwischen Süßen und Donzdorf fuhren 1980 die letzten regulären Personenzüge. Der Güterverkehr konnte sich noch bis 1981 halten, bevor die Strecke bis Grünbach verkürzt wurde. Im Jahr 1989 wurde schließlich auch der Güterverkehr zwischen Donzdorf und Grünbach eingestellt; zwischen Süßen und Donzdorf endete der Transport von Gütern dann mit der Gesamtstilllegung im Jahr 1995. Obwohl der reguläre Personenverkehr auf der Strecke also schon früh keine Rolle mehr spielte, fuhren zwischen Süßen und Donzdorf bis 1995 Sonderzüge, die Anhänger der fünften Jahreszeit am Faschingssonntag zum Donzdorfer Umzug brachten.

Busse bedienen die Strecke

Inzwischen sind die Gleise abgetragen, und die ehemalige Bahntrasse wird – mit Ausnahme weniger Abschnitte – als Radweg genutzt. Die Strecke Süßen-Weißen­stein wird heute von Bussen bedient. Der Citybus 970 fährt zwischen Süßen und Donzdorf. Die Buslinie 7688 startet in Göppingen und fährt über Süßen und Donzdorf weiter nach Grünbach, Nenningen, Weißenstein, Steighof und Böhmenkirch. Winzingen wird ausgespart und stattdessen von der Linie 7689 angefahren, die in Süßen startet, in Donzdorf Halt macht und – mit Zwischenstation in Reichenbach unter Rechberg – bis Wißgoldingen fährt.




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