Skispringen – Vierschanzentournee Herber Dämpfer für Karl Geiger

Von Jochen Klingovsky 

Beim dritten Springen der Vierschanzentournee in Innsbruck wird der Oberstdorfer Karl Geiger nur Achter, ist entsprechend enttäuscht. Und muss den Gesamtsieg trotzdem noch nicht abhaken.

Karl Geiger in Innsbruck: Es hätte noch schlimmer kommen können. Foto: dpa/Daniel Karmann
Karl Geiger in Innsbruck: Es hätte noch schlimmer kommen können. Foto: dpa/Daniel Karmann

Innsbruck/Bischofshofen - Ein gequältes Lächeln rang sich Karl Geiger noch ab, mehr Zuversicht wollte er nicht verbreiten. Warum auch? Nach zwei zweiten Plätzen in Oberstdorf und Garmisch hatte der 26-Jährige vor der zweiten Hälfte der Vierschanzentournee auf Rang zwei gelegen – und dann ging ausgerechnet das Springen in Innsbruck daneben. Dort, wo er im Februar bei der WM noch Einzel-Silber und Team-Gold gewonnen hatte, war jeglicher Glanz plötzlich verschwunden. Das hatte natürlich mit den schwierigen Bedingungen zu tun, die Karl Geiger besonders trafen. Allerdings auch ein bisschen mit ihm selbst. „Ich bin auf Angriff gegangen, doch das hat nicht so gut geklappt. Das ärgert mich extrem“, meinte der Oberstdorfer. „Ich war beim ersten Sprung zu früh dran, das war nicht die feine Klinge.“

Nach dem Satz auf 117,5 Meter lag Geiger auf Rang 23, und auch in der Gesamtwertung drohte ihm der große Absturz – zumal seine Konkurrenten Marius Lindvik (Norwegen) und Dawid Kubacki (Polen/je 133 Meter) führten und auch Ryoyu Kobayashi (Japan/122 Meter) besser gesprungen war. Doch dann packte Geiger seinen Kampfgeist aus („Meine Form stimmt ja“) – und in Durchgang zwei hatte er auch bessere Verhältnisse.

Horngacher: „Es hätte auch viel schlimmer kommen können“

Diesmal landete er erst nach 126 Metern, verbesserte sich in der Tageswertung damit noch auf Rang acht. „Das war eine tolle Leistung“, lobte Bundestrainer Stefan Horngacher, „dank dieses Topsprungs hat er sich doch noch achtbar aus der Affäre gezogen – es hätte alles auch viel schlimmer kommen können. Karl hat immer noch alle Chancen.“

Das stimmt zwar, sollten an diesem Montag (17.15 Uhr/ARD, Eurosport) beim Abschlussspringen der Tournee in Bischofshofen ähnlich wechselhafte und schwierige Verhältnisse herrschen wie am Samstag in Innsbruck. Wenn nicht? Dann müssten sich Kubacki und Lindvik schon gröbere Schnitzer leisten, um noch hinter Geiger zurückzufallen.

Zweiter Tagessieg für Lindvik

Kubacki, Weltmeister 2019 auf der Normalschanze in Seefeld, sprang in Innsbruck zum dritten Mal bei dieser Tournee aufs Treppchen – er hat sich als Einziger der Topleute noch keinen schlechten Versuch geleistet. Am Bergisel musste sich der Pole nur dem neuen Überflieger aus Norwegen geschlagen geben: Marius Lindvik schaffte nach Garmisch seinen zweiten Tagessieg, worüber selbst sein österreichischer Trainer Alexander Stöckl staunte: „Er bekommt gar nicht so recht mit, was hier bei der Tournee gerade passiert. Die beiden Erfolge geben seinem Selbstvertrauen einen Riesenschub und die Bestätigung, dass seine Technik funktioniert.“

Hier finden Sie alle deutschen Tournee-Sieger auf einen Blick

Weshalb Lindvik, der 21-jährige Junioren-Weltmeister, bei seiner ersten Tournee plötzlich sogar ein Siegkandidat ist. In der Gesamtwertung liegt er 9,1 Punkte hinter Dawid Kubacki. Das ist nicht wenig, aber auch nicht uneinholbar. Dahinter folgen Karl Geiger (–13,3) und Ryoyu Kobayashi (–13,7), der im zweiten Durchgang von Innsbruck noch auf Rang 14 zurückgefallen war. Trotz des Rückstands hat auch Geiger die Hoffnung auf den Triumph bei der Tournee nicht aufgegeben: „Ich werde volles Risiko gehen.“

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