SG Kickers/Sindelfingen Keine Handballbundesliga in Stuttgart

In der nahen Zukunft werden in der Scharrena-Sporthalle vorerst kein Profi-Handballspiele stattfinden. Foto: Stuttgarter Zeitung online
In der nahen Zukunft werden in der Scharrena-Sporthalle vorerst kein Profi-Handballspiele stattfinden. Foto: Stuttgarter Zeitung online

Auch in diesem Jahr wird es in Stuttgart keine erste Handball-Bundesliga geben. Die Betreibergesellschaft der Sporthalle Scharrena ist pleite.

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Stuttgart - Auch in diesem Jahr wird es in Stuttgart keinen Regelspielbetrieb der ersten Handball-Bundesliga geben. Wegen einer Pleite ist bereits die dritte Mannschaft in fünf Jahren Geschichte: Anderthalb Wochen vor dem ersten Heimspiel der SG Kickers/Sindelfingen, ein Kind des Stuttgarter Immobilienunternehmers Jürgen Hollenbach, in der neuen Sporthalle Scharrena hat die Betriebsgesellschaft HSM GmbH Insolvenz angemeldet.

Schon viel länger beschäftigt sich allerdings die Staatsanwaltschaft mit Vorgängen in der Firma: Eine Sprecherin teilte auf StZ-Anfrage mit, man ermittle bereits seit Anfang Januar wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung. Hollenbach ist nach eigener Aussage erst am 28.Januar mit 18,46 Prozent eingestiegen.

Mehrheitseigner ist nach wie vor der VfLSindelfingen, unter dessen Dach die Frauenmannschaft bisher spielte. Stuttgarts Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann ist nach eigenen Angaben vor wenigen Tagen als Hausherrin der Sporthalle von Hollenbach über die Insolvenz informiert worden. Dass sich die Staatsanwaltschaft seit Längerem mit der Materie beschäftigt, habe sie nicht gewusst. Die HSM hat vorgestern in einer per Hollenbach-Fax verschickten Mitteilung über den Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens informiert. In dem Schreiben wurde Wert auf die Feststellung gelegt, dass trotz der guten Leistungen der Handballfrauen die für den Geschäftsbetrieb verantwortliche HSM in der Vergangenheit alles andere als wirtschaftlich erfolgreich gewesen sei.

Insgesamt geht es um 300.000 Euro

Hollenbach, der auch die Männermannschaft der Stuttgarter Kickers finanziell unterstützt und bis in die dritte Bundesliga führte, habe zum Jahreswechsel 2010/2011 als Investor einspringen müssen, damit überhaupt der Spielbetrieb habe fortgesetzt werden können. Bis zu 200.000 Euro sollen dafür notwendig gewesen sein.

Vor wenigen Tagen sind dann aber laut Pressemitteilung "bisher unbekannte Unregelmäßigkeiten im Lohnbereich" aufgetaucht, die ihren Ursprung im Zeitraum zwischen 2008 und 2010 hätten. Hollenbach betont, das sei vor seiner Zeit gewesen. Es geht wohl um rund 300.000 Euro.

Der damalige Hauptgesellschafter VfL Sindelfingen teilte gestern in einer dürren Mitteilung mit, er bedauere das Ende des Bundesliga-Spielbetriebs. "Für die operativen Prozesse und damit auch für die ordnungsgemäße Abführung von Lohnsteuern und Sozialabgaben war und ist ausschließlich die rechtlich selbstständige HSM GmbH verantwortlich". Der Verein könne daher "hierzu keine substantivierten Aussagen machen". Man sei von der Entwicklung finanziell und strukturell nicht betroffen.

Kein Glück mit Handballteams

In dem genannten Zeitraum hat Jens Bermanseder die Geschäfte geführt, weshalb sich die Staatsanwaltschaft vor allem für ihn sowie für die involvierten VfL-Verantwortlichen interessieren dürfte. Offenbar war ein Defizit erst aufgetreten, nachdem der VfL einen Steuerberater mit der Prüfung der Bücher beauftragt hatte. Bermanseder war dann zurückgetreten.

Es ist in medialen Randsportarten wie Handball, vor allem in ihrer Spitze, häufig schlechter Brauch, die mangels Sponsoren unterfinanzierten Etats zu entlasten, indem Spieler nicht ordnungsgemäß angemeldet oder scheinbeschäftigt werden, um Sozialversicherungsabgaben zu sparen. Spektakuläre Prozesse wie jene gegen Verantwortliche der TSG Ludwigsburg-Oßweil sind noch in Erinnerung.

Die Sportverwaltung hat bisher kein Glück gehabt, Handballteams in ihren Hallen zu etablieren: 2006 meldete der Zweitligist VfL Pfullingen Insolvenz vor dem ersten Spieltag an. Ein Jahr später scheitere der Versuch, die SVK Salamander in der Porsche-Arena spielen zu lassen. Für diese Insolvenz interessierte sich die Staatsanwaltschaft auch. Hollenbach sagte, der Spielbetrieb seiner Drittligamänner, die unter HV Kickers antreten, finde wie geplant in der Scharrena statt. Und die nach dem Zwangsabstieg dann fünftklassigen Frauen sollen zumindest an den geplanten Doppelspieltagen die Atmosphäre in der 2000er-Halle genießen können.




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