Der frühere Wasserspringer Jan Hempel hat schwere Vorwürfe gegen den Deutschen Schwimm-Verband erhoben. Im Fokus steht dabei sein ehemaliger Trainer.

Der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) sieht sich schweren Vorwürfen zum Umgang mit sexuellem Missbrauch ausgesetzt. Der viermalige Wassersprung-Europameister Jan Hempel (50), Olympia-Silbermedaillengewinner 1996, hat in der ARD-Dokumentation „Missbraucht – Sexualisierte Gewalt im deutschen Schwimmsport“ (Samstag, 22.40 Uhr) einen langjährigen Trainer schwer belastet. 

Missbrauch auch während den Olympischen Spielen

„Ich bin von meinem Trainer missbraucht worden. Er hat eigentlich keinen Zeitpunkt ausgelassen, um seinen Wünschen freien Lauf zu lassen“, sagte Hempel. 14 Jahre lang, ab Hempels elftem Lebensjahr, habe sich ein Trainer zeitweise täglich an ihm vergangen, unter anderem während der Olympischen Spiele 1992 in Barcelona, unmittelbar vor einem Wettkampf.

Laut Hempel, der nach eigener Darstellung die Verbandsspitze 1997 von den Vorgängen unterrichtet hatte, hat sich der DSV nie substanziell mit den Vorwürfen auseinandergesetzt. „Alle haben geschwiegen, bis heute“, sagte Hempel. Der DSV kündigte am Donnerstag auf SID-Anfrage eine Stellungnahme an.

Auch andere Betroffene berichten

Bei Hempel ist eine beginnende Alzheimererkrankung diagnostiziert worden. Er habe Details über den Missbrauch aufgeschrieben, „jetzt kann ich mich noch daran erinnern.“ Deshalb wolle er nicht mehr schweigen: „Ich glaube, man ist es anderen auch für die Zukunft schuldig, dass man darüber spricht.“ 

Weitere Betroffene berichten in dem ARD-Film über verschiedene Fälle und Ausprägungen der sexualisierten Gewalt im deutschen Schwimmsport. Manche Begebenheiten reichen bis in die jüngste Vergangenheit.