Sheep View statt Google Street View Wieso Schafe die Färöer-Inseln filmen

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Die Färöer-Inseln sind bisher ein weißer Fleck auf der Google-Street-View-Karte. Deshalb nehmen die Menschen dort ihr Schicksal jetzt selbst in die Hand – mit Hilfe von Schafen.

Durita Dahl Andreassen will die Färöer weltweit bekannt machen – durch „Sheep View“. Foto: visitfaroeislands.com 6 Bilder
Durita Dahl Andreassen will die Färöer weltweit bekannt machen – durch „Sheep View“. Foto: visitfaroeislands.com

Stuttgart - Im Jahr 2016 ist die ganze Welt von Google Street View kartografiert. Die ganze Welt? Nein, eine kleine Inselgruppe leistet dem Internetgiganten Widerstand. Wobei – Widerstand ist eigentlich falsch, denn die Bewohner der Färöer-Inseln würden liebend gern zur Street-View-Familie gehören. Nur der Konzern will das offenbar nicht. Nicht ein einziges Street-View-Auto sei bisher über die Inseln gekurvt, sagen sie.

Für „Sheep View“ werden Schafen Kameras auf den Rücken geschnallt. Foto: visitfaroeislands.com

Deshalb nehmen die Fähringer ihr Schicksal jetzt selbst in die Hand – mit Hilfe von Schafen. Denn davon gibt es auf den Färöer-Inseln genug: 70.000 Exemplare der wolligen Street-View-Konkurrenten marodieren frei über die Inseln im Nordatlantik. Nicht umsonst bedeutet der Name Färöer übersetzt ursprünglich „Schafsinseln“.

„Sheep View“ statt Street View, so lautet das Konzept von Durita Dahl Andreassen. „Ich finde, die Färöer sind der schönste Ort der Welt“, sagt die gebürtige Fähringerin, die beim dortigen Tourismusbüro arbeitet und die Marketing-Kampagne mit verantwortet. „Es ist schade, dass ich ihn nicht mit meinen Freunden in Übersee teilen kann.“ Und natürlich geht es bei der Aktion, die in sozialen Netzwerken unter dem Hashtag #WeWantGoogleStreetView läuft, auch darum, den Tourismus auf den Inseln zwischen Island, den britischen Inseln und Norwegen anzukurbeln.

Schafe mit Kameras auf dem Rücken

Für „Sheep View“ stattete Andreassen einige Schafe mit einem Spezial-Geschirr aus, auf dem eine 360-Grad-Kamera befestigt ist, packte Solarmodule zur Stromversorgung dazu und verband das Ganze über ein Handy mit dem Internet. So können die Tiere die Bilder der rauen Landschaft direkt zu Andreassen ins Tourismusbüro übertragen. Um die Schafe müsse man sich dabei keine Sorgen machen, beruhigt Andreassen. „Sie scheinen die Ausrüstung kaum zu bemerken.“

Einige der so entstandenen 360-Grad-Fotos hat Andreassen bereits bei Google Street View hochgeladen. „Es funktioniert sehr gut bisher“, konstatiert sie. Zusätzlich dazu kann man auf der Internetseite des Färöer-Tourismusbüros oder in dessen Youtube-Kanal Videos anschauen, die ebenfalls vom Schafsrücken aus gefilmt wurden. Das ist ab und zu ein bisschen wackelig, hat aber einen gewissen Reiz, da man dabei ständig auch den wolligen Rücken und die wippenden Ohren der Schafe im Blick hat.

Den Youtube-Nutzern scheint es jedenfalls zu gefallen. Seit die Videos im Netz stehen, ist eines immerhin bis jetzt schon mehr als 275.000 Mal angesehen worden. Vielleicht ist es dann wohl nur eine Frage der Zeit, bis jemand von Google Street View die Clips sieht und eventuell doch mal ein Kamera-Auto auf die Inseln schickt.




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