Skulpturenprojekt an der Schorndorfer Stadtkirche 13 Fragen an die Gesellschaft

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Die Skulpturen an der Schorndorfer Stadtkirche füllen leere Heilgennischen. Sie sind noch bis zum 10. November zu sehen.

Hardy Langers Skulptur ist farblich kaum zu übersehen. Sie  hat den Titel „Wer ankommen will, muss weggehen.“ Foto: Stoppel 13 Bilder
Hardy Langers Skulptur ist farblich kaum zu übersehen. Sie hat den Titel „Wer ankommen will, muss weggehen.“ Foto: Stoppel

Schorndorf - Seit dem 1. April sind etliche der seit historischer Zeit leer geräumten Heligennischen der Schorndorfer Stadtkirche neu gefüllt. In einem vom Bund geförderten Projekt hatten 13 Künstler Arbeiten für die Außenfassade des Gotteshauses entworfen. Bis zum 10. November können Besucher der Daimlerstadt die jederzeit und für jedermann zugänglichen Skulpturen noch in Augenschein nehmen. Große Tafeln führen in die jeweiligen Arbeiten ein, zudem ist ein Katalog mit Begleittexten erschienen, der im örtlichen Buchhandel verkauft wird.

Mehr als eine kirchliche Kunstaktion

Die Organisatorin des Projekts, Ursel Quast, freut über das Interesse an den Arbeiten, die bereits einige Besucher nach Schorndorf gezogen haben. Es sei absolut unüblich, dass die Leerräume, welche die Reformation hinterlassen habe, wieder mit zum Teil modernen Kunstobjekten gefüllt würden, sagt sie. Allerdings sehe sie es im Nachhinein kritisch, dass das Projekt als eine kirchliche Kunstaktion wahrgenommen. „Die 13 Fragen, welche die Arbeiten aufwerfen, richten sich an die ganze Gesellschaft“, sagt Quast.

Daher wäre es aus ihrer Sicht zu eingeengt, die Aktion nur unter dem Vorzeichen des Jubiläums von Martin Luthers Thesenanschlag zu sehen. Sie würde sich wünschen, dass die Arbeiten stärker wahrgenommen und gesamtgesellschaftlich diskutiert würden, sagt Ursel Quast. Immerhin hätten sich etliche Beteiligte in Schorndorf für das aufwendige Projekt engagiert.

Bei insgesamt drei öffentlichen Veranstaltungen ist nun noch Gelegenheiten dazu, den gesellschaftskritischen Fragen der Künstler nachzuspüren. Am Freitag, 29. September, nimmt sich der Tübinger Theologe Karl-Josef Kuschel die „Doppelgesichtigkeit der Religion“ vor. Sein Vortrag mit dem Titel „Krieg und Frieden im Namen Gottes?“ beginnt um 18.30 Uhr.

Das Papst-Lehrschreiben „Diese Wirtschaft tötet“ und die „Notwendigkeit eines konsequenten Perspektivenwechsels“ beleuchtet der katholische Theologe Boniface Mabanza-Bambu am Freitag, 27. Oktober, in der Schorndorfer Stadtkirche. Auch dieser Vortrag beginnt um 18.30 Uhr.

Finnissage am 10. November

Die Finissage des Projektes ist dann am Freitag, 10. November. Von 18.30 Uhr an spricht der Marburger Professor für Kirchenbau und kirchliche Kunst, Thomas Erne, über das Kernthema des Projektes: „Auf der Schwelle – Kirche und Kunst begegnen sich.“ Alle Vorträge werden von hochkarätigen Musikern umrahmt.