Simos in Stuttgart Mitarbeiter genervt von Enge in Leitstellen

Ein Teil der Simos ist die Integrierte Verkehrsleitzentrale. Im Jahr 2006 wurde die Leitstelle für Sicherheit und Mobilität eingerichtet. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Ein Teil der Simos ist die Integrierte Verkehrsleitzentrale. Im Jahr 2006 wurde die Leitstelle für Sicherheit und Mobilität eingerichtet. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Rettungsleitstelle und die Verkehrsleitstelle in der Simos brauchen mehr Platz und neue Technik, auch bei der Feuerwehr nebenan ist es zu eng. Ist eine Lösung für alle drei Institutionen in Sicht?

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Stuttgart - Projekt Simos gescheitert?“ titelt eine Feuerwehr-Notiz der Betriebsgruppe Berufsfeuerwehr in der Gewerkschaft Verdi in der vergangenen Woche. Das Infoblatt macht seit einer Personalversammlung vergangene Woche die Runde. Und seither geht auch die Sorge um, dass die kommenden Jahre keine guten werden könnten für die Angestellten und Beamten, die in der Simos – der Leitstelle für Sicherheit und Mobilität Stuttgart – in Bad Cannstatt Dienst tun.

Denn in dem Schreiben ist von akutem Platzmangel und dringendem Verbesserungsbedarf der Technik die Rede. Die Feuerwehrleute und die Mitarbeiter in der Simos drängen auf einen Interimsbau auf dem Hof zwischen der Schaltzentrale, das so stabil ist, dass es für etwa zehn Jahre stehenbleiben kann – bis dahin wird sich auf dem Areal und den angrenzenden Grundstücken nämlich jede Menge tun.

Mehr Platz brauchen laut der Feuerwehrleute, so Verdi, sowohl die Integrierte Leitstelle der Rettungsdienste (ILS) als auch die Integrierte Verkehrsleitzentrale (IVLZ). Die ILS der Feuerwehr und des Rettungsdienstes laufe schon an der Belastungsobergrenze. Die Anforderungen und die Aufgaben seien gestiegen aufgrund des Bevölkerungszuwachses und des Mehraufkommens an Notrufen. Mehr Personal müsse dazukommen, dann sei es in der ILS definitiv zu eng. Ähnlich sehe es in der Verkehrsleitzentrale aus, die mit der ILS in der Simos sitzt. Sie leide ebenfalls unter großem Platzmangel. Mitarbeiter müssten sich dort täglich neue Arbeitsplätze suchen, landeten mitunter in Besprechungsräumen.

Ein Zentrum zur Tunnelüberwachung muss auch noch entstehen

Neue Aufgaben kommen hinzu. So müsse nun ein Tunnelüberwachungszentrum eingerichtet werden (TÜZ), das funktionieren müsse, sobald die Tunnel des Projektes Rosenstein freigegeben sind. Das brauche Platz. Deswegen halten die kritischen Feuerwehrleute eine von den Fachämtern bereits vorgelegte Möglichkeit für die beste: Diese sieht einen zweigeschossigen Modulbau vor. Der sei nicht nur für die Dauer der Erneuerungsarbeiten, die nun anstünden, nutzbar. Sondern auch darüber hinaus. Weil nicht nur die Simos eine Baustelle ist, sondern in den kommenden zehn Jahren auch die Feuerwache erneuert werden soll, sei ein Modulbau für rund 2,53 Millionen Euro eine gute Lösung. Denn selbst wenn die Lage in der Simos wieder entspannt sei, hätten die Nachbarn – die Feuerwehr – weiterhin Platzmangel. Dieser könne so bis zur Fertigstellung der Wache behoben werden.

Doch nun wundere man sich in Feuerwehrkreisen sehr. Und diese Kritik transportiert auch die zuständige Betriebsgruppe der Gewerkschaft Verdi: Die aus ihrer Sicht sinnvolle Lösung mit dem etwas länger haltbaren Interimsbau sei von den drei für Referate Finanzen, Tiefbau und Sicherheit zuständigen Bürgermeister „einfach weggewischt“ worden.

So sei es dann aber doch nicht, entgegnet man seitens der Stadtverwaltung. „Die Vorwürfe von Verdi treffen nicht zu“, sagt der Pressesprecher Sven Matis. Die Simos sei „eine einzigartige Leitstelle. Sie ermöglicht eine schnelle und koordinierte Reaktion auf jede Gefahrenlage“, so Matis weiter. Die Verwaltung setze auf eine moderne Leitstelle, „in der die Kollegen gute Arbeitsbedingungen vorfinden.“

Es stimme aber, dass die Simos in die Jahre gekommen sei, saniert und erweitert werden müsse. Die Verwaltung habe eine Lösung für das Simos – also für die Integrierte Leitstelle des Rettungsdienstes und der Feuerwehr und die Integrierte Verkehrsleitzentrale. Für diese soll ein Interimsbau auf dem Gelände entstehen. Aber an der sogenannten großen Lösung, die das Interim auch noch für die Feuerwache nutzbar mache, müsse man noch arbeiten. Ein Beschluss darüber soll wohl im ersten Quartal 2020 fallen.

Der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats habe das Thema zwar in Form eines Dringlichkeitsantrags am Montag noch einmal auf den Tisch bekommen. Aber es sei nicht behandelt worden. Noch würden Fakten fehlen, um über die große Lösung entscheiden zu können.

Bei Verdi und in Feuerwehrkreisen bleibt man skeptisch. „Das kann ja schon zu spät sein, das erste Quartal. Wo soll man denn so schnell Handwerker und Baufirmen herbekommen?“ fragt ein Feuerwehrmann. Eine Teillösung, die nicht gleich die Platzprobleme der Feuerwache mit löse, sei nicht ausreichend.




Unsere Empfehlung für Sie