Serie über Fellbachs Sportler(innen) Der letzte Tanz auf dem Basketball-Parkett

Von Maximilian Hamm 

Großartige Erfolge, großartige Momente: Fellbachs Sportler(innen) haben in den vergangenen Jahrzehnten viel erlebt. Wir wollen ihre Geschichte und ihre Geschichten wieder aufleben lassen. Heute: die Frauen des SV Fellbach in der zweiten Bundesliga.

Aufstieg in die zweite Bundesliga im Mai 2013: Die Fellbacher Basketballerinnen um ihre Trainerin Iuliana Miulescu jubeln hier noch – vor ihrer finalen Saison. Foto: Maximilian Hamm
Aufstieg in die zweite Bundesliga im Mai 2013: Die Fellbacher Basketballerinnen um ihre Trainerin Iuliana Miulescu jubeln hier noch – vor ihrer finalen Saison. Foto: Maximilian Hamm

Fellbach - Als die Basketballer der Chicago Bulls sich nach der fünften Meisterschaft in den 1990er Jahren auf die neue Saison vorbereiteten, bekamen sie von ihrem Trainer Phil Jackson ein Buch in die Hand. Der Titel: „The Last Dance“ – Der letzte Tanz. Die Spielzeit 1997/1998 sollte die letzte sein dieser so erfolgreichen Mannschaft um ihren Superstar Michael Jordan in der nordamerikanischen Profiliga NBA.

Der Charakter des Teams war bestimmt von einer Mischung aus Familie und Freundeskreis

Der Coach wusste es, und spätestens nach diesem außergewöhnlichen Geschenk ahnten es auch die Spieler; das wurde spätestens in der jüngsten TV-Dokumentation deutlich. Vom Trainer Damir Mandir ist nicht bekannt, dass er Bücher an seine Spielerinnen verteilt hätte; damals, im Sommer 2008, als die Basketballerinnen des SV Fellbach sich auf ihr zweites Jahr in der zweiten Bundesliga vorbereiteten. Und dennoch schwebte ein Hauch von Abschiedsstimmung durch die Gäuäckerhalle I, da war dieses Fellbacher „Last-Dance-Element“, wie es die damalige Kapitänin Eileen Mandir, 38, heute bezeichnet.

Anfang dieses Jahrtausends, noch unter ihrem Mädchennamen Hipp, formte sie gemeinsam auch mit Aleksandra Gulan ein Team, das von der Landesliga bis in die Regionalliga aufstieg. Es kamen jedes Jahr neue Spielerinnen dazu, doch der Charakter des Teams blieb erhalten – er war bestimmt von einer Mischung aus Familie und Freundeskreis. „Wir haben gegen bessere Teams gewonnen und gemerkt, was es ausmachen kann, wenn sich bei uns jede für die andere einsetzt. Mit mäßigem Talent haben wir alles rausgeholt“, sagt Eileen Mandir. Doch mit jedem Schritt nach oben stiegen auch die Anforderungen an die Spielerinnen und an die Organisation. Als dem Fellbacher Verbund im Mai 2007 mit Spielerinnen wie Claudia Frank, Claudia Michelmann oder auch Panajota Apoultsi der Aufstieg in die zweite Bundesliga gelang, war Eileen Mandir umgehend klar, dass sich auch das Teamgefüge entscheidend verändern würde.

Nach dem Ligaverbleib, verpflichteten die Basketball-Verantwortlichen Kristina Klapperich

In der ersten Saison kamen unter anderen Bianca Steidle (heute Steidle-Vidacak) und Reka Mihalca, die zur treffsichersten Spielerin des Aufsteigers wurde. Nach dem Ligaverbleib, „einem kleinen Sportwunder“ (Eileen Mandir), verpflichteten die Fellbacher Basketball-Verantwortlichen die US-Amerikanerin Kristina Klapperich. „Doch da hatte sich die Magie im Team bereits verändert. Trotz allem war dies eine interessante Lebenserfahrung“, sagt Eileen Mandir, die sich nach dem Abstieg berufsbedingt und aufgrund von andauernden Kniebeschwerden zurückzog. Auch Aleksandra Gulan verließ das Team. Stefanie Kasper, die beste Verteidigerin und mit einem enormen Kampfgeist versehen, war schon im Jahr zuvor gegangen. „Sie hatte für den Teamgeist gestanden, der uns ausgemacht hat“, sagt Eileen Mandir. Und im Januar 2009 verabschiedete sich auch der Trainer Damir Mandir nach den zahlreichen erfolglosen Auftritten in dieser zweiten Bundesliga. Es war das Ende eines erfolgreichen Jahrzehnts, in dem die Fellbacher Basketballerinnen ihren Sport zumeist auf einem hohen Niveau präsentiert hatten.

Von der Formation, die in der Saison 2007/2008 in die zweite Bundesliga gestartet war, sind dann nur einzelne Spielerinnen übrig geblieben. Eine von ihnen sollte den nächsten Erfolgslauf beim SV Fellbach prägen. Bianca Steidle-Vidacak, 35, schaffte es zunächst gemeinsam mit dem Abteilungsleiter Giuseppe Costanzo – nach den Regionalliga-Jahren mit stetigen Personalsorgen – im Frühjahr 2011 den Verbund mit großem Engagement vor der Auflösung zu bewahren.

Die Leichtigkeit war den Fellbacherinnen abhandengekommen

Dann zeigte die Formkurve des Teams wieder nach oben. Zur Saison 2012/2013 kam in Iuliana Miulescu eine erfahrene Trainerin, mit der umgehend der Aufstieg in die zweite Bundesliga gelang. Mit Spielerinnen wie Sara Oszfolk (heute Schubitschew), Yvonne Costanzo (ehemals Stumpf), Katarina Fofic (heute Dugandzic), Michelle Allotey, Anne Trache, den Zwillingen Julia und Katrin Wultschner oder auch der Kanadierin Lauren Mortier. Doch der Sprung in die zweithöchste deutsche Spielklasse war im Team umstritten, nicht alle waren begeistert ob der anstehenden Aufgaben. Allen voran zweifelte die Kapitänin Bianca Steidle-Vidacak. Sie wusste, was auf die Spielerinnen zukommen sollte. „Es war mir gleich klar, dass wir mit dieser Einstellung und diesem Teamgefühl nicht in dieser Liga bestehen würden.“ Und so bröckelte das Gebilde langsam dahin. Es fehlte eben auch das nötige Personal, das die oftmals hohen Niederlagen hätte verhindern können. Die Leichtigkeit war den Fellbacherinnen abhandengekommen. „Wir hatten nichts vom ersten Aufstieg gelernt und sind zu blauäugig rangegangen“, sagt Bianca Steidle-Vidacak heute.

Das finale Saisonspiel im März 2014 war nicht nur das letzte in der zweiten Bundesliga – es ist bis heute der letzte Auftritt von Basketballerinnen des SV Fellbach. Von der zweiten Bundesliga ins Nichts. Es war sozusagen der letzte Tanz auf dem Fellbacher Basketball-Parkett. Und es war absehbar. Wie damals das Ende der famosen Mannschaft um den Superstar Michael Jordan, die sich nach dem Gewinn der sechsten Meisterschaft in den 1990er Jahren auflöste.




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