Skandal um ADAC Der Absturz der Gelben Engel

Die Glaubwürdigkeit des ADAC ist schwer erschüttert. Foto: dpa
Die Glaubwürdigkeit des ADAC ist schwer erschüttert. Foto: dpa

Das Kernkapital des ADAC ist Glaubwürdigkeit. Die hat der Verein binnen weniger Wochen verspielt. Der Präsident Peter Meyer spricht schon von einer möglichen Ausweitung des Skandals – und kündigt Reformen an. Reicht das aus?

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München - Das Sündenregister des ADAC wächst unaufhaltsam. Es umfasst mittlerweile eine frisierte Wahl beim Autopreis und zweckentfremdete Flüge mit gelben Rettungshubschraubern sowie einem ADAC-Ambulanzjet, eine teure Villa und anrüchig gewordene Untersuchungen von Badegewässern. Am Freitag kamen neue Vorwürfe hinzu: Nach Recherchen des NDR-Magazins „Panorama“ und der Süddeutschen Zeitung spornt der ADAC offenbar seine Pannenhelfer zum Verkauf von Auto-Batterien an. Demnach erhielten die Mitarbeiter der Straßenwacht für den Austausch von defekten oder leeren Batterien eine Leistungsprämie.

Deutschlands mitgliederstärkster Verein versinkt immer tiefer im Manipulationsskandal um den Autopreis Gelber Engel und anderen Vorwürfen. Nun offenbarte der Clubpräsident Peter Meyer im hauseigenen Mitgliedermagazin „Motorwelt“, dass es noch schlimmer sein könnte als bisher bekannt. Bei der Abstimmung zum Lieblingsauto der Deutschen sei möglicherweise nicht nur die Zahl der Stimmen, sondern auch die Reihenfolge der Preisträger verändert worden.

Diese brisante Frage könne er nicht mit Gewissheit beantworten, räumte der 64-Jährige ein. Der mittlerweile gefeuerte ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter habe eingestanden, dass von ihm die Zahl der Stimmen, aber nicht die Reihenfolge der Preisträger verändert wurde. „Ob das der Wahrheit entspricht, soll die Untersuchung ans Licht bringen, mit der wir externe Prüfer federführend beauftragt haben“, erklärte Meyer.

Über die Gründe der Manipulation kann nur spekuliert werden

Bei diesen Prüfern handelt es sich um die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte. Sie nehmen alle Abstimmungskategorien seit Existenz des Gelben Engels 2005 unter die Lupe. Ergebnisse sollen in den nächsten Wochen vorliegen, heißt es beim Automobilclub. Was noch aufklärbar ist, bleibt offen, denn offenbar sind nicht mehr alle Abstimmungsunterlagen vorhanden. Die Ergebnisse waren exklusiv beim gefeuerten Ramstetter zusammengelaufen, der mutmaßlich Spuren verwischt hat.

Über die Gründe der Manipulation kann nur spekuliert werden. Die einen führen das übersteigerte Ego des ehemaligen Kommunikationschefs ins Feld. Lediglich 3409 Stimmen für das Lieblingsauto der Deutschen bei 19 Millionen Mitgliedern und einer Auflage der „Motorwelt“ von 14 Millionen, das passe nicht zum gewichtigen Vertretungsanspruch des ADAC in Autofragen. Bei einer Verzehnfachung der Stimmen sieht das schon anders aus. Andere sehen es nüchterner. Wenn durch ein mageres Abstimmungsergebnis belegt wird, dass die „Motorwelt“ offenbar kaum gelesen wird, brächte das vor allem ihre hohen Anzeigenpreise unter Druck.

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