Serien-Tüv „Escape at Dannemora“ Was taugt Ben Stillers Ausbrecherserie?

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Zwei Mörder, eine Knastangestellte, ein Sexskandal und eine Ausbruchsstory: Unser Schnelltest verrät, ob es sich lohnt, sich auf Ben Stillers TV-Serie „Escape at Dannemora“ mit Patricia Arquette, Benicio del Toro und Paul Dano einzulassen.

Kaum wiederzuerkennen: Patricia Arquette als Fluchthelferin. Foto: Showtime/Sky 19 Bilder
Kaum wiederzuerkennen: Patricia Arquette als Fluchthelferin. Foto: Showtime/Sky

Stuttgart - Lohnt sich das Einschalten? Heute im Schnelltest: die erste Episode des achtteiligen Ausbrecherdramas „Escape at Dannemora“

Die Story in zwei Sätzen Die Mörder Richard Matt (Benicio del Toro) und David Sweat (Paul Dano) sitzen lebenslänglich in der US-Haftanstalt von Dannemora in der Nähe der kanadischen Grenze ein. Sie beginnen mit Tilly Mitchell (Patricia Arquette), einer Angestellten der Gefängnisschneiderei, eine Dreiecksbeziehung und planen einen spektakulären Ausbruch.

Wer denkt sich denn so etwas aus? Das wahre Leben. Der Fall hielt 2015 die US-amerikanische Öffentlichkeit in Atem. Die Serie folgt penibel der Chronologie der Ereignisse. Sogar die Verhörprotokolle haben es ins Drehbuch geschafft.

Stars ganz anders, Teil 1Ben Stiller ist dieser ulkige Typ aus „Verrückt nach Mary“ und „Nachts im Museum“. Als Regisseur von „Escape at Dannemora“ macht er Schluss mit lustig.

Stars ganz anders, Teil 2 Echt jetzt, das soll Patricia Arquette sein? Die Oscargewinnerin („Boyhood“) versteckt sich in der Serie hinter einem gewaltigen Busen, spielt eine Hinterwäldlerin mit speckiger Haut, strähnigem Haar und gequetschter Stimme.

Die Songs des Tages Folkrock bestimmt den Tonfall der Serie: „From the Beginning“ von Emerson, Lake & Palmers rahmt die Episode ein. Und wenn Tilly Mitchell frühmorgens zur Arbeit fährt, hört sie Bob Dylans „Girl from the North Country“ .

Die Sexszene des Tages „Mr. Sweat, könnten Sie mir kurz im Maschinenraum helfen?“, fragt Tilly. Er folgt ihr, schließt ab, stellt sich hinter sie. 55 Sekunden später hat er seine Hose wieder an.

Die Cineasten-Szene des Tages Viereinhalb Minuten dauert dagegen eine Verhörszene, die ohne Schnitte auskommt. Filmexperten nennen das Plansequenz. Im Zeitlupentempo umkreist dabei die Kamera Arquette und kommt schließlich in ihrem Gesicht zum Stillstand.

Die Frage des Tages „Werde ich jetzt meinen Job verlieren?“, will Mitchell wissen, als längst raus ist, dass sie mit Matt und Sweat Sex hatte und den beiden bei der Flucht geholfen hat.

Die etwas andere Touristenattraktion Wenn Tilly und ihr Mann Spaß haben wollen, besuchen sie das War-of-1812-Museum in Plattsburgh, New York.

Die Kritik in drei Sätzen Die Darsteller sind großartig: Während Patricia Arquette ihrer Figur eine wunderbare Tumbheit, aber auch stille Verzweiflung schenkt, ahnt man bei Paul Danos und Benicio del Toros Darstellung von Sweat und Matt auch dann, wenn sie gerade über das Leben philosophieren, mit Mitchell flirten oder Neuankömmlingen kluge Ratschläge geben, dass in ihnen Schwerverbrecher lauern. Ben Stiller inszeniert einen schrullig-düsteren, aber etwas zähen Thriller – irgendwo zwischen „Fargo“ und „Die Verurteilten“.

Binge-Watching-Faktor Die erste Episode von „Escape at Dannemora“ macht nicht wirklich süchtig. Und dass Google schon seit drei Jahren weiß, wie die Geschichte ausgehen wird, ist nicht gerade hilfreich.

Gesamtnote 3

Ausstrahlung ab Mittwoch, 19. Dezember, immer in Doppelfolgen auf Sky Atlantic sowie auf Abruf über Sky Ticket