In der Ludwigsburger Friedenskirche ist zwischen 13. Februar und 6. März wieder Essen in Gesellschaft angesagt. Das ist trotz Corona möglich, sind die Organisatoren überzeugt. Unter welchen Bedingungen kann das funktionieren?

Ludwigsburg: Susanne Mathes (mat)

Ludwigsburg - „Es ist ein Wagnis, aber auch ein deutliches Signal in die Öffentlichkeit: Wir sind als Kirche und Diakonie da. In Präsenz“, sagt Martin Strecker, der Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbandes. Die Vesperkirche wird 2022, Corona zum Trotz, wieder in der Friedenskirche stattfinden – im Gegensatz etwa zur Stuttgarter Vesperkirche. „Wir haben da mit unserer riesigen Friedenskirche bessere Möglichkeiten“, erklärt Strecker. Und wenn die Pandemie auch Abstriche fordert und Veranstaltern und Gästen den Verzicht auf Liebgewonnenes abnötigt – es wird zum Beispiel keinen Friseur, keine Fußpflege, keinen Tierarzt geben, die sonst für Menschen mit kleinem Geldbeutel bereitstanden, und auch keine Kinderecke –, so soll doch das Fundament nicht wanken. Also: gemeinsam bei einer Mahlzeit am Tisch zu sitzen.

„Gerade die Einsamkeit und die Kontaktarmut ist für unsere Gäste seit Corona zum großen Problem geworden“, sagt Strecker. Auch ein dezentrales Vesperkirche-to-go-Angebot wie 2021, als per Gutscheinsystem Speisen in mehreren Gaststätten abgeholt werden konnten, könne das Essen in Gesellschaft keinesfalls kompensieren. „Aber letztes Jahr mussten wir eben verhindern, dass es an der Friedenskirche zu größeren Menschenansammlungen kommt“, erklärt Vesperkirchen-Projektleiterin Bärbel Albrecht.

Gewusel in der Kirche – das geht nicht

Dieses Jahr sieht es wieder ein bisschen anders aus. Vom 13. Februar bis zum 6. März stellen rund 250 Helferinnen und Helfer wieder ein Präsenzangebot auf die Beine – die Karlshöhe kocht, Spender steuern Kuchen bei, die Menschen sitzen gemeinsam am Tisch. Indes: In der Kirche essen – und auch als Helfer tätig werden – kann nur, wer die 2G-plus-Voraussetzungen erfüllt. „Anders ist es nicht machbar“, so Bärbel Albrecht.

Auch werden die Tische mit größerem Abstand zueinander aufgestellt, es gibt weniger Plätze, ein striktes Hygienekonzept, und Mittagessen und Kuchen werden den Gästen vom Bedienungs-Team an ein und demselben Platz serviert. Mancher werde wohl bedauern, nicht mehr selbst am Kuchenbuffet wählen zu können, bedauert Friedenskirchen-Pfarrerin Gisela Vogt. Aber Gewusel in der Kirche – das geht in Pandemiezeiten nicht. Überhaupt sei man sich der Tatsache bewusst, dass die Vesperkirche je nach Entwicklung der Pandemielage womöglich abgebrochen werden müsse. „Aber wir wollen zuversichtlich sein“, so Vogt.

Niemand wird weggeschickt

„Wichtig ist: Wir schicken niemanden weg, der keine Impf- oder Testnachweise hat“, betont Bärbel Albrecht. Für Gäste, die nicht geimpft, genesen oder getestet sind, wird eine Essensausgabe am Kellereingang der Friedenskirche organisiert. Eine Firma hat dafür Mehrweggeschirr gespendet – „wir wollen den To-go-Müllberg nicht noch vergrößern“, so Strecker. Viele Gäste haben kein Handy und kein Geld für Pfand, also musste ein praktikables Ausleihsystem her. Das Geschirr wird es gegen Registrierung geben. Wer es zuverlässig zurückbringt, nimmt am Vesperkirchen-Ende an einer Tombola teil.

Weil diesmal auch keine Kinderecke aufgebaut werden kann, will das Team kleine Bastel- und Malsets für junge Besucher zusammenstellen. Kleine Gäste können dann zumindest am Esstisch basteln, „vor allem in der Faschingsferienwoche rechnen wir auch mit mehr Familien“, sagt Martin Strecker. Alles sei bei der diesjährigen Planung einem großen Abwägungsprozess unterzogen worden. Das Benefizkonzert des Bosch-Orchesters beispielsweise habe abgesagt werden müssen. Man hoffe, es im Herbst nachholen zu können. „Aber wir haben versucht, so viel wie möglich zu retten, damit die Vesperkirche 2022 trotzdem die Vesperkirche bleibt.“

Wie die Vesperkirche 2022 funktioniert

Helfer gesucht
Gesucht werden noch kräftige Helfer für den Aufbau des Schutzbodens in der Friedenskirche sowie Ärzte und medizinisches Personal für die Vesperkirchen-Ambulanz. Wer mitmachen will, meldet sich bei Bärbel Albrecht unter Telefon 01 76 -32 09 0152. Wer Kuchen spenden möchte, kann sich bei der Kuchenhotline unter Telefon 01 76 – 75 21 50 57 melden. Weitere Infos gibt es unter www.vesperkirche-ludwigsburg.de

Die Termine
Die Vesperkirche findet von 13. Februar bis 6. März statt. Essen in der Kirche gibt es jeweils von 12 Uhr bis 13.45 Uhr. Geöffnet ist die Kirche von 11.30 Uhr bis 14 Uhr. Das Wort zur Mitte des Tages gibt es jeweils um 12.45 Uhr. In der Kirche gelten die 2G-plus-Regeln und außerhalb der Mahlzeit die Maskenpflicht. Das „Essen to go“ für Besucher ohne 2G-plus-Nachweis gibt es von 12 Uhr bis 13.45 Uhr am Kirchenkeller hinter der Friedenskirche.

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