Ski-Weltcup startet in Wengen Die Schweizer sind wieder wer

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Beim alpinen Weltcup in Wengen haben die Schweizer nicht nur Siegkandidaten am Start – das war nicht immer so.

Bissig und schnell: Daniel Yule Foto: AFP/Fabrice Coffrini
Bissig und schnell: Daniel Yule Foto: AFP/Fabrice Coffrini

Stuttgart - Daniel Yule ist ein Walliser, der zum Spaß auch mal einen Schottenrock trägt. In einer Bilderstrecke des Schweizer „Blick“ präsentiert sich der Skirennläufer unter anderem im karierten roten Rock mit einer Kuhglocke um die Hüften und einem Alphorn auf den Schultern. Die Schweiz ist als Einwanderungsland beliebt, und so trägt Yule, als Sohn schottisch-englischer Eltern geboren in der Walliser Stadt Martigny, zwei Nationen in seiner Brust. Er ist natürlich Brite – aber vor allem zurzeit einer der großen Sportstars der Schweiz.

Ein bisschen hat das British Empire also seinen Anteil daran, dass die Schweizer Ski-Gemeinde in dieser Saison so guter Dinge ist wie lange nicht mehr. Yule gewann zuletzt den Slalom in Adelboden und entfachte damit im Alpenland eine traumhafte Euphorie. Er war der erste siegreiche Eidgenosse am Chuenisbärgli seit 2008. Dazu belegte sein Schweizer Kollege Ramon Zenhäusern den ausgezeichneten vierten Rang und Loic Meillard rundete als Neunter das starke Ergebnis ab. Nun ruhen die Hoffnungen im Slalom von Wengen an diesem Wochenende natürlich wieder auf den Schweizer Stangenkünstlern, allen voran Daniel Yule, der Anfang Januar schon in Madonna di Campiglio gewann.

Es läuft prächtig

„Es läuft echt gut“, sagt Walter Reusser, der Sportdirektor des Swiss-Teams, und ist hoch zufrieden. Vor wenigen Jahren war bei den Schweizern eher Ebbe angesagt, außer dem kleinen, bulligen Abfahrer Beat Feuz und der Ski-Beauty Lara Gut sorgten nur wenige Rennläufer aus dem Alpenland für Topergebnisse. Das ist jetzt anders, auch bei den Frauen. Zuletzt beim Nachtslalom in Flachau wurde Wendy Holdener starke Vierte, zuvor belegte sie in Altenmarkt Zauchensee Platz zwei in der Kombination, aber am besten war: die Abfahrt gewann ihre Schweizer Teamkollegin Corinne Suter und Michelle Gisin wurde Dritte.

„Hopp Schwiiz“, es läuft tatsächlich wie auf Schienen, doch vom Himmel gefallen sind die Ergebnisse nicht. Vor allem nicht bei den Slalommännern, die seit Beginn des Weltcup-Zirkus bis Dezember 2018 auf insgesamt 13 Erfolge kamen – während Ivica Kostelic allein schon 15 Siege für Kroatien eingefahren hatte. „Das ist das Ergebnis einer Aufbauarbeit, mit der wir vor ein paar Jahren begonnen haben“, sagt Reusser. Ganz wichtig war, für ein gutes Klima innerhalb der Mannschaft zu sorgen, die Reusser „Future Gruppe“ nennt. „Die Stimmung ist unglaublich gut. Die Typen passen zusammen und sie freuen sich miteinander“, meint der Sportdirektor, der mit Freude beobachtet, dass ein Rennläufer, der sich für den zweiten Durchgang nicht qualifiziert, trotzdem im Zielraum steht und die Kameraden anfeuert, als gehe es um den eigenen Erfolg.

Die jungen Wilden

Den jungen Wilden im Schweizer Team wird Zeit gegeben – auch das ist neu bei Swiss-Ski. „Wir haben aus Fehlern gelernt“, sagt Reusser, denn früher wurden die Nachwuchsleute ins kalte Wasser geworfen, und als sie zwangsläufig noch nicht richtig schwimmen konnten, hat man sie wieder fallengelassen. „Da wurden die Nachwuchsleute viel zu früh wieder kaltgestellt. Heute haben wir realisiert, dass sie Zeit brauchen bis sie mitfahren können, und diese Zeit geben wir ihnen“, sagt Walter Reusser. Auch wenn die Athleten dann mal wieder einen Schritt zurückmachen – es wird an ihnen festgehalten, das stärkt sie mental und bringt sie irgendwann wieder nach vorne.

Im Slalom von Wengen sind die Augen auf Daniel Yule gerichtet, in der traditionsreichen Abfahrt im Schatten von Eiger, Mönch und Jungfrau haben die Schweizer in Beat Feuz einen Sieganwärter in ihren Reihen – und eine Woche später in Kitzbühel plant der zuletzt verletzte, aber hoch veranlagte Marco Odermatt, wieder in die Skibindung zu steigen. Bei den Schweizern, da geht was. Und zwei oder drei andere Talente, so Sportdirektor Reusser, die habe man in der Hinterhand. Sie brauchen nur noch ein bisschen Zeit.

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